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11 January 2019 / Lesezeit: 3 minuten

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Nachhaltige ETFs? Genau hinschauen!

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Undurchsichtige Geldanlage: Grüne ETFs liegen im Trend. Leider sind sie aber meist wenig transparent

Titielbild: Oliver Friedrich

Im Interview erklärt GLS Banker Lukas Adams, warum Exchange Traded Funds (kurz ETFs) mit Vorsicht zu genießen sind und welche unschönen Überraschungen vermeintlich nachhaltige Indexfonds bergen können

Herr Adams, es scheint ganz so, als käme heute kein Anlageratgeber mehr an Indexfonds vorbei, auch bekannt als Exchange Traded Funds (ETFs). Woher kommt der Hype?

Bei der ersten sozial-ökologische Bank der Welt ist Geld für die Menschen da – und das bereits seit 1974. Seitdem ist die Genossenschaft die Referenz für nachhaltiges Banking. Sie bietet alle Leistungen einer zukunftsweisenden Bank: von Girokonten und Unternehmensfinanzierungen bis zu Crowd-Investing und Schenkungen. Das macht Sinn!

Neu sind diese Produkte nicht. Die ersten ETFs kamen in den 1980ern in den USA auf den Markt. Seit einigen Jahren werden sie aber hierzulande massiv an Kleinanleger*innen vermarktet – insbesondere mit dem Aufkommen der Direktbanken.

Was steckt dahinter?

Exchange Traded Funds sind börsengehandelte Fonds, die ihr Kapital in börsennotierte Titel investieren. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um passiv verwaltete Indexfonds. Dahinter steht also kein*e Fondsmanager*in, die aktiv Titel auswählt, sondern es wird einfach ein Index – wie etwa der DAX oder der Dow Jones – abgebildet. Was ist der Vorteil einer solchen Anlage? Sie ist billig. Man braucht keine Fondsmanager*innen und kein Research. Was gekauft wird, ist schließlich vorgegeben. Außerdem sind die Fonds so angelegt, dass man schon für kleines Geld einsteigen kann.

Klingt nach einer super Sache. Warum sind Sie trotzdem kein Fan?

Es regt sich mittlerweile einige Kritik am boomenden ETF-Geschäft. Und für Anleger*innen, denen nicht egal ist, was ihr Geld in der Welt bewirkt, sind ETFs die falsche Wahl.

Das müssen Sie erklären!

Ein wachsender Teil der Finanzwelt sieht ETFs mit Sorge, weil ihr Anteil am Markt rasant wächst. Sie bilden stets herrschende Trends ab, während Fondsmanager*innen kurzfristige Bewegungen auch aussitzen können. Man weiß heute einfach noch nicht, wie sich das bei einer echten Krise auswirken wird. Einen Vorgeschmack gab es beispielsweise im August 2015, als wirtschaftliche Turbulenzen in China ETFs an der US-Börse derart stark abstürzen ließen, dass sie mehrfach vom Handel ausgesetzt werden mussten. Hinzu kommt, dass viele ETFs bei Weitem nicht so simpel und transparent sind, wie viele denken.

Was meinen Sie?

Die wenigsten Anleger*innen hinterfragen, ob ihr ETF den Index tatsächlich abbildet – also die betreffenden Aktien wirklich hält. Tatsächlich bauen viele ETFs die Indizes oft nur eingeschränkt nach.

Sie sagen, ETFs seien für ethisch und ökologisch orientierte Anlegerinnen und Anleger ohnehin nicht geeignet. Gibt es nicht auch ETFs auf nachhaltige Indizes?

Es gibt Indizes, die sich nachhaltig nennen und ETFs, die sich darauf beziehen. Der Begriff ist jedoch rechtlich nicht geschützt. Und schauen wir uns die gehaltenen Werte an, finden wir etliche Titel, die für alles stehen, aber nicht für Nachhaltigkeit, wie wir sie verstehen.

Haben Sie ein Beispiel?

Nehmen wir einfach einen der größten Indizes: den MSCI World SRI. SRI steht für „Socially Responsible Investment“. Unter den Top-Werten finden Sie da etwa Procter & Gamble, McDonald’s, PepsiCo und Total. Wie würden Sie diese Titel in einem nachhaltigen oder grünen ETF begründen? Mir fällt das schwer.

Total, die Ölfirma?

Genau. Manche ethisch motivierten ETF-Anleger*innen mussten während Katastrophen wie Deepwater Horizon oder Fukushima feststellen, dass sie auch BP und Tepco, den Betreiber des Atomkraftwerks in Fukushima, in ihrem nachhaltigen Portfolio hatten.

Wie kommt das?

Der Terminus „grüne“ oder „nachhaltige“ Geldanlage ist frei interpretierbar. Es gibt Ansätze, die etwa aus jeder Branche in Sachen Nachhaltigkeit das beste – oder am wenigsten schlechte – Unternehmen listen. Das mag für die Ölindustrie dann Total sein.

Ist das ein Grund, warum die GLS Bank keine Indexfonds anbietet – auch keine zu Nachhaltigkeitsindizes?

Einer von mehreren. Wir haben Fonds, eigene und fremde, im Angebot, aber eben nur solche, wo kritisch untersucht und ausgewählt wird. Zum Beispiel unser GLS Bank Aktienfonds. Hier wählt unser Portfoliomanagement aktiv Unternehmen aus, unser Nachhaltigkeits-Research nimmt sie genau unter die Lupe und das letzte Wort hat unser Anlageausschuss.

Wer sitzt in diesem Anlageausschuss?

Unabhängige interne und externe Experten*innen. Alles vom erfahrenen Ingenieur aus der Windkraft über die Wissenschaftlerin für sozialverantwortliche Geldanlagen bis zum Unternehmer aus der nachhaltigen Landwirtschaft. Diese Menschen entscheiden für jeden Einzelfall, ob ein Unternehmen zum Fonds passt – unabhängig und ohne eigene Renditeinteressen.

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Stichwort Rendite: Wer mit einem Fonds zum Beispiel seine Altersvorsorge gestalten will, braucht auch eine gewisse Performance, oder?

Da muss sich etwa der GLS Bank Aktienfonds beileibe nicht verstecken. Seit der Auflage vor fünf Jahren stehen wir mit fünf bis sechs Prozent Rendite pro Jahr nach Kosten sehr anständig da.

Gibt es den Fonds auch als Sparplan mit kleinen Raten?

Ja, natürlich! Die von uns angebotenen sozial-ökologisch ausgerichteten Fonds sind, mit Ausnahme des Mikrofinanzfonds, sämtlich sparplanfähig. So können Anleger*innen sich mit geringen monatlichen Beträgen von beispielsweise 50 Euro daran beteiligen. Die Fonds informieren jährlich über ihre Portfolios, Neuaufnahmen und Entfernungen inklusive. Kein Grund also, mit ETFs blind der Börse hinterherzulaufen und sich an fragwürdigen Unternehmen zu beteiligen.