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22 August 2018 / Lesezeit: 2 minuten

Mudar Mannah über seinen Weg zum Job mit Sinn

„Als Arzt fehlte mir die Sinnhaftigkeit“

Der weiße Kittel gehört für Mudar Mannah auch weiterhin zur Arbeitskleidung – auch wenn er kein Arzt mehr ist, sondern sich veganem Käse widmet

Titelbild: Simon Heydorn

Mudar Mannah hat als Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie gearbeitet, bevor er „Happy Cheeze“ gegründet hat. Dort ist er auch Entwickler – und hat sich so einen Jugendtraum erfüllt

„Nach meiner Approbation habe ich einige Jahre in einer Unfallklinik gearbeitet. Ich war allerdings mit dem deutschen Gesundheitssystem unzufrieden, Kliniken und Krankenhäuser waren eher Wirtschaftsunternehmen, da ging es nur noch um Kennzahlen. Ich bin Arzt geworden, um Menschen zu helfen, diese Sinnhaftigkeit hat mir irgendwann gefehlt. 2007 habe ich dann von heute auf morgen gekündigt und beschlossen, nach Australien auszuwandern. Also habe ich mein gesamtes Hab und Gut verkauft und mir ein One-Way-Ticket nach Bangkok gekauft. In Australien bin ich aber nie angekommen, weil ich in Myanmar meine Frau kennengelernt habe.

Vom Arzt zu Happy Cheeze

Wir sind zusammen zurück nach Berlin gezogen und ich habe wieder als Arzt gearbeitet. Nebenbei habe ich nach Alternativen und Geschäftsideen gesucht, mich in Coworkingspaces mit anderen Gründern ausgetauscht und an Workshops teilgenommen. Ab 2010 habe ich meine Ernährung umgestellt und mich viel mit Rohkost und veganem Essen beschäftigt. Mir als Käseliebhaber fehlte da einfach etwas. Seit meiner Jugend koche ich leidenschaftlich gerne und meine Doktorarbeit habe ich in Internistischer Mikrobiologie geschrieben. Deswegen hat mich ein Rezept für Cashewkäse, bei dem die Kerne zerkleinert und mit probiotischen Kulturen versetzt werden, sofort fasziniert. So entstand die Idee für ‚Happy Cheeze‘.

Am Anfang haben wir über unseren Onlineshop nur Kleinstmengen verkauft. Ich habe also weiterhin als Arzt gearbeitet, um Geld zu verdienen, und bin deshalb mit meiner Familie für eine Anstellung nach Cuxhaven gezogen. Die Vollzeitstelle habe ich bald darauf aber schon wieder gekündigt und nur noch einen Tag in der Woche in einer Praxis gearbeitet – ansonsten habe ich mich voll auf das Unternehmen konzentriert. Das war alles nicht von langer Hand geplant, aber genau das, was ich wollte. Ich entscheide viel aus dem Bauchgefühl heraus. Ich mache dann einfach. Das hilft mir auch als Unternehmer. Ebenso wertvoll sind das Netzwerk – also zu schauen, wo und wie Unternehmen gegründet werden – sowie der Rückhalt und das Vertrauen meiner Familie und der Mitarbeiter, die alle wirklich an die Idee glauben.

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Seit 2016 bin ich gar nicht mehr als Arzt tätig, sondern konzentriere mich komplett auf Happy Cheeze. Ich kann mir auch vorstellen, wieder als Arzt zu arbeiten – wenn sich in dem System signifikant etwas ändert. Das werde ich aber wohl nicht mehr erleben.“