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16 December 2019 / Lesezeit: 2 minuten

Unternehmen als Gemeingut denken

Sonett gehört sich selbst

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Vorausschauende Nachfolgeregelung: Durch die Berufung der zwei langjährigen Mitarbeiter Andreas Roth (re.) und Oliver Groß (2. v. re.) zu Beate Oberdorfer und Gerhard Heid in die Geschäftsführung von Sonett steht die nächste Generation schon heute in der Verantwortung für die Zukunft des Unternehmens

Titelbild: Sonett GmbH

Titelbild: Sonett GmbH

Wie wirtschaftet es sich, wenn ein Unternehmen nicht in Privatbesitz ist, sondern von den UnternehmerInnen quasi treuhänderisch in Verantwortungseigentum geführt wird? Der Wasch- und Reinigungsmittelhersteller Sonett macht es vor

In der Öko- und Biobranche stehen viele Unternehmen vor einem Generationenwechsel. Und damit vor der Frage, wie sie ihr werteorientiertes Wirtschaften für die Zukunft sichern können. Es gilt, den Betrieb vor dem Zugriff von Spekulanten und Investoren, aber auch vor den mit Verkauf und Vererbung einhergehenden Unwägbarkeiten zu schützen. Wir haben mit den GeschäftsführerInnen des Wasch- und Reinigungsmittelherstellers Sonett gesprochen, der dafür eine exemplarische Lösung gefunden hat.

Seit 2014 ist Sonett ein „Unternehmen in Verantwortungseigentum“. Was ist damit gemeint?
Wir haben unsere Gesellschafteranteile, die wir übrigens nie als unser privates Eigentum verstanden haben, an die Stiftung Sonett übertragen und sind seitdem ein Stiftungsunternehmen. Die Stiftung Sonett ist also die Eigentümerin von Sonett. Damit sind Kapital, Anlagen, Grund und Boden aus dem Privatbesitz befreit und das Unternehmen kann nicht mehr verkauft oder vererbt werden. Das befreit uns auch von dem Konflikt zwischen Arbeitgeber- und ArbeitnehmerInnen – alle können sich gemeinsam der Unternehmensaufgabe widmen.

Sind Interessenskonflikte zwischen Stiftung und Geschäftsführung nicht vorprogrammiert?
Bei unserem Stiftungsmodell geht es nicht um ein Kontrollieren oder Misstrauen der Unternehmensführung. Diese braucht selbstverständlich größtmögliche Freiheit. Die Hoheit der Gewinnverwendung beziehungsweise -aufteilung liegt in der Hand der Stiftung Sonett. Da aber die Geschäftsführung von Sonett im Stiftungsvorstand vertreten ist und alle die gleichen ökologischen, sozialen und ideellen Überzeugungen teilen, kommt es nicht zu Interessenskonflikten.

Was geschieht denn mit den Gewinnen?
Ein Teil geht jedes Jahr als Zustiftung an die Stiftung Sonett, ein weiterer Teil wird an alle MitarbeiterInnen ausgeschüttet, der Rest verbleibt im Unternehmen als Investitionsrücklage.

Ihre Art des „Unternehmens in Verantwortungseigentum“ gibt es bislang nicht als Rechtsform, Sonett ist eine GmbH. Sehen Sie hier politischen Handlungsbedarf?
Wir arbeiten zusammen mit dem Purpose-Netzwerk und dem Stiftungsunternehmensverband GTREU an der Initiative für eine neue „Rechtsform für Verantwortungseigentum“. Eine solche Rechtsform ist allerdings im gängigen Rechtsverständnis noch ziemliches Neuland, da nach wie vor alles Denken ausschließlich auf das Privatkapital ausgerichtet ist. Doch immer mehr Menschen heute empfinden Unternehmen als Gemeingut, das von den UnternehmerInnen nur „treuhänderisch“ und im besten Sinn des Unternehmenszwecks geführt werden sollte.

Sonett

Mit Konsequenz und Überzeugung entwickelt Sonett seit über 40 Jahren ökologische Wasch- und Reinigungsmittel in einzigartiger Qualität, die das Wasser achten als Träger alles Lebendigen.

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