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27 Mai 2021 / Lesezeit: 8 minuten

Finanzsektor

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 15

Ein Trend: Immer mehr Banken setzen sich bestimmte Umwelt und Menschenrechtsstandards für ihre Investitionen.

Bild: IMAGO / agefotostock

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Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 15 von „Good News enorm“. Wir sprechen darüber, wie Geld tatsächlich zu einer nachhaltigeren Welt beitragen kann. Zum Beispiel durch Banken, die die Finanzierung einer Öl-Pipeline in Ostafrika verweigern, und durch Roboter, die zu nachhaltigen Geldanlagen beraten.

Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. Über den Finanzsektor sprechen die Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Antonia Vangelista, Autorin für das enorm Magazin.

Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu „Good News enorm – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche“: Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute gibt es gute Nachrichten aus dem Finanzsektor. Aber erst einmal der Gute-Nachrichten-Überblick.

Laut dem aktuellen Ernährungsreport hat sich die Anzahl der Menschen in Deutschland, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, im letzten Jahr verdoppelt. Als Gründe gaben die Befragten an, dass sie neugierig auf Alternativen waren und ihnen das Tierwohl und der Klimaschutz am Herzen lägen.

WiFi viel strahlt permanent, auch wenn es nicht genutzt wird. Einem Forschungsteam aus Japan und Singapur ist es nun gelungen, die Energie der WiFi-Wellen dazu zu nutzen, drahtlos eine Stromquelle zu erschließen und eine LED mit Strom zu versorgen.

Der Deutsche Aktienindex DAX wird ab September um den DAX ESG Target Net Return erweitert. Auch er umfasst 30 Werte, zeigt Investor*innen jedoch nachhaltige Anlagen auf. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Umwelt, Sozialem und guter Unternehmensführung.

Der Berliner Designer und Kunststudent Tobias Trübenbacher hat die Straßenlaterne „Papilio“ erfunden. Sie wird mit Windkraft betrieben und leuchtet nur, wenn jemand in der Nähe ist. So soll Strom gespart und die Umgebung nicht unnötig mit Licht verschmutzt werden.

Äthiopien will dieses Jahr 6 Milliarden Baumsetzlinge pflanzen. Die Aktion ist Teil des Klimaprogramms Grünes Erbe“ und findet bereits das dritte Jahr in Folge statt. In den letzten zwei Jahren hat das ostafrikanische Land bereits zehn Milliarden Bäume gepflanzt.

Ich freue mich sehr, dass wir heute über gute Entwicklungen sprechen aus dem Finanzsektor, wenn es um die Klimakrise geht. Mein Name ist Bianca und ich bin Redakteurin bei Good News Deutsch.

Antonia: Hallo, ich bin Antonia und im Rahmen von meiner journalistischen Ausbildung mache ich aktuell eine Station beim enorm Magazin.

Bianca: Ich freue mich, dass du heute dabei bist, Antonia!

Antonia: Ich freue mich auch. Ich habe heute eine Recherche mitgebracht und einen Artikel, den ich zu einem Erdölprojekt in Ostafrika geschrieben habe. Den könnt ihr auch online auf der enorm Seite finden. Da geht es um den geplanten Bau einer Erdöl-Pipeline in Uganda und Tansania und den Widerstand dagegen. Diese Recherche hat mir gezeigt, dass auch der Finanzsektor ein wichtiger Teil im Kampf gegen die Klimakrise sein kann. In Uganda wurde 2006 Erdöl entdeckt, und dann hat es noch länger gedauert, bis schließlich klar war, was mit dem Öl passieren sollte.

Auch auf enorm: Nach Protest von Anwohner:innen: Große Banken lehnen Finanzierung von Ostafrika-Pipeline ab 

Mittlerweile gibt es die gemeinsame Planung der East African Crude Oil Pipeline (EACOP) mit der Regierung von Uganda, Tansania, der französischen Firma Total und dem chinesischen Ölunternehmen CNOOC. Und die planen eine Pipeline von der Region von Lake Albert, das ist in Ost-Uganda. Und dann soll das einmal quer durch Uganda und quer durch Tansania gehen, diese Pipeline, bis zum Hafen von Tanga in Tansania. Am 11. April diesen Jahres haben die vier Partner einige Verträge unterschrieben, die den Bau der Pipeline besiegeln sollen. Also die der Bau soll eigentlich bald starten. Allerdings gibt es, wie du dir vielleicht schon vorstellen kannst, einige Kritik an diesem Projekt. Da ist zunächst mal eben der Kontext der Klimakrise. Also durch die Erdölförderung würden jährlich 33 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt, und das sind mehr als die bisherigen CO2-Emissionen von Uganda und Tansania zusammen. Genau, also die Klimabilanz dieser Länder würde sich rapide verschlechtern.

Außerdem gibt’s auch einige Gefahren für die Natur vor Ort und die Biodiversität. Die Pipeline durchquert viele Wildreservate und geschützte Naturgebiete. Angefangen vom Murchison National Park, wo der Murchison Wasserfall, oder er wird auch Kabalega Wasserfall genannt, zwischen begrünen Felswänden tost und jährlich ganz viele Touristinnen anzieht bis zum Gebiet des Hafens in Tanger, in Tansania, von wo aus das Öl dann exportiert werden soll. Und da gibt es aber nicht nur einen Hafen, sondern es ist eben auch ein ganz wichtiges maritimes Gebiet, in dem Mangroven wachsen, Korallenriffe und Tiere wie Meeresschildkröten und Delfine leben.

Drittens gibt’s auch menschenrechtliche Bedenken. Viele Menschen werden wegen der Pipeline umgesiedelt. Sie sollen offiziell dafür auch entschädigt werden. Aber bisher ist das noch nicht der Fall und ihnen wurde nur gesagt, sie dürfen das Land nicht mehr benutzen. Aktuell sind in Uganda 3700 Menschen direkt betroffen und viele weitere indirekt, weil sie nicht mehr so einfach die Wälder und Seen nutzen dürfen, z.B. zum Fischen oder zum Holzholen, und weil besonders die Wasserwege durch Öllecks verschmutzt werden könnten. Also die Pipeline, ein Drittel dieser Pipeline, soll auch entlang des Lake Victorias gebaut werden. Und das ist der größte See in Afrika, aus dem dann auch der Nil entspringt. Also eine ganz, ganz wichtige Wasserquelle.

Und aus diesen Gründen habe ich bei meiner Recherche schon damit gerechnet, dass Umwelt- und Menschenrechtsaktivist:innen gegen das Projekt protestieren. Und das ist auch der Fall. Z.B. kennst du vielleicht die ugandische Umweltaktivistin Vanessa Nakate, die schon mit Greta Thunberg und Luisa Neubauer zusammen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos war. Die hat einen Brief an den ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni und die tansanische Präsidentin Samia Suluhu Hassan geschrieben, um eben zu sagen, dass dieses Projekt eben nicht realisiert werden sollte. Im Herbst 2019 haben außerdem sechs französische und ugandische Organisationen Total, also das Unternehmen Total, vor französischen Gerichten verklagt, weil sie Menschenrechte und die Umwelt nicht ausreichend schützen würden. Und dieser Gerichtsprozess ist noch nicht abschließend entschieden.

Aber abgesehen von den Umwelt- und Menschenrechtsaktivist:innen sind auch Banken und andere Finanzinstitutionen ein wichtiger Teil des Protests, wie ich gelernt habe. Und das hat mich erst einmal überrascht, weil ich mir gedacht habe: Okay, was haben denn Banken bitteschön mit Klimaschutz und Menschenrechten am Hut? Und tatsächlich ist es aber so. Also es gibt eine Allianz #StopEACOP, in der sich ganz viele Organisationen zusammengeschlossen haben, um gegen die EACOP Pipeline zu mobilisieren. Und die versuchen, das Projekt insbesondere dadurch zu stoppen, dass sie die Geldquellen sozusagen austrocknen. Konkret geht es um eine Summe von zweieinhalb Milliarden US-Dollar, also ungefähr zwei Milliarden Euro, die das Unternehmen durch Kredite bekommen wollen. Zusätzlich zu einer Milliarde US-Dollar, die Total selbst in die Pipeline investiert.

Am 1. März haben 263 afrikanische und internationale NGOs einen Brief an 25 große Banken geschrieben, die möglicherweise als Kreditgeber:innen für das Projekt in Frage kommen, weil sie entweder bereits finanzielle Berater:innen des Projekts sind, etwa für die Regierung, oder weil sie den Unternehmen, insbesondere dem Unternehmen Total, früher schon Geld geliehen haben. Viele dieser Banken haben bisher noch keine oder nur eine sehr schwammige Antwort gegeben. Aber immerhin sechs der 25 Banken haben bereits erklärt, das Projekt auf keinen Fall zu finanzieren. Dazu gehören laut französischen Medienberichten vom April auch die drei großen französischen Banken BNP Paribas, Société General und Crédit Agricole. Und das ist ein wichtiges Zeichen, weil diese Banken normalerweise ohne zu zögern Kredite vergeben an das ebenfalls französische Unternehmen Total.

Ich habe mit Ryan Brightwell von BankTrack über die #StopEACOP-Kampagne gesprochen. BankTrack ist eben auch ein Teil von dieser Allianz. Und es ist eine internationale NGO mit Sitz in den Niederlanden, die immer wieder fragwürdige Investitionen von Banken transparent macht und durch öffentlichen Druck versucht, die Banken dazu zu bringen, nicht mehr in ökologisch und gesellschaftlich schädliche Projekte zu investieren. Das versucht sie auch in der aktuellen Kampagne zur Pipeline in Uganda und Tansania. Ryan Brightwell von BankTrack hat mir erklärt, dass es insgesamt einen Trend gibt, dass immer mehr Banken sich bestimmte Umwelt und Menschenrechtsstandards setzen, die sie in ihren Investitionen erfüllen müssen.

Und das machen sie einmal, weil natürlich auch in den Banken Menschen arbeiten, die eben verstanden haben, dass Menschenrechte und Klimaschutz wichtige Anliegen sind. Aber sie machen das auch aus finanziellem Kalkül, weil sich nämlich solche Investitionen im Zuge der Klimakrise einfach nicht mehr lohnen werden. Z.B. um nochmal auf das EACOP-Projekt in Ostafrika zurückzukommen: Berechnungen der Climate Policy Initiative, das ist so eine Organisation, die zu finanziellen Aspekten von Energie und Landpolitik weltweit berät, und die haben berechnet, dass der geschätzte Wert der Ölvorkommen in Uganda zwischen 2013 und 2020 um 70 Prozent eingebrochen ist. Also der Wert ist total gesunken, weil eben in den letzten Jahren viele Gesetze aufgekommen sind, die die Förderung und den Export von Öl beschränken. Und eben auch um die Klimaziele zu erreichen, ist klar, dass gar nicht mehr so viel Öl einfach verbraucht werden kann.

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Ryan Brightwell von BankTrack hat gesagt, dass diese Selbstverpflichtungen sehr weit verbreitet sind im Bereich Kohle. Bei anderen klimaschädlichen Unternehmen fehlt es teilweise noch so an der Erkenntnis von Banken, dass diese Projekte einfach auch überhaupt nicht nachhaltig sind. Die bisherigen Standards sind aber auch sowieso noch nicht ausreichend zur Einhaltung der Klimaziele, etwa der maximalen Erderwärmung von anderthalb Grad. Und deswegen hat mein Gesprächspartner gesagt, dass auch Regierungen und Zentralbanken Investitionen regulieren müssen, damit nachhaltige Investitionen flächendeckend umgesetzt werden und auch effektiv sind.

Als ein Positivbeispiel ist Neuseeland zu nennen, wo im April ein Gesetz verabschiedet wurde, dass Finanzorganisationen, also große Finanzorganisationen, künftig klimabedingte Risiken und Chancen ihrer Investitionen offenlegen müssen und erklären, wie diese ihr Handeln beeinflussen. Also sie können nicht einfach ignorieren, dass es die Klimakrise gibt und dass eben bestimmte Unternehmen klimaschädlich sind und andere eben eher zukunftsfähig, z.B. erneuerbare Energien, sondern müssen das eben mitdenken bei all ihren Investitionsentscheidungen.

Ich hatte ja vorhin schon davon gesprochen, dass es eben diesen Trend gibt, dass Banken und Finanzorganisationen immer mehr bewusst werden, was es da eigentlich für klimabedingte Risiken gibt. Und ein Beispiel dafür ist auch der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock. Die haben vor gut einem Jahr einen Brief an die Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, und das sind eben so sehr große Unternehmen, einen Brief geschrieben und darauf gedrängt, dass Investitionen in Zukunft nachhaltig sein sollten. Dass ein fundamentaler Wandel der Finanzwelt bevorsteht und das Klimarisiken auch Anlegerisiken sind. Also da gibt’s durchaus eben ein gesteigertes Bewusstsein, die dann auch nach und nach dazu führen, dass in klimaschädliche Projekte nicht mehr investiert werden. Allerdings geht das eben nach und nach. Und man muss natürlich auch immer genau hinschauen, von den schönen Worten, die Banken oder Vermögensverwalter oder so machen, und dann den Aktivitäten und Investitionen, die tatsächlich passieren.

Bianca: Ich habe heute eine Nachricht gelesen, die ich noch nicht recht einschätzen kann in der FAZ. Und zwar hat die Internationale Energieagentur IEA zum Abschied vom Erdöl-Zeitalter ausgerufen und hat gesagt: Ab sofort sollen keine Investitionen in die Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen mehr erfolgen. Der IEA-Chef Fatih Birol meinte jetzt, dass man jetzt wirklich aufhören soll, die laufenden Projekte abschließen und ab sofort in keine neuen Öl- und Gasquellen mehr investieren und sowieso keine Kohlekraftwerke mehr bauen. Und wenn jetzt sogar die Internationale Energieagentur, die ja eigentlich noch vor gar nicht allzu langer Zeit darauf gedrängt hat, dass noch mehr investiert werden soll in Erdölvorkommen, wenn die jetzt selbst sagen „Hey, hört auf!“, dass das vielleicht auch so einen Rattenschwanz nach sich zieht natürlich, für die ganzen Banken und Investor:innen.

Antonia: Das wäre natürlich super interessant zu sehen, ob diese Entscheidung der Energieagentur auch den Bau der Pipeline beeinflussen würde, die ja noch nicht angefangen wurde zu bauen und wo es ja genau um Erdöl geht. Und da wurden zwar jetzt die Verträge unterschrieben und der Bau könnte somit dieses Jahr beginnen. Aber die große Hoffnung ist eben, noch genug Finanzorganisationen überzeugen zu können, kein Geld für dieses Projekt zu geben, sodass eben diese Pipeline im Endeffekt nicht gebaut werden kann.

Bianca: Also es besteht also noch Hoffnung.

Antonia: Ja genau. Es gibt auf jeden Fall noch Hoffnung.

Bianca: Ich weiß gar nicht, wie es bei dir aussieht in deinen Finanzen, ob du dir jemals überlegt hast, selber zu investieren. Ich spreche gleich über etwas, von dem ich ehrlich gesagt nicht so viel Ahnung habe, aber von dem ich glaube, dass es für viele Menschen total cool ist. Und zwar hat die GLS Bank seit Dezember einen eigenen nachhaltigen Robo Advisor online. Das heißt, dieser Robo Advisor ist eigentlich eine, ja, eine automatisierte Finanzberaterin, die auf Grund deiner voreingestellten Parametern dein Geld investiert, und zwar, und das ist der Punkt: Nur in nachhaltige Unternehmen. Mit diesem Robo Advisor wird definitiv nicht in Exchange Trading Funds investiert, das sind Aktienlisten, und zwar weil man von denen einfach nicht weiß, wie nachhaltig das ist oder wie sozial gerecht das ist. Und bei der GLS, kann man, glaub ich, schon anfangen mit 25 Euro im Monat, wenn ich mich recht entsinne. Und dieser, dieser Robo, der entscheidet dann immer aktuell, wo dein Geld investiert werden kann und halt eben gut und nachhaltig investiert werden kann. Ja, die GLS sagt von sich, dass das der nachhaltigste Roboter Advisor der Welt ist.

Antonia: Ja, ich kann mir auch vorstellen, dass es total praktisch ist, einfach diesen Advisor zu haben, weil ich mir vorstelle, dass viele Menschen eben gerne nachhaltig investieren würden. Aber bekanntlich ist diese ganze Anlage- und Aktien- und Börsen-Welt ja auch ziemlich kompliziert, und so als Einzelperson ist es da ja schwierig durchzublicken. Aber wenn man dann so einen Robo Advisor hat, der einem sagt: Okay, da kannst du investieren, es ist nachhaltig und es lohnt sich. Das ist natürlich super praktisch.

Bianca: Ja, cool. Vielen Dank, Antonia.

Antonia: Ja, danke auch.

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