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27 September 2016 / Lesezeit: 2 minuten

Brennstoffzellen-Zug

Dieser Zug fährt mit Wasserstoff

Der Coradia iLint wird mit Brennstoffzellen angetrieben – und ist damit einer der ersten Wasserstoffzüge in Deutschland überhaupt

Titelbild: Alstom

Titelbild: Alstom

Ohne Qualm, ohne Gestank und ohne Emissionen: Ab 2017 rollen in Deutschland die ersten Züge mit Brennstoffzellen-Antrieb. Auf der Bahntechnik-Messe InnoTrans in Berlin feierten sie 2016 Premiere

Bahnbrechende Neuerungen gibt es im Schienenverkehr selten. Doch nun soll ein neues, umweltschonendes Konzept den Schienen-Nahverkehr nachhaltig revolutionieren – Wasserstoff statt Diesel ist das Motto. Zwar laufen in der Europäischen Union einige Projekte, Bahnstrecken zu elektrifizieren, doch decken diese bei weitem nicht das gesamte Netz ab. Von den insgesamt 29.000 Zügen, die sich täglich für die Deutsche Bahn im Einsatz befinden, sind immer noch viele Dieseltriebzüge.

Diesen soll der Coradia iLint – so der Name des Brennstoffzellen-Zuges – das fürchten lehren. Das Gute: Er stößt lediglich Wasserdampf und Kondenswasser aus. Bereits vor zwei Jahren haben der französische Bahnkonzern Alstom – Hersteller des Hochgeschwindigkeitszuges TGV – und mehrere Bundesländer eine Absichtserklärung unterschrieben, die die emissionsfreien Züge auf die Schienen bringen soll. Seitdem wurden im Werk in Salzgitter 50 Züge gefertigt. Abnehmer sind die Länder Niedersachen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Der Bund hat die Entwicklung mit acht Millionen Euro gefördert. Bis Ende 2017 sollen die Brennstoffzellen-Züge ihren Betrieb aufnehmen. Im Netz der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (evb) fahren sie zunächst als erste Prototypen zwischen Bremerhaven und Buxtehude sowie Cuxhaven und Bremerhaven.

Coradia iLint unterscheidet sich nur minimal von anderen Regionalzügen, ist jedoch mit fünf Millionen Euro ungefähr eine Million teurer als ein vergleichbarer Dieselzug. Auf dem Dach befinden sich eine Brennstoffzelle und ein Wassertank. In der Brennstoffzelle entsteht die Energie: Dort wird dem Wasserstoff Sauerstoff zugeführt, beide reagieren miteinander und elektrische Energie entsteht. Als Nebenprodukte fallen Wasserdampf und Kondenswasser an. Die Reichweite einer Tankfüllung gibt Alstom mit 600 bis 800 Kilometern an – völlig ausreichend für Nahverkehr. Laut Hersteller ist der Wirkungsgrad im Vergleich zu dieselbetriebenen Zügen höher.

Herstellung des Wasserstoffzugs entscheidender Faktor

Soweit so gut. Doch Wasserstoff ist nicht in Reinform in der Natur vorhanden, sondern muss unter Aufwand von Energie aus anderen chemischen Verbindungen gelöst werden. Als Rohstoff können Erdgas, Kohlenwasserstoffe und Biomasse dienen, aber auch die Wasserelektrolyse – die Zerlegung von Wasser mit Hilfe von Strom – wird häufig eingesetzt. Welche Methode angewandt wird, liegt nicht selten an den Energiepreisen, die die Herstellungskosten stark beeinflussen.

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Die Herstellung des Wasserstoffes ist auch der entscheidende Faktor, wenn es um die Umweltfreundlichekeit der Brennstoffzellen-Technik geht. Zum einen sind verwendeten Rohstoffe und zum anderen Energiequelle für die Beurteilung entscheidend. Nur wenn die Energie aus sauberen Quellen stammt und regenerative Rohstoffe eingesetzt werden, kann man bei der Brennstoffzellentechnik wirklich von einer emissionsfreien Mobilität sprechen.

 

Update vom 17. Juni 2019: Seit Mitte September 2018 sind in Niedersachsen zwei Brennstoffzellen-Züge im Elbe-Weser-Netz der evb im Raum Bremervörde im Pilotbetrieb unterwegs. Ab Dezember 2021 sollen bereits 14 Brennstoffzellen-Züge für die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude verkehren.