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1 August 2018 / Lesezeit: 4 minuten

Die bessere Digitalisierung

Erfolgreich grün im Netz

Unter anderem der Avocadostore zeigt, wie auch grüne Ideen im Internet Erfolg haben können

Kann man mit grünen Ideen im Internet erfolgreich sein? Ja, zeigen diese drei Unternehmen

Die Antwort auf Amazon

Der Onlinehändler Avocadostore vertreibt seit 2010 faire und nachhaltige Produkte

Hamburg-St. Pauli, weitab der Amüsiermeile Reeperbahn. Auf einem kleinen Firmengelände zwischen Altbau- und Sozialwohnungen steht ein unscheinbarer Backsteinbau, links davon eine Werkstatt für Oldtimer, im Keller eine Fahrradreparatur. Hinge nicht ein großes Plakat mit der Aufschrift „Avocadostore“ an der mit Street-Art-Motiven besprühten Wand zur Straße, würde man dahinter nicht den Sitz des Onlinehändlers vermuten, der seit 2010 faire und umweltfreundliche Produkte vertreibt.

Lange werden die 30 Mitarbeiter nicht mehr dort sitzen. „Wir wachsen stetig und suchen größere Räume“, sagt Mimi Sewalski, zusammen mit ihrem Kollegen Till Junkermann Geschäftsführerin von Avocadostore. Das Sortiment von veganen Schuhen über faire Kleidung für Erwachsene und Kinder bis hin zu nachhaltigen Möbeln besteht mittlerweile aus 170.000 Produkten. Knapp 14 Millionen Euro betrug der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr.

„Mehr Umsatz heißt zum Beispiel auch mehr Aufkommen im Kundenservice“, sagt Sewalski. Und mehr Anfragen von Händlern. Oder viele neue Produkte. Und die müssten besser geprüft werden als noch in den Anfangszeiten. „Die Standards werden ja immer höher im Bereich Nachhaltigkeit. Die Konsumenten wissen viel mehr als noch vor ein paar Jahren, es gibt endlich bessere Siegel.“ Also stellen sie gerade ein: den allerersten Social-Media-Manager des Unternehmens suchen sie, neue Leute im Onlinemarketing, im Kundenservice, im Einkauf oder in der Buchhaltung sind gefragt. Bis Ende 2018 soll die Crew aus knapp 40 Leuten bestehen.

Bei Avocadostore haben Sewalski und ihre Kollegen die Wahl. Den Hersteller von Bio-Tee in Bio-Plastikbechern haben sie zum Beispiel nicht auf die Plattform genommen – weil man für die Zubereitung kleine Einweg-Teekapseln benötigt. „Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass das nicht nachhaltig sein kann“, sagt Sewalski. Welche Ziele hat man bei Avocadostore noch? „Wir sind einst angetreten, das grüne Amazon zu werden. Wir wollen aber nachhaltig wachsen. Und wir wollen nicht viele, sondern tolle Produkte finden.“

Saubere letzte Meile

Das Karlsruher Unternehmen Raumobil hat sich auf Konzepte für grüne Mobilität spezialisiert

Der Marktplatz im Karlsruher Stadtteil Durlach ist ein beschaulicher Ort: viel altes Fachwerk, ein Brunnen, ab und zu quietscht die durchfahrende Straßenbahn. In einer Seitenstraße verstecken die Mitarbeiter der Raumobil GmbH ihre Köpfe hinter Monitoren und arbeiten an Mobilitätskonzepten der Zukunft. Wobei Zukunft nicht ganz richtig ist: Greenmobility, ihre Plattform für Mobilitätsmanagement, gibt es schon. Damit lässt sich verkehrsübergreifend die Anfahrtsplanung zu Messen, Firmen, Stadien oder Konzerten planen. Sie war schon auf den Webseiten des Wacken Open Air oder von Rock am Ring integriert. Ein Ziel: Einsparung von CO2-Emissionen, weil Besucher statt mit dem Auto zum Beispiel mit der Bahn anreisen.

Eine Besonderheit: Bei der Gestaltung des Online-Tools helfen die Kunden mit. „Der Mensch vor Ort, der so eine Plattform mit ausgestaltet, kennt die letzte Meile am besten“, erklärt Oliver Wolf, einer der beiden Geschäftsführer von Raumobil. Er hat das Unternehmen 2006 zusammen mit seinem damaligen Partner Michael Böttger gegründet. Die letzte Meile, etwa der Weg vom Bahnhof zur Konzertwiese, sei meistens das größte Problem bei Anfahrten, so Wolf.

Er und Böttger arbeiteten damals zusammen bei Web.de, wollten aber etwas Eigenes auf die Beine stellen. Ihre Idee: das erste Sharing-Portal Deutschlands. Übernachtungsmöglichkeiten, Mitfahrgelegenheiten, Lager und Räume – alles sollte teilbar sein. „Wir wollten letztlich zu viel. Sieht man die Erfolge von ‚Airbnb‘ bis ‚BlaBlaCar‘, hätten wir es weiter fokussieren müssen und wären eher erfolgreich weggekommen.“ Entstanden ist seitdem unter anderem ein weiterer CO2-Rechner sowohl für einzelne Reisende als auch für Veranstalter zum Ermitteln und Kompensieren des CO2-Fußabdrucks.

Noch bringen alle grünen Konzepte, auch Greenmobility, zu wenig Einnahmen. Darum finden sich auch Kunden im Portfolio von Raumobil, denen nicht unbedingt der Sinn nach mehr Nachhaltigkeit steht. Doch Oliver Wolf ist überzeugt: „Die Zeit ist reif für Mobilitätskonzepte wie Greenmobility. Man denke nur an die drohenden Diesel-Fahrverbote.“

Grüne Suche

Wer die Suchmaschine Ecosia nutzt, schützt seine Daten und tut etwas fürs Klima

Sie haben sich richtig etwas vorgenommen bei Ecosia: Die grüne Suchmaschine möchte bis 2020 eine Milliarde Bäume pflanzen. Zur Einordnung: 2009 Jahren ging Ecosia online – und konnte mit den generierten Werbeeinnahmen von knapp sieben Millionen Euro seitdem die Pflanzung von rund 25 Millionen Bäumen finanzieren. Jacey Bingler ist trotzdem zuversichtlich. „Man muss sich eben hohe Ziele stecken“, sagt die Leiterin Kommunikation des Unternehmens in Berlin-Kreuzberg. Ecosia wachse und wachse, habe mittlerweile knapp 30 Mitarbeiter und sogar einen festangestellten Baumpflanzbeauftragten, einen erfahrenen Wissenschaftler aus Holland.

Gegründet hat die GmbH Christian Kroll. Der war sich schon während seines Studiums nicht sicher, ob er eine klassische Karriere einschlagen soll. Er las damals das Buch „Hot, Flat and Crowded“ von Thomas L. Friedman. Es problematisiert Überbevölkerung und Klimawandel. Friedman stellt aber auch Lösungsansätze vor. Etwa, dass das Pflanzen von Bäumen tatsächlich sehr viel CO2 ausgleicht. Auch die Idee einer Suchmaschine, deren Werbeeinnahmen genutzt werden können, um nachhaltige Projekte vor Ort zu unterstützen, kommt im Buch vor.

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Heute veröffentlicht Ecosia monatlich Finanzberichte und dokumentiert alle Aufforstungen von Projekten in zwölf Ländern weltweit, in die bis zu 80 Prozent des Überschusses der GmbH fließen. „Wir arbeiten auch darum häufig mit vielen kleinen Initiativen zusammen“, sagt Jacey Bingler. „Projekte, die von zwei, drei ortsansässigen Personen aufgebaut wurden.“ Doch nicht nur kleine Initiativen unterstützt Ecosia mit seinen Werbeeinnahmen: Seit vergangenem Jahr gibt es zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit dem Jane Goodall Institut Austria.

Das positive Wirken hat auch Jacey Bingler 2015 zu Ecosia gezogen. An das Ziel für 2020 glaubt sie fest. Dafür müsste Ecosia ein bis zwei Prozent des weltweiten Suchaufkommens abschöpfen. „Und falls wir es doch nicht schaffen, haben wir trotzdem etwas bewirkt.