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20 April 2022 / Lesezeit: 4 minuten

Die Vielfalt macht‘s

Warum Öko-Landbau DIE Alternative für die Zukunft ist

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Die Artenvielfalt auf einer Blumenwiese oder einem ökologisch angebauten Feld ist höher als die Artenvielfalt auf einer reinen Rasenfläche oder einem konventionell angelegten Acker.

Bild: Naturland/Hilda Weges

Bild: Naturland/Hilda Weges

Artenvielfalt ist wichtig, damit unser Leben lebenswert bleibt. Die intensive Landwirtschaft ist Hauptverursacherin für den starken Artenrückgang in unserer Landschaft. Bio-Bäuerinnen und -Bauern, die nach Naturland Richtlinien arbeiten, steuern dem entgegen und übernehmen eine wichtige Rolle beim Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschaft. Sie verzichten auf Pestizide und bauen vielfältige blütenreiche Ackerpflanzen an. Doch kann jede:r mit einem nachhaltigen Lebensstil zum Artenschutz beitragen?

Der Verlust der Artenvielfalt ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Dieser Herausforderung muss sich ganz besonders auch die Landwirtschaft stellen. Denn wie wir unsere Felder und Wiesen bewirtschaften, hat ganz erhebliche Auswirkungen auf die Biodiversität und natürlich auch die Artenvielfalt. Eine Schlüsselstellung kommt dabei dem Öko-Landbau wie dem vom Bio-Verband Naturland zu. Ökologisch arbeitende Betriebe schaffen mit ihrer umweltschonenderen Wirtschaftsweise wie dem Verzicht auf chemisch synthetische Dünger und Pestizide, dem Anbau vielfältiger Fruchtfolgen mit Zwischenfrüchten und vielen anderen Maßnahmen die Grundlage für Schutz und Rückkehr der Artenvielfalt in unsere Kulturlandschaften.

Doch was bedeutet Artenvielfalt eigentlich? Und was ist Biodiversität? Biodiversität und Artenvielfalt sind verschiedene Begriffe. Dennoch gehören sie zusammen: Artenvielfalt ist eine Unterkategorie der Biodiversität. Biodiversität beschreibt die ganze biologische Vielfalt mit Öko- und Landschaftssystemen, wie Berge, Moore und Wälder, in denen verschiedene Arten ihren Lebensraum finden.

Artenvielfalt zeigt auf, wie viele unterschiedliche Pflanzenarten, Tierarten und Mikroorganismen es gibt. Die Artenvielfalt auf einer Blumenwiese oder einem ökologisch angebauten Feld ist beispielsweise höher als die Artenvielfalt auf einer reinen Rasenfläche oder einem konventionell angelegten Acker. Sie beschreibt außerdem die Vielfalt des Erbguts. Arten können sich innerhalb einer Art und zwischen den Arten aufspalten. Dabei entsteht neues Genmaterial. Das passiert etwa, indem sich Tiere an Umweltbedingungen anpassen.

Alle Bereiche stehen in Wechselwirkung zueinander: Organismen, Populationen und Lebensräume beeinflussen sich gegenseitig.

Fruchtfolge als zentrales Element im Öko-Landbau

Bio-Betriebe leisten ihren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, indem sie auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Düngermitteln und Pestiziden verzichten und ihre Anbautechnik auf nachhaltige Bewirtschaftung ausgelegt ist.

Der Öko-Landbau zielt darauf ab, durch Vielfalt auf dem Acker ein natürliches Gleichgewicht und damit ein insgesamt stabileres Anbausystem zu schaffen. Und genau davon profitiert die Artenvielfalt, weil sie als nützlicher Teil des Gesamtsystems betrachtet und gefördert wird. Ein wichtiges Element ist dabei der Anbau in vielfältigen Fruchtfolgen. Sie bezeichnet die zeitliche Aufeinanderfolge verschiedener Kulturpflanzen auf einem Feld. Ein wichtiger Hauptbestandteil der Öko-Fruchtfolge besteht aus Leguminosen wie z.B. Ackerbohnen und Klee. Sie sind essentiell, weil sie dem Boden den wichtigen Stickstoff zurückgeben, den andere Ackerpflanzen wie Weizen und Roggen entziehen und sind somit die Voraussetzung für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Wenn etwa direkt nach der Roggen-Ernte eine blühende Mischung aus Phacelia, Klee-, Senf und Rapsarten ausgesät wird, erfüllt eine solche Zwischenfrucht gleich mehrere Zwecke: Auflockerung der Böden durch Durchwurzelung, das Binden von Stickstoff sowie ein vergrößertes Nahrungsangebot für Insekten und andere Tiere.

Landwirt Matthias Reißaus nennt seine Wasserbüffel liebevoll „Bio-Bagger“. Foto: Naturland

Die gelebte Praxis zeigt, was geht

Aber nicht nur der Öko-Ackerbau kann sich positiv auf die Artenvielfalt auswirken, auch die Tierhaltung auf Bio-Höfen bietet Chancen. Auf dem Naturland Hof „Der Reiserer“ im bayerischen Oberneukirchen leben neben Familie Reißaus auch einige Wasserbüffel. Landwirt Matthias Reißaus nennt sie liebevoll seine „Bio-Bagger“. Denn: Wasserbüffel haben eine geringere Schweißdrüsendichte als Rinder und nutzen die Tümpel auf den Weiden in der Region, um in der wärmeren Jahreszeit ihre Körpertemperatur zu halten. Sie legen durch ihr Suhl- und Wühlverhalten Gewässer an, halten bestehende offen und sorgen so für Lebensräume für bedrohte Amphibienarten wie z.B. die Gelbbauchunke sowie eine immense Anzahl an bedrohten Vogelarten wie verschiedene Kehlchen, Kiebitze und Wiesenpieper. Als engagierter Partner fungiert hier auch der Bund Naturschutz (NABU), der dieses Projekt im Jahr 2013 gemeinsam mit der Familie Reißaus ins Leben rief.

Agroforst ist die Bewirtschaftungsform, die die Familie Frey für ihren landwirtschaftlichen Betrieb gewählt hat. Durch die Kombination von Acker- und Weideland mit Bäumen und Sträuchern bietet der Naturland Hof viel mehr Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Dieses gesamtheitliche Prinzip verbessert den Schutz der Felder vor Wind, Wasser und Sonne. Die Gehölzstreifen mindern Bodenabtragung und verbessern den Wasserhaushalt sowie die Bodenfruchtbarkeit – und wirken so als guter CO2-Speicher.

Jede:r kann helfen

Hier ein paar einfache Tipps, wie wirklich jede:r zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Umweltschutz beitragen kann:

  • Schaffe Lebensräume: Baue z.B. ein Bienenhotel im Garten oder auf dem Balkon. Schneide Rosen und Co. erst im Frühjahr zurück. Pflanze Hecken und Blumenwiesen an und lasse den Rasen länger wachsen.
    Achte beim Kauf von Lebensmitteln – egal ob Fleisch, Gemüse oder verarbeitete Produkte – auf regional, biologisch und fair produzierte Lebensmittel wie die mit dem Naturland Siegel.
  • Sei achtsam in der Natur und verlasse gekennzeichnete Wege nur unter Vorsicht, damit keine Tiere oder Pflanzen zu Schaden kommen.
  • Reduziere Umweltverschmutzung: eine leere Mülltüte passt in jeden Rucksack. Unterwegs in Wald und Wiese kann gefundener Müll so problemlos bis zum nächsten Abfalleimer transportiert werden.
  • Spare Wasser im Alltag: Stelle beispielsweise das Wasser beim Einschäumen unter der Dusche ab. Fange klares Wasser, wie beim Gemüse waschen, im Haushalt auf und nutze es zum Blumengießen.

Über Naturland

Naturland ist der größte internationale Bio-Verband. Mehr als 140.000 Bäuerinnen und Bauern in 60 Ländern der Erde zeigen, dass ein ökologisches, soziales und faires Wirtschaften im Miteinander ein Erfolgsprojekt ist. Allein in Deutschland gehören über 4.500 Erzeuger:innen dieser Gemeinschaft an. Weltweit ist die Mehrzahl der Naturland Bäuerinnen und Bauern in Kleinbauernkooperativen und Erzeugergemeinschaften organisiert. Damit steht Naturland wie kein anderer Bio-Verband für den harmonischen Zweiklang von Regionalität und Internationalität in einer globalisierten Welt.