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1 September 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Tour der France 2020

Der Kampf gegen die Müllberge

Peloton mit Maske: Die Fahrer der Tour de France am 1. September beim Etappenstart in Sisteron.

Bild: imago images / Panoramic International

Bild: imago images / Panoramic International

Weniger Zuschauer*innen heißt auch kleinere Müllberge bei der Tour de France 2020. Der Gigantismus wird in diesem Jahr auch notgedrungen zurückgefahren, was der Umwelt zugute kommt.

Mehrere Millionen Fans bleiben bei der Tour de France 2020 der Strecke fern, stattdessen freut sich das französische Fernsehen über steigende Einschaltquoten – mit dem positiven Nebeneffekt, dass deutlich kleinere Müllberge in den Tour-Städten zurückbleiben. Denn wenn der Tross mit seiner ganzen Entourage – in diesem Jahr sind es nur 3000 statt 5000 Personen – durch das Land rollt, leidet die Umwelt. Seit Jahren wird dagegen protestiert.

Rufe, die – unabhängig von Corona – auch Tourchef Christian Prudhomme vernommen hat. „Die Tour hat sich seit Jahren schon dem Umweltansatz verpflichtet. Es werden weniger Kunststoffprodukte verteilt und die Tour-Organisation fährt ausschließlich Hybridautos“, betont Prudhomme. Ob das reicht? Das Département Haute-Savoie hat in der Vergangenheit mal 43 Kubikmeter Müll auf 150 Kilometern entlang der Strecke eingesammelt. Die größte Müllproduzent*in ist dabei die Werbekarawane, die täglich als Vorauskommando der Tour die Strecke entlang fährt.

Auch auf enorm: Das sind die wahren Lebensmittelpreise

2019 wurden 15 Millionen Gegenstände ins Publikum geworfen. Viel nutzloses Zeug wie Kappen, Armbänder, Schlüsselanhänger bis hin zu Waschmittelproben. Wie sehr das noch alles zeitgemäß ist, wird bei den Veranstalter*innen nicht diskutiert. Schließlich gehört die „Caravane publicitaire“ bereits seit 1930 zum Inventar. In diesem Jahr sind aber nur noch 100 der sonst 160 Fahrzeuge – oftmals aus Kostengründen im Zuge der Corona-Einbußen – vertreten.

Tour de France 2020: neun Umweltbeauftragte dabei

Verpflichtend ist inzwischen, dass nur noch Lebensmittel in Plastik verpackt sein dürfen. Und auch sonst haben sich die Firmen inzwischen etwas einfallen lassen. Ein*e Wursthersteller*in hat etwa seine recycelbare Verpackung mit einem Rabattgutschein von einem Euro versehen, den Radsport-Fans im Supermarkt einlösen können. Der Druck, das Großereignis nachhaltiger zu gestalten, steigt.

Als der Tour-Start für das kommende Jahr kurzfristig von Kopenhagen in die Bretagne verlegt wurde, verzichtete Rennes auf die Gastgeberrolle. 700 000 Euro für eine verschmutzte Stadt seien nicht rentabel, hieß es aus dem Rathaus, in dem die Grünen stark vertreten sind. Das empfand der fünfmalige Toursieger Bernard Hinault als „lächerlich“. Die Bürgermeisterin verschmutze womöglich mehr als jede andere Person auf dem Fahrrad die Umwelt, sagte der Bretone. Am Ende erhielt nun Brest den Zuschlag für den Grand Départ.

Der Tour-Veranstalter*in hat in diesem Jahr neun Umweltbeauftragte mit dabei. Auch die Fahrer* müssen sich längst dem Umweltkonzept beugen. Entledigen sie sich während des Rennens außerhalb der 126 vorgesehenen Stellen ihres Mülls, werden 200 Franken Strafe fällig. Da hat Tony Martin kein Problem mit, würde sich aber auch freuen, wenn sich die Organisator*innen genauso engagiert dem Thema Streckensicherheit zuwenden würden.

Für Martin und Co. gibt es coronabedingt weitere Einschränkungen. Damit sie ihre sogenannte Blase nicht verlassen, gibt es in diesem Jahr keinen Transfer mit dem Flugzeug oder dem Schnellzug. Und auch für die Fans ist der Zugang zu den meisten Bergpässen nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erlaubt. So gesund war die Tour schon lange nicht mehr.

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