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12 December 2014 / Lesezeit: 3 minuten

Job-Plattform

Geteilter Job ist doppeltes Glück

Sie haben Tandemploy gegründet – Anna Kaiser und Jana Tepe

Titelbild: Tandemploy

Titelbild: Tandemploy

Zeit für Hobbys und Familie, ohne offiziell in Teilzeit zu arbeiten? Die Lösung: Jobsharing. Dafür gibt es jetzt eine Plattform. Ein junges Unternehmerinnen-Duo aus Berlin bietet darauf Arbeitssuchenden die Möglichkeit, einen Vollzeitjob mit anderen zu teilen

Es gehört zum Mythos der Generation Y, dass diese so besondere Gruppe der nach 1980 Geborenen nicht bereit sei, sich durch ihre bezahlte Arbeit an Selbstverwirklichung abseits des Jobs abhalten zu lassen. Hobbys, gar freiberufliche Tätigkeiten in einem völlig anderen Fachbereich – die IT-Beraterin, die auch Heilpraktikerin ist –, Zeit für sich selbst und die eigenen Ideen und Gedanken müssen Platz im Arbeitsleben haben.

Für dieses Modell sieht unsere Berufswelt derzeit die Teilzeitarbeit vor: 50, 65, 70 Prozent einer Vollzeitstelle ausfüllen und dafür den entsprechenden Gehaltsverzicht in Kauf nehmen. Soweit die Theorie. Denn die Wahrheit über Teilzeit kennen andere, insbesondere Eltern junger Kinder, die die Vollzeitstelle zugunsten einer anderen Form der Verwirklichung, der Familie, reduziert haben. Sie wissen: Teilzeit ist weit mehr als nur ein Verzicht auf Gehalt. Es bedeutet meist auch einen Abschied von der Karriere und anspruchsvoller Arbeit. Der Aufstieg in Führungspositionen rückt in weite Ferne oder wird in dem Moment rückgängig gemacht, wenn eine Mutter oder ein Vater nach der Elternzeit in Teilzeit zurückkommt.

In den meisten Fällen steckt dahinter keine Böswilligkeit, auch wenn es dem einen oder anderen fast wie die Rache solcher Vorgesetzten vorkommt, die in ihrem Berufsleben keine Kompromisse zugunsten der Familie gemacht haben. In vielen Unternehmen fehlt schlicht die Struktur, um Teilzeitkräfte für mehr einzusetzen, als in vier Stunden am Vormittag Dinge einfach wegzuarbeiten.

Infrastruktur für einfach umsetzbares Jobsharing

Das wollen Jana Tepe und Anna Kaiser nun ändern. Vor ein paar Jahren waren beide noch in einer IT-Firma angestellt, Personalabteilung. Auf eine ausgeschriebene Stelle hatte sich nicht eine Person beworben, sondern ein Duo, das sich zeitlich und fachlich ergänzen wollte. Bekommen hatten die beiden den Job nicht. Tepe und Kaiser jedoch hatten damit die Idee für ihr eigenes Unternehmen.

Mit Tandemploy haben die beiden Frauen eine Plattform für solches Jobsharing aufgebaut: Hier können Jobsuchende sowohl einen Partner finden, mit dem sie sich eine Vollzeitstelle teilen wollen, als auch Jobgesuche einsehen, die explizit offen für Jobsharing sind. Zusätzlich arbeiten Tepe und Kaiser beständig an einer Datenbank über Jobsharing-freundliche Unternehmen. „Wir bieten die Infrastruktur für einfach umsetzbares Jobsharing“, erklärt Jana Tepe. Eine Infrastruktur, die bisher gefehlt hat.

Zwar ist das Modell der Arbeitsteilung unter Teilzeitkräften innerhalb von Unternehmen immer beliebter und liegt laut einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft bei mehr als 20 Prozent der Unternehmen, die dies praktizieren. Doch dass Stellen in Jobsharing ausgeschrieben werden, sich Teilzeitkräfte gemeinsam bewerben können, ist noch selten.

Stellen können fachlich ergänzend besetzt werden

Teilzeit, aber ohne die Nachteile und Abstriche einer Teilzeitstelle. Ein Vollzeitjob, ohne dafür tatsächlich acht oder mehr Stunden an fünf oder mehr Tagen in der Woche arbeiten zu müssen. „Für Arbeitnehmer bedeutet Jobsharing den eigenen, qualifizierten Job in Teilzeit leisten zu können. Da gab es vorher eine große Lücke, wirklich den Wunschjob flexibel zu realisieren“, so Tepe und Kaiser.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Jobsharing sind in Deutschland bereits gegeben. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz regelt explizit, dass sich mehrere Arbeitnehmer in Absprache mit dem Arbeitgeber eine Stelle teilen können. „Vertraglich und versicherungstechnisch läuft es wie bei Teilzeitkräften. Allerdings haben Jobsharer meist mündliche Absprachen oder einen Dachvertrag zu Dingen wie Vertretungspflicht bei Urlaub und Krankheit, Verteilung von Boni und so weiter“, so Jana Tepe.

In einer Umfrage hatten sie ihre Geschäftsidee auf den Prüfstand gestellt. Dass 50 Prozent der Befragten Arbeitnehmer sich die Möglichkeit des Jobsharings in verschiedenen Lebensphasen wünschen, hatten sie erwartet. Die Überraschung kam von Arbeitgeberseite: Die Mehrzahl der befragten Unternehmen standen dem Modell offen gegenüber, sahen auch die Vorteile für sich. Vertretung bei Urlaub oder Krankheit regelt sich in solchen Fällen von selbst, Stellen können – wie beim eingangs genannten Beispiel – fachlich ergänzend besetzt werden, das Unternehmen bekommt die Produktivität zweier Teilzeitkräfte in einem und kann bei 100-prozentiger Besetzung trotzdem flexibles Arbeiten ermöglichen. Derzeit sind über 1000 User bei Tandemploy registriert, davon 30 Prozent Männer – eine Tatsache, die Tepe und Kaiser gern betonen. Denn sonst sind die in Teilzeit angestellten Arbeitnehmer zu beinahe 90 Prozent weiblich. Für Jobsuchende ist die Plattform kostenlos, Unternehmen zahlen für Stellenanzeigen, die Möglichkeit, sich in Unternehmensprofilen vorzustellen und Arbeitssuchende direkt kontaktieren zu können.

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„Entscheidend ist, dass die Jobsharer sehr eng zusammen arbeiten. Der, der Montag kommt, weiß, was der andere am Freitag gemacht hat. So werden neue Stellen teilzeittauglich, bis in die Führungsetagen“, ergänzt Tepe. „Die Jobsharer organisieren sich dabei selbst, tragen gemeinsam die Verantwortung für die gesamte Stelle. Sie können Aufgaben und Arbeitszeiten flexibel untereinander aufteilen.“

Sie schaffen sich so die Freiheit, ihre Ambitionen im Beruf mit Wünschen für das Privatleben in Einklang bringen zu können. Ein zukunftsweisendes Konzept, das sicher nicht nur für die Generation Y interessant ist.