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14 May 2017 / Lesezeit: 2 minuten

Nachhaltigkeit

Ein Café mit Kreislaufwirtschaft

Im Isla Coffee in Berlin Neukölln ist Kaffee ein nachhaltiges Vergnügen

Titelbild: Maria Steinwender

Titelbild: Maria Steinwender

Im Isla Coffee in Berlin Neukölln sind Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Kaffeegenuss kein Widerspruch. Ein Besuch in einem Kaffeehaus der anderen Art, dessen Geschäftsmodell Schule machen sollte

Seit zehn Monaten ist die Berliner Hermannstraße um eine nachhaltige Innovation reicher. Das Isla Coffee vereint skandinavisches Design, guten Kaffee, Kreislaufwirtschaft und (fast) Zero Waste in einem. Bereits vor dem Betreten des Kaffeehauses stolpert man förmlich über ein Lastenrad. Es gehört zur Albatross Bäckerei, die Isla Coffee mit regionalen Bio-Backwaren beliefert: Croissants, Zimtbrötchen, Schokoladen-Meersalz- oder Lemon-Drizzle-Kuchen sowie das obligatorische Banana Bread, Brownies, Cookies und noch vieles mehr – vegan und „konventionell”.

Geschäftsführer Peter Duran begrüßt viele Kunden per Handschlag, 80 Prozent sind Stammgäste. Verständlich, denn das Isla Coffee hat durchaus das Zeug zum Lieblings-Kaffeehaus: lichtdurchflutet, viele Pflanzen, freier Blick auf den Tresen, Tische aus Baumstämmen. Freunden des reduzierten skandinavischen Designs geht hier das Herz auf. Dazu Tassen von Kaffeeform, kalte Getränke von Lemonaid, Tee und Kaffeebohnen von Casino Mocca für Zuhause. Hier ist jemand am Werk, der sein Handwerk (und Kaffee) versteht: Duran selbst kommt aus Detroit, hat in Holland „Nachhaltige Entwicklung“ in Bezug auf Lebensmittel studiert und Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit beraten. Er begann in Berlin als Barista und Koch, ist nebenbei DJ und begann im Kaffee 9 in der Markthalle Neun, bevor er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.

Isla Coffee setzt auf volle Transparenz

Peter Duran setzt auf Transparenz. Er will wissen, woher der Kaffee kommt, den er bezieht; wie die Arbeitsbedingungen der Bauern aussehen, ob sie fair bezahlt werden. Die Zutaten kommen aus der Region, Milch beispielsweise vom Demeter-Dorf Brodowin. Das Nachhaltigkeits-Konzept will Duran nicht herausposaunen, da es nur ein bestimmtes Klientel anziehen würde und er sich Kunden aus allen Schichten wünscht, die Schritt für Schritt an das System herangeführt werden sollen: „Bei der Kaffeeform-Tasse denken viele ‚Wieso soll ich 2,60 Euro für einen Cappuccino aus einer Plastiktasse bezahlen?‘ Erst wenn man die Tasse hochhebt und sieht, dass das Produkt neben recyceltem Kaffeesatz aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, ändert das etwas in ihren Köpfen. Sie werden neugierig und stellen Fragen.“

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Dann erfahren sie auch, dass der verwendete Ricotta aus der vom Aufschäumen übrig gebliebenen Milch besteht. Der Kaffee kommt nicht in Papier-Verpackungen, sondern in Eimern, aus der Markthalle Neun, wo er von Philipp Reichel geröstet wird. Diese Woche soll ein kaffeeeigener Kompost-Kasten hinzukommen. Regelmäßig finden im Laden Kimchi- und Fermentations-Workshops statt.

Peter Duran arbeitet daran, Ganzheitliche Nachhaltigkeit in der Kaffeebranche auszubreiten. Und: „Wichtig ist, dass das Kaffee-Erlebnis Spaß macht und schmeckt, erst dann kann man beginnen, auch die Kunden für Nachhaltigkeit zu begeistern.“ Auch beim Brunch am Wochenende wird nur angeboten, was gerade Saison hat. Die Nachhaltigkeit setzt sich auch im sozialen Bereich fort: „Es gibt viele Köche, die als Flüchtlinge nach Berlin gekommen sind, eine eigene Zubereitungsart für die Produkte hier haben und so unsere Küche bereichern. Beide Seiten profitieren kulinarisch und kulturell von diesem Austausch. Solche Leute würde ich mir gern in die Küche holen.“ Klingt so, als würden uns aus der Kaffee-Insel inmitten der hektischen Hermannstraße auch in Zukunft noch viele Innovationen erreichen.