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29 Juli 2020 / Lesezeit: 5 minuten

Großes Potential bei Restmüll

So einfach lässt sich Mülltrennung verbessern

In deutschen Restmüll-Tonnen landet viel, was anders entsorgt werden müsste.

Bild: imago images / ecomedia/robert fishman

Bild: imago images / ecomedia/robert fishman

Um Müll korrekt zu trennen, gibt es in Deutschland viele Angebote. Im Restmüll landet oft Abfall, der richtig getrennt eigentlich wertvoll wäre. Das kann jede*r mit geringem Aufwand besser machen.

Reichlich Biomüll, aber auch Papier, Glas, Plastik und immer wieder Batterien: In deutschen Restmüll-Tonnen landet viel, was anders entsorgt werden müsste. Fast 40 Prozent des Gewichts sind Bioabfälle, die auf den Kompost oder in die Biotonne gehören, wie das Umweltbundesamt ermittelt hat. Gut ein Viertel sind Wertstoffe, die recycelt werden sollten. Dazu kommen 0,5 Prozent „Problemfälle“ wie Batterien, Lack oder Energiesparlampen, die Schadstoffe enthalten. Tatsächlicher Restabfall – wie Windeln, Staubsaugerbeutel, Kippen oder Kehricht – macht nur ein Drittel des Restmüll-Gewichts aus.

Um das herauszufinden, haben Helfer*innen im Auftrag des Umweltbundesamts seit 2018 per Hand 504 Stichproben sortiert, das entsprach dem Inhalt von mehr als 2800 Mülltonnen. Und zwar nicht einfach aus Neugierde, sondern um herauszufinden, wie sich Mülltrennung und -vermeidung in Deutschland noch verbessern lassen.

Erste bundesweite Restmüll-Analyse seit 1985

Es war die erste bundesweite Restmüll-Analyse seit 1985, und aus Umweltsicht gibt es eine gute Nachricht: Heute fällt nur noch fast halb so viel Restmüll pro Einwohner*innen und Jahr an, die Menge sank von 239 auf 128 Kilogramm. Vor allem Altpapier, Altglas, Metalle und Kunststoffe landen seltener in der Restmülltonne als damals, hier gibt es Rückgänge von bis zu 80 Prozent. Bei der Gesamtmenge des Abfalls seien die Deutschen aber nicht besser geworden, sagte Bettina Rechenberg vom Umweltbundesamt, da sei noch viel zu tun.

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Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sprach bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstag deshalb von einer „Erfolgsgeschichte“. Er mahnte aber auch: Ziel müsse sein, alles, was sich wiederverwerten lasse, auch zu recyceln. „Wir trennen gut, aber eben nicht sehr gut.“

Bei der Untersuchung fielen Unterschiede zwischen ländlichen, kleinstädtischen und städtischen Hausmüll-Tonnen auf: In Kleinstädten und Vororten ist die Hausmüll-Menge mit 110,5 Kilo pro Einwohner*innen und Jahr demnach am geringsten, auf dem Land sind es 124,5 Kilo und in der Stadt mit 151,1 Kilo am meisten. Mit Blick auf die Art der Häuser zeige sich, dass „mit zunehmender Bebauungsdichte die Gesamthausmüllmenge und auch der Wertstoffeintrag in die Restmülltonne zunehmen“, heißt es in den Ergebnissen.

Besonders problematisch ist das bei der Entsorgung von Lithium-Ionen-Akkus. Die Batterien, die sich etwa in Smartphones, elektrischen Zahnbürsten und Laptops finden, könnten durch Beschädigung zum Brandauslöser werden, warnte der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE). Sie gehörten nicht in die Mülltonne, sondern in Batteriesammelbehälter im Einzelhandel oder auf Recyclinghöfen. Nur etwa jede zweite verkaufte Batterie landet nach Branchenzahlen jedoch in den Sammelstellen. Damit werden zum einen Mitarbeiter*innen in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen gefährdet. Darunter leide aber auch die Umwelt, weil die Rohstoffe der übrigen Batterien nicht wieder verwertet werden können.

„Allergrößte Potenzial“ bei Biotonnen

Was also ist zu tun? Die Umweltbehörden setzen auf bessere Informationen und Appelle an die Verbraucher*innen und Hauseigentümer*innen, aber nicht nur. Flasbarth nahm vor allem die Biotonnen in den Blick: Da gebe es mengenmäßig das „allergrößte Potenzial“, Biomüll gehöre in Biogas- und Kompostieranlagen. Seit 2015 sei zwar die getrennte Sammlung vorgeschrieben, nicht aber die Biotonnen in den Haushalten. Manche Kommunen böten auch zentrale Sammelstellen an, das sei offenkundig nicht ausreichend etwa fürs Entsorgen von Küchenabfällen.

Um das zu verbessern, sei man mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) im Gespräch, sagte Flasbarth. Die Dichte an Biotonnen müsse erhöht werden und man müsse sehen, ob es rechtliche Schritte brauche. „Allerdings lassen sich einige Hürden nicht einfach per Gesetz wegdefinieren“, teilte eine Sprecherin des VKU mit. Entscheidend seien die Akzeptanz und der Wille in der Bevölkerung, Bioabfälle zu trennen. Der Verband wies darauf hin, dass zu viele Fremdstoffe wie Plastikabfälle in der Biotonne landeten, die die weitere Verwertung „schwer bis unmöglich“ machten. Für Rechenberg ist die Sache klar, das UBA ist für eine bundesweite Biotonnen-Pflicht. Bei der Ausstattung mit Biotonnen gebe es ein „gewisses Nord-Süd-Gefälle“, sagte sie.

Auch die Entsorgung anderer Dinge, die nicht in den Restmüll gehören, sollte den Bürgern aus UBA-Sicht erleichtert werden. In mehr als drei von fünf Proben wurden Batterien und Akkus gefunden. Die Behörde fordert deswegen, Sammelsysteme – wie gekennzeichnete Boxen in Supermärkten – auszubauen, ebenso wie Sammel- und Rücknahmeangebote für Elektrokleingeräte und Energiesparlampen.

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Restmüll: So trennst du deinen Abfall effektiv

Was kann man zudem noch besser machen, um seinen Müll effektiver zu trennen? Küchenabfälle sollten besser in den Biomüll, erklärt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Lebensmittelreste und andere kompostierbaren Abfälle müssen nicht verbrannt werden und gehören deshalb auch nicht in den Restmüll. Sogar Fleisch- oder Fischreste dürfen in vielen Kommunen in die Biotonne. Hier sollte aber beim zuständigen Entsorgungsamt nachgefragt werden, empfiehlt der VKU.

Auch Kleintierstreu aus Holzspänen, Stroh und Heu dürfen in geringen Mengen in den Biomüll. Die Ausnahme: Katzenstreu. Die gehört in den Restmüll, weil sie oft nicht aus biologisch abbaubaren Mineralien besteht und stark verschmutzt ist.

In den Restmüll gehören übrigens beispielsweise dreckige Windeln, Hygieneartikel und auch Staubsaugerbeutel. Auch andere verschmutzte Papiere, alte Fotos, Tapetenreste oder Kassenbons aus Thermopapier sollten in den Restmüll. Defekte Glühbirnen, Zigarettenkippen, Flaschenkorken und Porzellan findet ebenfalls nur in der grauen Tonne den richtigen Platz.

Von Bio-Plastik bis Joghurtbecher: Tipps für die Mülltrennung

Jenseits von der Restmülltonne stellen sich viele Fragen zum richtigen Mülltrennen. Wohin etwa mit sogenanntem „kompostierbaren“ oder „biologisch abbaubaren“ Plastik? Es wird häufig als „Mogelpackung“ kritisiert, weil es im heimischen Kompost oder in Kompostieranlagen nur schwer biologisch abgebaut werden könne. Letztlich wird es in Recyclinganlagen oft aussortiert und ist dort ein Fall für den Restmüll. Entsprechend ist es keine gute Idee, für den Biomüll sogenannte Bio-Plastiktüten zu verwenden. Am umweltfreundlichsten kann man Biomüll in einem wiederverwendbaren Behälter sammeln und anschließend in der Biomüll-Tonne entsorgen. Auch spezielle, reißfeste Papiertüten dürfen in der Biomülltonne landen.

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Tipps für den Glascontainer: Dass man Glas sachte in den Container werfen sollte, klingt erst mal sonderbar. Aber laut dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat es durchaus einen Vorteil, wenn leere Glasflaschen und -behälter nicht beim Wurf in den Container zerbrechen. Zwar würden die Scherben im Laufe des Transports immer kleiner – das sei nicht zu verhindern –  doch je unbeschadeter das Glas am Anfang sei, umso leichter sei es später in der Anlage zu recyceln, so der Verband. Denn zerbrochenes Altglas verunreinige schneller und erschwere das Recycling. Außerdem sei es leichter, größere Scherben in der Aufbereitungsanlage zu sortieren.

Außerdem sollte man natürlich nach Farben trennen: Also Braunglas in den braunen Container geben, Grünglas in den grünen. Andersfarbige Flaschen etwa in Blau gehören ebenfalls in den Grünglas-Container. Denn im Grünglas können am ehesten andersfarbige Gläser landen, ohne dass dadurch der Recyclingprozess beeinträchtigt wird, erklärt die Initiative der Glasrecycler. Außerdem gilt: Korken, Deckel und Schraubverschlüsse aus Metall oder Kunststoff sollten grundsätzlich vom Glas entfernt werden und gehören separat in die Wertstofftonne oder die Gelbe Tonne beziehungsweise in den Gelben Sack. Gläser sollten zwar geleert werden, spülen ist jedoch nicht notwendig. Dies gilt auch für Joghurt-Becher und andere Verpackungen.

Wohin mit abgelaufenen Medikamenten? Auf der vom Bundesforschungsministerium geförderten Website Arzneimittel-Entsorgung, gibt es die richtigen Anlaufstellen. Aber auch Medikamente können recycelt werden! Warum das so wichtig ist und wie es funktioniert, liest du hier.

In manchen Kommunen gibt es den Gelben Sack bzw. die Gelbe Tonne, anderswo eine Wertstofftonne. Städte wie Berlin, Hamburg, Köln oder Duisburg haben diese etwa bereits eingeführt. Sie dient nicht nur für Verpackungsmüll, sondern auch für Produkte aus Plastik oder Metall, zum Beispiel kaputte Pfannen, Plastikeimer oder Kochtöpfe.

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