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2 Januar 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Ausstellung „Adieu Plastiktüte!“

Vom Ende einer Liebe

Reißfest, wasserdicht und einfach praktisch – dafür liebten wir die Plastiktüte einst. Heute lassen wir sie gehen. Für die Umwelt.

TITELBILD: IMAGO IMAGES/PHOTOTHEK

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Früher Wirtschaftswunderkind, heute geächtet: Die Ausstellung „Adieu Plastiktüte!“ widmet sich der einst inflationär verwendeten Tragetasche und thematisiert die Folgen ihres immensen Verbrauchs.

Sie ist zum Inbegriff der Umweltverschmutzung geworden – die Einkaufstüte aus Plastik. Dabei begann alles, dies zeigt die Ausstellung „Adieu Plastiktüte!“, so vielversprechend: Vor etwa 50 Jahren hat sie in unsere Geschäfte und Haushalte Einzug gehalten, nachdem um 1965 die preisgünstige Massenfertigung von Tüten aus Polyethylen und Polypropylen möglich wurde. Anders als die Papiertüte hielt sie ein größeres Gewicht aus, war wasserdicht, säurefest, lebensmittelecht und gut haltbar.

Ausstellung „Adieu Plastiktüte!“: Spielwiese der grafischen Gestaltung

Mit ihren großartigen Möglichkeiten, bedruckt zu werden, war die Plastiktüte zudem wie geschaffen für die Wirtschaftswunderzeit: schnell verfügbar, billig und ein hervorragender Werbeträger. Auch die Tüten selbst wurden zum Distinktionsmittel: Man zeigte, wo man kaufte! Die Plastiktüte wurde so zu einer Spielwiese der grafischen Gestaltung, die einen innovativen Umgang mit Formen, Farben und Motiven aufwies. Kein Wunder, dass die Tüten auch gesammelt wurden, zumal sie an Firmen und Geschäfte erinnern, die es längst nicht mehr gibt.

Das Museum der Alltagskultur zeigt nun in der Ausstellung „Adieu Plastiktüte!“ eine wechselnde Auswahl aus rund 50.000 Exemplaren, die dem Museum von zwei Sammlern zur Verfügung gestellt wurden. Die Ausstellung informiert ausführlich über Herstellung, Gestaltung und Verwendung der praktischen Einkaufshelfer aus dem letzten Jahrhundert.

Ausstellung „Adieu Plastiktüte!“: sinnbildlich für die Kehrseite des Massenkonsums

Auch die Folgen des immensen Plastikverbrauchs werden thematisiert: von den riesigen Plastikinseln im Pazifik bis hin zum Problemfaktor Mikroplastik – der Kehrseite des Massenkonsums, für den die Plastiktüte sinnbildlich steht. Wer selbst noch eine Plastiktütensammlung besitzt und der alten Liebe neues Leben einhauchen will: Über die gesamte Laufzeit der Ausstellung „Adieu Plastiktüte!“ gibt es eine offene Upcycling-Werkstatt, in der die Besucher*innen nützliche oder dekorative Gegenstände aus Plastiktüten fertigen können.

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„Adieu Plastiktüte!“

Museum der Alltagskultur – Schloss Waldenbuch, bis 3. Juli 2020