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4 Februar 2021 / Lesezeit: 3 minuten

Ökologischer Weinanbau

Klimasünder Wein

Konventioneller Weinanbau schadet Boden und Klima, daher wird Biowein bei Konsument*innen immer beliebter.

Bild: Unsplash / Philipp Stelzel

Bild: Unsplash / Philipp Stelzel

Hoher Wasserverbrauch, schlechte CO2-Bilanz: Konventioneller Weinanbau ist alles andere als nachhaltig. Immer mehr Konsument*innen greifen daher zu Biowein. Doch Öko ist nicht gleich Öko.

Wer im Supermarkt eine gute Flasche Wein kaufen will, kann schnell mal den Überblick verlieren – denn gerade in großen Läden platzen die Weinregale aus allen Nähten. Die Billig-Sangria aus dem Tetrapack steht direkt neben dem veganen Biowein, darüber der regionale Rotwein aus der Pfalz oder Rheinhessen. Und dann gibt es noch den Edel-Wein aus Frankreich für 20 Euro. Auf manchen Etiketten diese Bilder: Ein Winzer erntet inmitten eines sattgrünen Weinhangs seine Trauben per Hand, im Hintergrund schlängelt sich ein Fluss Richtung Sonnenuntergang.

Dabei ist Wein alles andere als naturverbunden. Anbau, Produktion und Transport verursachen einen CO2-Ausstoß zwischen einem und zwei Kilogramm pro Liter Wein. In einer Studie der Fachhochschule Bingen haben Wissenschaftler*innen die Treibhausgasemissionen am Beispiel von zwei Weinen unterschiedlicher Weingüter berechnet, einmal aus konventioneller Produktion, einmal Bio. Ergebnis: Ein Liter konventioneller Wein verursacht einen CO2-Ausstoß von etwa 1,3 Kilogramm, bei Biowein sind es immer noch rund 1,1 Kilogramm CO2. Zudem nimmt der Weinanbau riesige Flächen Land in Anspruch, die bewässert werden müssen. Bei konventioneller Produktion sind außerdem glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel erlaubt, die nach Studien des BUND und der Universität Bozen der Gesundheit des Bodens langfristig schaden können.

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Der Trend zum Biowein

Öko-Weine liegen daher im Trend. Zwar greifen immer noch wenig Käufer*innen zu nachhaltigem Wein, aber ihre Zahl wächst: Während der Anteil der Bioweine am Weltmarkt 2013 nur bei rund 1,5 Prozent lag, dürften es nach einer Studie des britischen Marktforschungsinstituts IWSR 2023 etwa 3,5 Prozent sein. Entsprechend haben sich nach Angaben des Deutschen Weininstituts die Anbauflächen im Öko-Weinbau zwischen 2008 und 2018 mehr als verdreifacht. Gut 100.000 Hektar Gesamtrebfläche gibt es in Deutschland, 9.000 Hektar davon werden mittlerweile ökologisch bewirtschaftet. In Frankreich sind von fast 800.000 Hektar rund 12 Prozent Bio, in Italien liegt der Bio-Anteil bei ungefähr 15, in der Türkei bei etwa 3 Prozent.

Bio-Winzer*innen, deren Weine zum Beispiel mit dem Bioland-Siegel oder dem EU-Biosiegel versehen sind, verzichten weitgehend auf Pestizide. Denn diese vergiften nicht nur Wasser und Boden, sondern treiben auch das Bienensterben voran. Je nach Siegel müssen die Zutaten mindestens zu 95 Prozent aus biologischem Anbau stammen sowie ohne Sulfite und andere Zusatzstoffe auskommen.

Nachhaltigkeit geht nur ganzheitlich

Den Macher*innen von Fair’n Green, einem deutschen Siegel für nachhaltigen Wein, ist das nicht genug. Ihre Devise: Nachhaltigkeit geht nur ganzheitlich. „Biologischer Anbau verbraucht ja nicht automatisch weniger CO2 oder Wasser“, sagt Florian Reinert von Fair’n Green. „Deshalb decken unsere Richtlinien zusätzliche Themen ab, die auch zu Nachhaltigkeit zählen.“ Dazu gehören etwa ein ökologisch effizienter Energie- und Ressourcenverbrauch bei der Weinproduktion und faire Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden.

Denn auch in dieser Hinsicht kann der Weinbau eine dreckige Angelegenheit sein, wie eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zeigt. So füllen große Kellereien in Deutschland jährlich Millionen Liter Wein aus Südafrika ab, die in den Regalen deutscher Supermärkte und Discounter landen. Von einem Wein aus Südafrika, der im deutschen Discounter 2,49 Euro kostet, bleiben aber nur 3 Cent bei den Farmarbeiter*innen – das entspricht nur 1,4 Prozent der Marge. Der Großteil (39,4 Prozent) fließt in die Kassen der deutschen Abfüller. Ein Viertel der Marge bleibt beim Discounter.

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Fair’n Green verlangt deshalb, dass die zertifizierten Winzer*innen ihren Mitarbeitenden Mindestlohn zahlen, feste Verträge ermöglichen und sich gegen innerbetriebliche Diskriminierung engagieren. Nur wenige Weinbäuer*innen erfüllen bislang die strengen sozialen und ökologischen Auflagen des Labels: Lediglich 55 deutsche Winzer*innen und Kellereien dürfen aktuell das Siegel auf ihre Flaschen drucken. Ein möglicher Grund: Der ökologische Weinbau mit all seinen Auflagen ist teurer als konventioneller Anbau. Zudem dürfen in Bioweinen weniger Sulfite als in herkömmlichen Weinen enthalten sein –da Sulfite den Wein vor schnellem Verderb und geschmacklicher Veränderung schützen, ist das ein Nachteil bei einem Produkt, bei dem feinste Geschmacksnuancen zählen.

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Risiko Klimakrise

Dabei ist Nachhaltigkeit für den Weinbau langfristig besonders wichtig, denn Weintrauben reagieren extrem empfindlich auf klimatische Veränderungen, vor allem auf steigende Temperaturen. Deshalb zeigen sich die Folgen des Klimawandels bei ihnen besonders früh. Nach einer US-amerikanischen Studie im Journal der National Academy of Sciences (NAS) vom Januar 2020 würde weniger als die Hälfte aller Weinanbau-Regionen der Welt einen Temperaturanstieg um 2 Grad Celsius in den kommenden 80 Jahren überstehen. Bei einem Plus von 4 Grad wären es sogar 85 Prozent. Ein nachhaltiger Anbau mit einem vielfältigen Sortenmix dagegen könnte diese Folgen nach Einschätzung der Forscher*innen um bis zu 50 Prozent reduzieren. Die Auswirkungen des Klimawandels spüren viele Winzer*innen schon jetzt: Starkregen sorgt für Pilze und faulen Boden, neue Schädlinge setzen den Reben zu, Weinklassiker wie der Riesling verlieren ihren Geschmack. Zu heiße Temperaturen und zu viel Sonne tun den Trauben ebenfalls nicht gut – sie bekommen tatsächlich einen Sonnenbrand.

Bioweine im Test

Der Bundesverband Ökologischer Weinbau (ECOVIN) zeichnet einmal im Jahr die besten Bioweine in Deutschland aus. Sie werden nach einem internationalen 100-Punkte-Schema bewertet, die Siegerweine müssen mindestens 85 Punkte erzielen. Eine Kostprobe:

Weißwein: Westhofener Kirchspiel, 2019, Weißburgunder, trocken, Weingut Hirschhof, Westhofen, Rheinhessen

Rotwein: Cuvée Lorenz, trocken, 2018, Weingut Brüder Dr. Becker, Ludwigshöhe, Rheinhessen

Schaumwein: Crémant Qualitätssekt b. A., brut, 2018, Weingut Castel Peter, Bad Dürkheim, Pfalz