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16 Juli 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Trockenheit in Deutschland

„Die Konkurrenz ums Wasser verschärft sich“

Ein Weizenfeld am Niederrhein wird von einer Wasserkanone besprengt: Durch die anhaltende Trockenheit müssen viele Felder in Deutschland künstlich bewässert werden.

Bild: imago images/Markus van Offern

Bild: imago images/Markus van Offern

Was in Deutschland lange undenkbar schien, wird jedes Jahr realer: Wasser wird knapp. Die Wasserversorger schlagen Alarm: Einige Systeme laufen schon auf Reserve. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt reagiert mit Pilotprojekten darauf.

Angesichts zunehmender Trockenheit in Deutschland muss aus Sicht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) beim Wassermanagement auf dem Land grundlegend umgedacht werden. Während die Strategie seit Jahrzehnten darin bestand, Wasser möglichst schnell aus der Fläche herauszubringen, müsse es nun darum gehen, Wasser in der Landschaft zu halten und Fließgewässern mehr Raum zu geben, sagte der Generalsekretär der Stiftung, Alexander Bonde. Wichtig seien regionale Konzepte, bei denen Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz zusammenarbeiten müssten. „Wir haben die Situation, dass Wasser in Deutschland inzwischen ein knappes Gut ist und sich auch die Konkurrenz ums Wasser verschärft“, sagte Bonde mit Blick auf Wasserknappheit in Deutschland.

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Energiewende könnte positiv auf Wasserhaushalt wirken

Die Folgeschäden der Trockenheit für die Landwirtschaft seien riesig – allein für das Jahr 2018 betragen sie der Stiftung zufolge 8,7 Milliarden Euro in der Europäischen Union. Die Stiftung habe bereits mit einigen Förderprojekten auf die zunehmende Wasserknappheit reagiert, sagte DBU-Abteilungsleiter Maximilian Hempel. Als Beispiel nannte er ein Projekt aus dem nördlichen Ruhrgebiet, den Halterner Sanden bei Dorsten und Haltern. Dort wurde unter anderem ein Ampelsystem entwickelt, das als Entscheidungshilfe für die Wasserentnahme dienen soll.

Die Energiewende werde absehbar aber einen positiven Effekt auf den Wasserhaushalt haben, weil mit der zunehmenden Nutzung erneuerbarer Energien die Zahl der Kohle- und Kernkraftwerke abnehmen werde. Diese hätten einen großen Kühlwasserbedarf, sagte Hempel. Bis zum Jahr 2050 werde sich der Wasserbedarf einer von der DBU mitfinanzierten Studie des Clausthaler Umwelttechnik Forschungszentrums zufolge um die Hälfte verringern. Diese Einsparung komme auch dem ländlichen Raum zugute.

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Wasserknappheit in Deutschland: Fatale Folgen für Mensch und Umwelt

Bei Nutzungskonflikten um das Grundwasser müsse die Sicherung des Trinkwassers Vorrang haben, auch vor den Interessen der Landwirtschaft, sagte ein Sprecher des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Schon jetzt müssten in einigen Regionen die Trinkwasserversorger mit knappen Ressourcen klarkommen. „Die Systeme der Wasserversorger laufen auf Hochtouren und teilweise in den Reservebereich.“ Der Wasserbedarf in diesem Mai sei so hoch gewesen wie schon lange nicht mehr. Weil in diesem Jahr viele Menschen den Urlaub zu Hause verbringen werden, sei im Sommer keine Entlastung zu erwarten.

Für den Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) stellte deren Gewässerexpertin Lilian Neuer fest, dass der Wassermangel fatale Folgen für Mensch und Umwelt habe. Ganze Populationen von Fischen, Muscheln oder Amphibien stürben in trockenen Bächen und Seen aus. „Wasser muss wieder in der Fläche verbleiben und so unsere Grundwasserspeicher wieder auffüllen“, sagte sie.

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Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wies auf die Notwendigkeit des Schutzes der Grundwasserqualität hin. Der Bund müsse endlich die EU-Nitratrichtlinie vollumfänglich in nationales Recht umsetzen, um der Güllebelastung durch die Landwirtschaft Einhalt zu gebieten, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführer Martin Weyand: „Zudem sollte der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung klare Priorität gegenüber der landwirtschaftlichen Nutzung von Wasserressourcen eingeräumt werden.“

Nitratbericht der Bundesregierung

Das Grundwasser ist vor allem in landwirtschaftlichen Regionen weiterhin zu stark mit Nitrat belastet. Die Bundesregierung ist aber zuversichtlich, dass die kürzlich verschärften Regeln fürs Düngen das Problem in den kommenden Jahren lösen werden. An mehr als jeder vierten Grundwasser-Messstelle in Agrarregionen wird der EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter dem neuen Nitratbericht zufolge weiterhin überschritten. Die Analyse beinhaltet Daten aus den Jahren 2016 bis 2018.

Der Nitrat-Anteil sank im Vergleich zum vorigen Bericht aus dem Jahr 2016 nur leicht von 28,2 auf 26,7 Prozent. Vor allem an Messstellen mit starker Belastung gab es demnach aber Verbesserungen. Auf Druck der EU und nach langem Streit zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium hatte Deutschland das Düngerecht im Frühjahr verschärft. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte am Donnerstag, er sei zuversichtlich, dass man damit nun „auf Kurs“ sei und die Grenzwerte künftig einhalten werde.