Startseite/Wirtschaft/Beruf & Arbeit/Jobs mit Sinn
23 January 2019 / Lesezeit: 2 minuten

Jan Stassen über seinen Weg zum Job mit Sinn

Sinn braucht auch Egoismus

Jan Stassen ist Gründungsmitglied des Cocreationlofts und als solcher irgendetwas zwischen „Mädchen für alles“ und „Ermöglicher“ für Mitglieder der Community

Titelbild: Museum für Werte

Gründer Jan Stassen hat sich lange ausprobiert, mit 30 hat er sich für eine Sache entscheiden: Das Cocreationloft ist eine Mischung aus Coworking-, Coliving- und Eventspace. Im Kern geht es um die Frage, wie man über individuelle Veränderung eine bessere Gesellschaft kreieren kann – eine Frage, mit der sich Jan auf seinem Weg schon immer auseinandergesetzt hat

„Ich bin ganz klassischer, gelernter Werber. Nach dem Abi habe ich eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation gemacht. Wieso, weiß ich bis heute nicht so richtig, was aber gar nicht negativ gemeint ist. Ich habe dann in einer großen US-amerikanischen Agentur gearbeitet, vor allem im Bereich Strategie. Heute mag ich den Begriff nicht mehr. Er wird viel zu oft benutzt von Leuten, die sich damit wichtig fühlen wollen, so wie ich damals.

Irgendwann habe ich mich doch noch für ein Studium entschieden und mich für Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin eingeschrieben, zuerst im Bachelor, dann im Master. In der Zeit habe ich viel nebenbei gearbeitet, in verschiedenen Positionen und Berufen. Ich war ein halbes Jahr bei Coca-Cola und ein Semester in Australien, wo ich indigene Völker studiert habe.

In der Zeit habe ich unter anderem eine Plattform für Handwerkskultur aufgebaut. Irgendwann hatte ich es satt, süße Brause an Kinder zu verkaufen. Eher zufällig bin ich als Werkstudent beim Social Impact Lab gelandet und habe dort in der Kommunikation gearbeitet. Ich wollte dann so etwas ähnliches in Südostasien aufbauen, also Sozialunternehmen im Aufbau helfen. Letztlich wurden wir einfach nur eine Werbeagentur für Start-ups. Aus meiner Masterarbeit ist noch das ‚Museum für Werte‘ entstanden, an dem ich bis heute mitarbeite.

Für eine Sache entscheiden – das Cocreationloft

Für mich stand schon recht lange fest: Sobald ich 30 werde, entscheide ich mich für eine Sache und ziehe sie dann durch. Das ist vielleicht ein Grund, wieso ich vorher so viel ausprobiert habe und zwischen verschiedenen Stellen hin- und hergesprungen bin. Ich halte mir vielleicht nicht mehr so viele Türen offen, versuche die Energie eher langfristig in dieses eine Projekt fließen zu lassen und es – genauso wie mich selbst – kontinuierlich wachsen zu sehen.

Dieses Projekt ist das Cocreationloft. Das ist ein Raum, in dem wir uns die Frage stellen, wie wir uns als Individuen in einer immer komplexeren Gesellschaft verorten können, wie man also einen guten inneren Kompass entwickelt. Der ist mir persönlich auch sehr wichtig, gerade wenn es um das Thema Sinn im Job geht.

Mach’s gut!

1 € für enorm + 1 € für Alles im Fluss

Mit deinem Beitrag unterstützt Du die publizistische Unabhängigkeit von enorm. Und das Projekt „Alles im Fluss“: die Initiative setzt sich aktiv für den Schutz und die Sauberkeit der Berliner Gewässer und Ufer ein.

Jetzt unterstützen!

Der Begriff „Sinn“ hat oft eine moralische Implikation, ich habe manchmal das Gefühl, die Nachhaltigkeitsszene definiert sich nur über die 17 Sustainability Goals der Vereinten Nationen. Die sind gut und unglaublich wichtig. Aber was das für einen selbst, auf einer ganz persönlichen Ebene bedeutet, geht dabei mitunter verloren. Man kann die Probleme dieser Welt heute wunderbar rational erfassen. Man sollte aber ebenso persönliche, körperliche Erfahrungen machen – durch ein afrikanisches Township zu laufen oder zwischen unzähligen Windeln und Müll zu surfen entwickelt einen ganz anderen Antrieb, die Welt zu verbessern. Deswegen ist Sinn immer auch etwas Egoistisches. Immerhin wähle ich einen Beruf als Person, nicht nur als Karriere oder Kunstfigur.

Beim Museum für Werte beispielsweise: Ich habe damit angefangen, weil ich mich persönlich damit auseinandergesetzt habe – und nicht, weil ich anderen Werte aufdrücken wollte. Trotzdem haben viele andere aus dem Projekt etwas mitgenommen. Es geht letztlich darum, wie viel ich als Individuum aus meiner Tätigkeit ziehen und was ich der Gesellschaft geben kann. Das schließt sich nicht aus, sondern verstärkt sich oft sogar gegenseitig.“