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6 August 2018 / Lesezeit: 3 minuten

Verpackungsalternativen

Verpackungen aus Blättern

Die nachhaltigen Verpackungen von Arekapak werden aus speziellen Palmenblättern hergestellt

Titelbild: Arekapak

Sie sind eines unserer größten Probleme: Lebensmittel in Plastikverpackungen. Das Start-up Arekapak hat nun eine Verpackungsalternative entwickelt, die 100 Prozent natürlich ist: Schalen aus dem Laub der Arekapalme

Es ist ein Problem, das man fast gar nicht vermeiden kann: die Menge an Verpackungsmüll, die nach einem normalen Einkauf entsteht, ist immens. In Plastik eingeschweißte Biogurken, doppelt verpackte Bonbons und vieles mehr – oft sind die Verpackungen nicht nicht einmal wirklich sinnvoll.

Problem Verpackungsmüll

Mehr als 18 Millionen Tonnen Verpackungen fielen allein in Deutschland 2015 als Abfall an, Tendenz steigend. Etwa 37 Kilo Kunststoffverpackungen „verbraucht“ jeder Deutsche im Jahr).

Gezwungenermaßen: denn die Verbraucher sprechen sich neuen Umfragen zufolge klar gegen die umweltschädigenden Verpackungen aus. Gut ist, dass immer mehr Menschen beim Einkaufen darauf achten – zum Beispiel in dem sie in Zero Waste Läden einkaufen gehen. Und auch gut ist, wenn Unternehmen sinnvolle und nachhaltige Alternativen entwickeln – so wie Arekapak.

Die alternativen Verpackungen des Berliner Start-ups sehen nicht nur wirklich schön aus, sondern sind auch richtig gut für die Umwelt. Sie werden nämlich aus dem Laub der Arekapalme gepresst und bestehen damit vollständig aus einem Abfallprodukt, das ansonsten einfach verrotten würde.

Mit einem Abfallprodukt gegen das Abfallproblem

„Gerade bei so kurzlebigen Produkten wie Lebensmitteln ist das quasi unvergängliche Plastik einfach die falsche Lösung“, sagt Nicole Plock, Gründerin von Arekapak. Ihre nachhaltige Verpackung besteht zu 100 Prozent aus einem Agrarnebenprodukt: Die riesigen Blätter der Arekapalme fallen auf den Plantagen in Indien als Laub von den Palmen und würden normalerweise auf dem Boden verrotten. Etwas Vergleichbares habe man in Deutschland nicht gefunden, da die Palmblätter eher eine holzähnliche Schutzhülle sind, anders als das kleinteilige, leichte Laub unserer Gefilde.

Für Arekapak werden diese Blätter vor Ort gesammelt, eingeweicht und nur mit Hitze und Druck in die richtige Form gepresst. Hier haben sich in den letzten Jahren mehrere kleine Manufakturen gegründet, die aus den Blättern zum Beispiel Einwegteller herstellen, die es bei uns in Deutschland schon zu kaufen gibt. Plock und ihre Mitgründerin haben das Potenzial dieses Materials erkannt und wollen daraus nun Verpackungen herstellen. Durch das einfache Verfahren in den Manufakturen entsteht eine nachhaltige und innovative Verpackungslösung – mit wenig Wasserverbrauch, geringem Energieaufwand und komplett ohne chemische Zusätze. Neu gepflanzt werden muss für die Herstellung von Arekapak auch nicht: die Palme wächst auf vielen Plantagen in Teilen Asiens und Afrikas, wo ihre Nüsse sehr beliebt sind.

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Daher seien die Verpackungen insgesamt auch ressourcenschonender und besser fürs Klima – obwohl sie einmal um die Welt geschifft werden. Arekapak arbeitet auch an einer aussagekräftigen CO2-Bilanz für sein Produkt.

Nach dem Gebrauch als Verpackung können die gepressten Palmenblätter noch viele Male weiterverwendet werden: zum Beispiel als Servierschale oder Brotdose. Das Material ist sogar bis zu 200 Grad ofenfest und lässt sich so ideal für zum Beispiel Ofengemüse oder kleine Aufläufe benutzen. Plock hat zuhause selbst noch Schalen, die sie bereits seit über vier Jahren nutzt. Wenn die Verpackungen nicht mehr gebraucht werden, können sie ganz einfach auf den Kompost geworfen werden – und werden hier innerhalb von 60 Tagen zu Erde.

Arekapak: Von der Bachelorarbeit in die Regale

Nicole Plock und ihre Mitgründerin Alexandra Matthies haben zusammen Kommunikationsdesign studiert und sich während des Studiums viel mit nachhaltigen Lösungen beschäftigt. Während eines gemeinsamen Auslandssemesters in Indien sind sie auf die Idee zu Arekapak gekommen. Vor allem, weil das Müllproblem dort so präsent ist. „Der Müll liegt überall auf der Straße – das hat uns wahnsinnig schockiert“, erzählt Plock. Gleichzeitig wären sie aber auch auf die vielen Naturmaterialien gestoßen, die in Indien als Verpackungsmaterial verwendet werden.

So sind die beiden auch auf die Blätter der Arekapalme gestoßen und haben ihre Bachelorarbeit über das Material geschrieben. Aus dieser wurde dann ihr Arekapak. Eine Idee, die ankommt. So ist das Start-up unter anderem Titelträger der Kultur- und Kreativpiloten. Zur Zeit befinden sich die Gründerinnen wieder in Indien, um mit möglichen Produzenten ins Gespräch zu kommen. „Hier gibt es in den ländlichen Regionen ein paar kleine Manufakturen für Einweggeschirr, die vor allem vielen Frauen die Existenz sichert. Diese möchten wir unterstützen, indem wir mit Kleinproduzenten arbeiten“, sagt Plock.

Außerdem arbeitet das Start-up gerade mit potenziellen Kunden zusammen, um herauszufinden, für welche Produkte welche Art von Verpackung am besten geeignet ist. Perfekt ist das Arekapak zum Beispiel für Nüsse. Ab Sommer kann man wahrscheinlich die ersten Testversionen der hochwertigen Verpackung im Einzelhandel finden. Langfristig denken Plock und Matthies auch über nachhaltige Lösungen für Take-Away und Lieferservices nach. So lässt sich hoffentlich in Zukunft eine Menge Plastikmüll vermeiden – indem die Verbraucher auf die Palme gebracht werden.