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2 February 2018 / Lesezeit: 3 minuten

E-Mobilität in der Luft

Die Zukunft des Fliegens

So sehr, wie Fliegen in der Diskussion steht, stellt sich durchaus die Frage: Wo bleibt das Elektroflugzeug?

Titelbild: Trust „Tru“ Katsande/Unsplash

Ein Städtetrip übers Wochenende, ein Familienurlaub in der karibischen Sonne, eine Geschäftsreise: die Menschen fliegen immer mehr. In Deutschland und weltweit wächst der Luftverkehr, vor allem in Schwellenländern nimmt die Zahl der Passagiere zu. Die Folgen für das Klima sind gravierend. Wie kann und muss der Flugverkehr sich in den nächsten Jahren wandeln?

Ein kleiner Blick in die Zukunft, ins Jahr 2040: In Norwegen fahren nicht nur Elektroautos durch die Straßen–auch die Flugzeuge fliegen mit elektrischen Antrieben. So kündigt es das Staatsunternehmen Avinor an, das in den kommenden 20 Jahren alle Kurzstreckenflüge mit einer Länge von bis zu 1,5 Stunden mit einer neuen Elektroflugzeug-Flotte bewältigen will.

Der Flugverkehr wächst – die Umweltbelastung steigt

Bisher ist das Fliegen die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen. Nach Angaben des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) entstehen bei einem Flug von Deutschland in die Karibik schon für einen einzigen Passagier rund 2,8 Tonnen CO2 – um die Klimaerwärmung in einem verträglichen Ausmaß zu halten, dürfte jeder Mensch durch die Nutzung von Verkehrsmitteln allerdings nur etwa eine Tonne pro Jahr verursachen. Der Flugverkehr, der nicht nur durch den Ausstoß von CO2, sondern auch von anderen Schadstoffen die Luft verschmutzt und fossile Ressourcen verbraucht, nimmt allerdings kontinuierlich zu. Der BUND sieht hier den größten Zuwachs aller Verkehrsmittel. Die Flugpreise sind gesunken, die Klimabelastung steigt. Für den Schutz der Umwelt ist es unerlässlich, dass sich etwas ändert.

Um Veränderungen zu ermöglichen, investieren manche Fluggesellschaften und Unternehmen bereits viel Geld und Zeit in die Entwicklung von alternativen, klimaschonenderen Antrieben und Flugzeugen. Für sie könnte sich die Investition auch deswegen lohnen, da die neuen Flugzeuge, die teilweise elektrisch betrieben werden, sehr viel leiser fliegen, was sich bereits bei den Test-Modellen zeigt. Die Einschränkungen, die durch den momentanen Fluglärm entstehen, wie zum Beispiel das Nachtflugverbot, würden geringer und die Anwohner in der Nähe der Flughäfen entlastet werden.

Avinor ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die für die Zukunft große Veränderungen plant: Das britische Unternehmen Easyjet will sogar schon in zehn Jahren auf elektrische Kurzstreckenflüge umsteigen und auch in Deutschland arbeitet Siemens an der Entwicklung neuer Antriebe. 2020 will das Unternehmen gemeinsam mit RollsRoyce den „E-Fan X“ auf seinen ersten Testflug schicken: ein Flugzeug mit einem Hybrid-Elektromotor. Eigentlich handelt es sich um eine herkömmliche Maschine, bei der eine der vier Turbinen durch ein elektrisches Antriebssystem ersetzt wird. Der Treibstoffverbrauch soll laut Aussage des Unternehmens um einen höheren zweistelligen Prozentbetrag verringert werden und das Flugerlebnis soll sich sonst vor allem durch die stark verminderte Lautstärke verändern.

Im nächsten Schritt plant Siemens um den Hybrid-Elektromotor herum spezielle Flugzeuge zu entwickeln, die sich in ihrem Aussehen und ihrer Aerodynamik von herkömmlichen Modellen unterscheiden – die Effizienz soll so noch gesteigert werden. Dass diese bereits in den nächsten zehn Jahren in den kommerziellen Flugverkehr eingeführt werden und bis zu 100 Passagiere über eine Strecke von etwa ca. 1000 Kilometer befördern, sei durchaus realistisch, sagt Pressesprecher Florian Martini. Auch dass weitere Turbinen durch Batterien ersetzt werden, sei eine Möglichkeit.

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Rein elektrische Motoren sind zwar ein langfristiges Ziel, da sie ein klimafreundliches Fliegen gewährleisten könnten, allerdings sieht das Unternehmen sie bisher eher in der Nischenanwendung. Sie könnten zum Beispiel in fliegenden City-Taxis zum Einsatz kommen, die nur kurze Strecken zurücklegen. Dass größere Passagierflugzeuge vollständig elektrisch fliegen, ist im Moment aber noch nicht absehbar: „Die Batterien stehen uns im Weg“, sagt Prof. Strohmayer vom Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart: „Sie sind zu schwer und zu groß.“ Im Verhältnis zu ihrer Masse und ihrem Volumen könnten die Batterien nicht genug Energie für einen längeren Flug zur Verfügung stellen.

Kommt der Wandel zu spät?

Fliegende Taxis, hybrid-elektrische Flugzeuge, die von Berlin nach Paris fliegen – dass sich in der Luft in den nächsten Jahren tatsächlich einiges ändert, steht für Strohmayer fest. Skeptisch ist er allerdings, ob die Veränderungen schnell genug kommen und die Einsparungen groß genug sein werden, um mit dem rasanten Wachstum des Flugverkehrs mitzuhalten. „Wir sind spät dran“, sagt Strohmayer in Bezug auf den Wandel, hin zu einem umweltfreundlicheren Fliegen. „Umso mehr müssen wir jetzt kämpfen.“ Die Geschwindigkeit, in der der Umstieg passiert, hängt auch von wirtschaftlichen und politischen Faktoren ab. Laut Strohmayer muss ausreichend Druck von außen auf die Fluggesellschaften einwirken, damit sie zu einem Umstieg bereit sind, selbst wenn möglicherweise keine wirtschaftlichen Vorteile entstehen.

Ein weiterer Aspekt der den Umstieg auf neue Modelle verlangsamen könnte ist die Nutzungsdauer von Flugzeugen. Die Maschinen sind im Schnitt rund 25 Jahre im Einsatz, bevor sie ersetzt werden.

Deshalb wird weltweit wird an neuen alternativen Lösungen geforscht und gearbeitet, die auch die alten Modelle umweltfreundlicher machen. Ein Beispiel sind alternative Kraftstoffe, die aus Algen gewonnen werden. Solange sie noch nicht vollständig ausgereift sind, lohnt es sich, so häufig wie möglich auf andere Verkehrsmittel mit einem geringeren ökologischen Fußabdruck umzusteigen, wenn man die Umwelt schonen möchte. Auch hier tut sich etwas: So ist bereits heute die neue Sprinter-Strecke der Deutschen Bahn zwischen Berlin und München eine gute Alternative zum Inlandsflug.