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1 October 2016 / Lesezeit: 2 minuten

Greenpeace-Report

Ist Mikroplastik wirklich gefährlich?

Große Plastikteile sind ohne Frage ein großes Problem, weil Tiere daran verenden können – aber wie verhält es sich mit Mikroplastik?

Titelbild: Brian Yurasits/Unsplash

Titelbild: Brian Yurasits/Unsplash

Wie gefährlich ist Mikroplastik wirklich? Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen, sagt ein Bericht von Greenpeace, der aktuelle Studien und Untersuchungen zusammenfasst. Dennoch: Ein ungutes Gefühl bleibt

Seit einiger Zeit beschäftigt Mikroplastik die Umweltaktivisten von Greenpeace – genauer gesagt Greenpeace UK. In Großbritannien kämpft die Organisation zusammen mit anderen Initiativen für ein Verbot von Mikroplastik, oder Microbeads, wie die Kleinstpartikel im Englischen genannt werden.

In einer Petition richten sich das Bündnis an die britische Premierministerin Theresa May. Sie solle dem Beispiel von US-Präsident Barack Obama und anderen Staatschefs folgen und Microbeads in Cremes, Peelings oder Zahnpasta verbieten.

Der Hintergrund: Mikroplastik kann von Kläranlagen nicht aus dem Abwasser gefiltert werden oder bricht von größeren Plastikteilen in den Meeren ab. Dort gelangen die nur wenige Nano- bis Millimeter großen Stücke in die Nahrungskette, reichern sich an und landen so letztlich auch in unserem Körper – oder?

Um diese Fragen zu beantworten, hat Greenpeace UK einen Report veröffentlicht, den es zum Download auch in deutscher Sprache gibt. Das Ziel: Den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Mikroplastik übersichtlich zusammenzutragen. Der Fokus lag dabei auf dem Meer, da die Teilchen letztlich vor allem dort landen und den vermeintlich größten Schaden anrichten.

Doch kann Greenpeace das überhaupt? Die Organisation verfolgt offen das Ziel, Mikroplastik zu verbieten. Da liegt der Verdacht nahe, es könnten nur solche Untersuchungen in ihren Bericht aufgenommen werden, die diese Forderung stützen. Zudem hat die Umweltorganisation vor Kurzem bereits eine Befragung unter der britischen Bevölkerung veröffentlicht, die zeigen sollte: Die Bürger wollen ein Verbot von Mikroplastik. Bei genauer Betrachtung zeigt sich aber, wie die Methodik der Studie bloß ein Ergebnis zulässt. Man bekommt das ungute Gefühl, hier wurde eine Befragung für ein feststehendes Ergebnis produziert.

Zurückhaltend und ausgeglichen

Ein Vorwurf, den man dem neuen Bericht nur in kleinen Teilen machen kann. Denn natürlich setzt er sich dafür ein, das Vorsorgeprinzip anzuwenden und so wenig Mikroplastik wie möglich in die Umwelt gelangen zu lassen.

Aber: Der Report ist für eine Umweltorganisation erstaunlich zurückhaltend und ausgeglichen. Die Schlussfolgerung ist nicht unbedingt „Mikroplastik verbieten!“, sondern eher „Mehr Forschung!“.

Alles in allem präsentiert Greenpeace eine Vielzahl verschiedener Studien, die zeigen, wo sich Mikroplastik finden und nachweisen lässt, wie hoch die Konzentrationen bei verschiedenen Stichproben sind und welche Wirkung es auf Fische und andere Meeresbewohner hat.

Mikroplastik lässt sich fast überall nachweisen

Das grobe Fazit: Mikroplastik lässt sich an fast allen Stationen der Nahrungskette nachweisen, bei Fischen finden sich aber nur noch bei maximal 35 Prozent Kleinstteilchen im Körper – dass sie wie oft befürchtet so auch in den menschlichen Organismus gelangen, ist hingegen keinesfalls gesichert.

Der Bericht betont an einer sehr frühen Stelle, dass man in manchen Stichproben keinerlei Mikroplastik im Körper von Fischen und Krebsen gefunden hat. Oder dass auf den ersten Blick Baumwollfasern solchen aus Plastik zum Verwechseln ähneln, was Studienergebnisse natürlich nachhaltig verfälscht.

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Der Mikroplastik-Report von Greenpeace UK ist deswegen unglaublich wertvoll. Denn er bringt Sachlichkeit in die Diskussion, was auch den Umweltschützern selbst gut tut. Er sagt nicht nur, das ist schlecht und muss verboten werden, er schafft eine zurückhaltende Basis für eine sachdiendliche Diskussion. Im Ergebnis steht keine blinde Panikmache.

Was bleibt ist dennoch ein ungutes Gefühl. Denn so unsicher viele Aspekte bezüglich Mikroplastik noch sind: Die Partikel sind da. Da schwimmt etwas in unseren Meeren und gelangt in die Nahrungskette, was da nicht hingehört. Und dass wir so wenig darüber wissen, trägt nicht zur Beruhigung bei.