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20 November 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Ab dem Jahr 2022

Umweltministerium plant Pflicht zu Mehrweg-Verpackungen

Stärker auf Mehrweg-Verpackungen zu setzen ist wichtig, denn im Jahr 2018 haben die Deutschen fast 19 Millionen Tonnen Verpackungsmüll produziert, so viel wie nie zuvor.

Bild: imago images / ikon images

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Laut aktueller Zahlen produzieren die Deutschen mehr Verpackungsmüll als je zuvor. Bundesumweltministerin Svenja Schulze will nun mit schärferen gesetzlichen Regelungen gegensteuern. 

Wer Getränke oder Lebensmittel zum Mitnehmen in Einweg-Verpackungen verkauft, soll ab dem Jahr 2022 auch Mehrweg-Verpackungen im Angebot haben müssen. Eine Ausnahme sieht ein Gesetzentwurf von Bundesumweltministerin Svenja Schulze vor, wenn ein Geschäft nicht mehr als drei Mitarbeiter*innen hat und eine Verkaufsfläche bis 50 Quadratmeter – dann soll es reichen, auf Wunsch der Kund*innen die Produkte in mitgebrachte Mehrwegbehälter abzufüllen. Wer Essen nur auf Tellern oder etwa eingewickelt in Alufolie verkauft, ist auch ausgenommen. Den Gesetzentwurf gab das Ministerium der SPD-Politikerin am Donnerstag an die Fachverbände zur Stellungnahme.

Außerdem plant Schulze, künftig alle Einweg-Getränkeflaschen aus Plastik und Getränkedosen pfandpflichtig zu machen. Bisher gab es Ausnahmen, zum Beispiel für Saft. Ab 2025 sollen neue PET-Flaschen zu mindestens 25 Prozent aus recyceltem Material bestehen müssen, ab 2030 dann alle neuen Plastikflaschen zu 30 Prozent – das soll jeweils bis zu einer Flaschengröße von drei Litern gelten.

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Mehrweg-Verpackungen: 2018 produzierten Bundesbürger*innen 227,5 Kilo Verpackungsmüll pro Kopf

Die Novelle des Verpackungsgesetzes setzt Teile der Einwegkunststoff-Richtlinie sowie der Abfallrahmen-Richtlinie der EU um, teils geht sie auch darüber hinaus. An diesem Freitag will Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth die Pläne näher erklären.

„Es ist ein erster richtiger Schritt, Fast-Food-Ketten und Kaffeeverkaufsstellen zu verpflichten, wiederverwendbare Mehrweg-Becher und Essensboxen für to-go-Lebensmittel anzubieten“, kommentierte die Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Barbara Metz die geplante Regelung: „Aber er reicht nicht aus. Bereits heute bieten große Kaffeehäuser Mehrwegbecher an, allerdings oft als reine Alibilösungen, die kaum gefördert und gezielt klein gehalten werden. Damit die während der Corona-Krise nochmals gestiegenen to-go-Abfallmengen wirklich reduziert werden, braucht es eine verbindliche Mehrwegquote oder ein ambitioniertes Vermeidungsziel.“ Zudem müssten die negativen Umweltauswirkungen von Einwegbechern durch eine Abgabe im Preis spürbar werden. Einweg müsste spürbar teurer sein als Mehrweg.

Stärker auf Mehrweg-Verpackungen zu setzen ist wichtig, denn im Jahr 2018 haben die Deutschen fast 19 Millionen Tonnen Verpackungsmüll produziert, so viel wie nie zuvor. Verteilt auf alle Bundesbürger*innen macht das 227,5 Kilo pro Kopf, nochmal ein Kilo mehr als im Vorjahr, wie das Umweltbundesamt Ende Oktober vorrechnete. Private Verbraucher*innen hatten daran erneut einen Anteil von 47 Prozent, also knapp der Hälfte. Sie produzierten über 8,9 Millionen Tonnen Verpackungsmüll oder 107,7 Kilo pro Kopf.

Das Umweltbundesamt (UBA) kann noch nicht angeben, wie sich die Corona-Krise auf den Verpackungsverbrauch ausgewirkt hat – die Daten für 2018 sind die neuesten offiziellen. „Aufgrund der geschlossenen Geschäfte und Restaurants ist allerdings abzusehen, dass vor allem mehr Serviceverpackungen für Essen und Getränke verbraucht worden sind“, teilte die Behörde mit.

Eine Frage des Lebensstils

Woran liegt es? Neben dem Wirtschaftswachstum dürften vor allem die Konsumgewohnheiten der Bürger*innen zum Anstieg beitragen, aber auch ein Trend bei Hersteller*innen zu wiederverschließbaren Verpackungen, Dosierhilfen und generell aufwendigeren Verschlüssen. „Diese Funktionen können zwar dazu beitragen, Ressourcen durch zielgerichtetes Dosieren zu schonen oder Lebensmittelabfälle zu vermeiden“, räumte das UBA ein. „Zusätzliche Funktionen sind jedoch häufig mit einem zunehmenden Materialverbrauch verbunden.“ Dazu kämen Trends zu kleineren Portionen, zum Online-Einkauf und zu Essen und Trinken „to go“, also zum Mitnehmen – eine Frage des Lebensstils.

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Was passiert mit dem Verpackungsmüll? In Deutschland fällt zwar viel davon an, es wird davon aber auch viel recycelt – 2018 waren es rund 69 Prozent. Je nach Material sind die Unterschiede groß: Bei Stahl sind es 91,9 Prozent, bei Aluminium 90,1, bei Papier und Karton 87,7 Prozent und bei Glas 83 Prozent. Verpackungsmüll aus Kunststoff wurde dagegen nur zu 47,1 Prozent wiederverwertet, aus Holz sogar nur zu 25,3 Prozent. Aus dem sogenannten Plastikatlas 2019, den der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Heinrich-Böll-Stiftung vorgestellt haben, geht sogar hervor, dass nur rund 16 Prozent des angefallenen Plastikmülls für neue Produkte wiederverwendet werden.