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19 February 2018 / Lesezeit: 2 minuten

Schädlingsbekämpfung mit Schneckenenten

Schnäbel gegen Schnecken

Sehr viel umweltfreundlicher als Gift, aber in der Schneckenbekämpfung sehr effektiv: Laufenten

Titelbild: rihaij/Pixabay

Titelbild: rihaij/Pixabay

In der Schneckenbekämpfung sehr viel umweltfreundlicher als herkömmliches Gift, aber mindestens genauso effektiv: Enten

Frau Halbwirth, wenn ich meinen Garten mit Laufenten von Schnecken befreien will, kann ich mir ein Tier für 15 Euro kaufen – oder bei Ihnen für 50 Euro im Monat mieten. Wieso kommen die Leute trotzdem zu Ihnen?

Die meisten Kunden wollen ihre Freiheit nicht verlieren und sagen sich: Ich will das mit den Enten nur mal für zwei Wo- chen ausprobieren, dann beginnt wieder die Biergartensaison. Da will ich nicht um 9 Uhr abends zuhause sein müssen. Denn auch wenn man die Laufenten nur leiht, muss man sich um sie kümmern.

Das heißt?

Die Tiere brauchen sehr viel Wasser, mit dem sie die Schnecken runterspülen. Außerdem müssen sie nachts eingesperrt werden, damit sie nicht von Mardern und Füchsen gefressen werden. Bei Vollmond bleiben die Enten auch mal länger draußen, die Tiere leben einfach komplett nach der Schnecke, das muss man ab und an beachten. Diese Einschränkung nehmen die meisten für wenige Wochen hin, dauerhaft ist das sicher für die wenigsten Menschen eine Option.

Man könnte die Enten ja auch einfach schlachten, wenn man sie nicht mehr braucht.

Ja, so hat das auch bei mir angefangen. Auf unserem Hof halten wir schon seit 30 Jahren Indische Laufenten. 2010 wurden es dann aber so viele, dass wir einige Tiere schlachten mussten. Das tat ich aber nur ungern. Damals habe ich im Radio von einem Golfplatz in Österreich gehört, der die Tiere nachdem sie die Anlage schneckenfrei gemacht hatten verleiht. Da dachte ich mir: Das mache ich auch! Irgendwann waren meine 20 Enten dann permanent ausgebucht.

Warum sind die Enten denn inzwischen so gefragt?

Jeder, der einen Garten hat, kämpft mit Schnecken. Inzwischen wollen da aber nur noch wenige mit Gift arbeiten. Denn das tut dem Garten auch nicht gut. Natürliche Methoden sind im Trend.

Das heißt jedes Jahr ein neuer Rekord und mehr Arbeit?

Nein, das Geschäft schwankt und ist stark vom Wetter abhängig. Dieser Sommer war sehr nass, dadurch gab es viele Schnecken. Das heißt, für mich lief es gut, im Oktober ist die Saison dann aber auch vorbei.

Und wann lief es mal nicht so gut?

Es gab schon Jahre, da hat der Fuchs bei jedem dritten Kunden die Enten umgebracht.

Ist nie jemand auf die Idee gekommen, eine zu schlachten und zu essen?

Nein, das ist zum Glück noch nicht vorgekommen. Den Kunden war oft nicht bewusst, wie wichtig es ist, die Enten nachts wirklich sicher einzusperren. Wenn Enten sterben, passiert das meist einfach aus Unwissenheit und nicht mutwillig. Würde das bei den meisten Kunden passieren, würde ich auch sofort aufhören, da geht es mir einfach um das Tierwohl. Das war auch etwas, das ich erst lernen musste.

Inwiefern?

Ganz am Anfang habe ich mich mehr nach den Wünschen der Kunden als nach den Tieren gerichtet, das war ein großer Fehler. Das war für mich stressig und für die Enten. Inzwischen lasse ich sie zum Beispiel nur noch abends abholen, wenn sie schon im Stall sind.

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Jetzt im Oktober endet für die Enten die Schnecken-Saison – was machen Sie dann mit denen?

Zwischen Oktober und März sind alle zuhause. Je nach Temperatur sind sie dann im Stall oder auch mal draußen. Außerdem habe ich hier in der Zeit „Ferienenten“ von Leuten, die weiter oben in den Bergen wohnen, wo es im Winter zu kalt für die Tiere wird. Und im Frühjahr geht es wieder raus auf Schneckenjagd.