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13 October 2014 / Lesezeit: 2 minuten

Aufgeklärt

Fragen zu Abfall und Recycling

Besser als Getränkedosen sind Mehrwegflaschen – und richtiges Recycling sowieso

Titelbild: Jilbert Ebrahimi/Unsplash

Titelbild: Jilbert Ebrahimi/Unsplash

Müllmythen auf dem Prüfstand: Wir klären die häufigsten Fragen zu Abfall und Recycling. Nicht fehlen darf dabei die These, dass eh alles wieder in eine Tonne zusammengeschmissen wird

Sind die Deutschen wirklich Recycling-Weltmeister?

Ja. Das Sammelsystem in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr weit entwickelt, wie die Abfallwirtschaft insgesamt. Das war allerdings ein Prozess über Jahrzehnte. Die Recyclingquote unterscheidet sich von Stoffstrom zu Stoffstrom allerdings stark. Bei Papier liegt die sie bei 80 Prozent, bei Glas sogar bei 85 Prozent. Weniger gut sieht es bei den Kunststoffabfällen aus: nur knapp 34 Prozent davon werden hochwertig recycelt.

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Trotz der beschämend niedrigen Quote liegt Deutschland auch beim Kunststoffrecycling hier laut Eurostat auf Platz 4 der EU – hinter Norwegen, den Niederlande und Schweden. Rund 70 Prozent laden also in der Verbrennung, beziehungsweise der energetischen Verwertung. Das deutsche Kreislaufwirtschaftgesetz setzt die energetische Verwertung, also die Müllverbrennung, der stofflichen Verwertung gleich. Bedingung: der genutzte Müll muss einen hohen Heizwert von 11.000 Kilojoule pro Kilogramm haben – wie es bei Gemischen mit vielen Kunstoffen der Fall ist.

Nützt Mülltrennung wirklich der Umwelt?

Klares Ja. Grundsätzlich gilt: Alle Wertstoffe lassen sich am besten recyceln, wenn sie möglichst sortenrein getrennt werden. Doch nicht überall ist es für den Bürger gleich leicht, möglichst gut zu sortieren. Manche Häuser haben eine separate Papiertonne, vielleicht noch eine Biotonne – doch dann hört es schon auf.

Wer mehr tun will und nicht seinen gesamten Abfall über die graue Restmülltonne entsorgen, muss sich auf den Weg zu Wertstoffinseln oder dem Wertstoffhof machen, die oft nicht zentral gelegen sind. Wegweisend ist hier die Gemeinde Mettlach im Saarland. In ihrem kommunalen „Rückkonsumzentrum“ können Bürger in der Innenstadt unter der fachkundigen Anleitung von Mitarbeitern Wertstoffe in über 40 Fraktionen sortenrein und akkurat nach Material und Inhaltsstoffen getrennt zurückgeben. Hierbei geht es nicht nur um Glas und Papier, sondern insbesondere auch um Handys, Elektroaltgeräte, Kabel, CDs und DVDs, Batterien, Gummiprodukte oder Sondermüll von denen Bürger oft nicht wissen, wo sie abgegeben können. Das servicefreundliche Konzept geht weit über konventionelle Wertstoffhöhe hinaus und hat großen Erfolg.

Aber es heißt doch immer, dass der Müll ohnehin wieder zusammen geschmissen wird?

Nein. Wird ein Glascontainer geleert sieht das vielleicht so aus, aber tatsächlich gibt es in den Müllfahrzeugen separate Behälter, in die das vorsortierte Glas geschüttet wird. Abfälle sind in Deutschland inzwischen sehr wichtige Rohstoffe. Altpapier, Altglas, Metallschrott wird für die Produktion benötigt, um die Kosten zu senken. Bereits sortierte Abfälle wieder zusammen zu schmeißen kann sich kein Entsorger leisten.

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Als problematisch gilt unter Experten der „gelbe Sack“, über den die Verbraucher so genannte Leichtverpackungen wie Joghurtbecher, Tetrapaks, Konserven trennen sollen. Was in den gelben Sack, und was in die Restmülltonne gehört, ist für den Verbraucher schwer verständlich. Sogenannte stoffgleiche Nichtverpackungen – also beispielsweise eine Plastikente oder eine Plastikschüssel – dürfen nicht hinein, obwohl sie gut zu recyceln wären. Ein irrationales System, das zu vielen Fehlwürfen führt. Die Abfälle müssen in Sortieranlagen nachsortiert werden oder landen – weil das Sortieren zu teuer ist – gleich in der Müllverbrennung. Ein Gutachten des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Abfall- und Umweltstudien kommt zu dem Schluss, dass die tatsächliche Wiedereinsatzquote an hochwertigen Kunststoffmaterialien nur bei mickrigen 20 Prozent der Erfassungsmenge liegt.

Derzeit laufen bundesweit zahlreiche Versuche, Verpackungen gemeinsam mit weiteren Wertstoffen zu sammeln. Die Ergebnisse sind zwar unterschiedlich, eine Steigerung der Erfassung und damit mehr Recycling ergeben aber alle Modelle. Genau hier soll das geplante Wertstoffgesetz ansetzen: Neben der Erweiterung der Wertstoffsammlung sollen auch höhere Recyclingquoten vorgeschrieben werden. Doch bislang hat Gesetzgeber den seit Monaten erwarteten Gesetzesvorschlag immer noch nicht vorgelegt.