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19 August 2021 / Lesezeit: 2 minuten

Initiative „Leipzig gießt”

Gießgruppen löschen den Durst der Bäume

Stadtbäume leiden seit Jahren unter den heißen und trockenen Sommern. Die Folgen sind Hitzeschäden und Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. Lokale Gruppen wie „Leipzig gießt” helfen bei der Bewässerung der Bäume.

Bild: IMAGO / epd

Bild: IMAGO / epd

Städte werden heißer, das macht ihren Bäumen gewaltig Stress. Gießgemeinschaften helfen ihnen, etwa in Leipzig.

Einige der vorbeilaufenden Passant:innen beobachten neugierig, wie Quentin Kügler seine Gießkanne um den kalkweißen Stamm eines schmächtigen Straßenbaumes schwenkt. Seit gut sechs Jahren steht die dünne Hopfenbuche nur wenige Meter von Küglers Wohnung im Leipziger Westen entfernt. Sie gehört zu den 57.000 Straßenbäumen in Leipzig. 2.000 fielen 2019 der Hitze und Trockenheit zum Opfer und mussten gefällt werden. Eine erschreckende Zahl, findet Kügler. Der Student möchte den übrigen Stadtbäumen dieses Schicksal ersparen und hat – gemeinsam mit anderen – 2020 die Initiative „Leipzig gießt“ ins Leben gerufen.

„Straßenbäume sind Multitalente“, sagt er. Sie filtern Staub aus der Luft, dämpfen den Lärm der Straßen und regulieren das Klima in der Stadt. Außerdem haben sie einen positiven Effekt auf die Psyche der Menschen in ihrer Umgebung.

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Stadtbäume im Trockenstress

Doch die trockenen und heißen Sommer haben ihnen schwer zugesetzt. In Leipzigs Park- und Grünanlagen mussten in den vergangenen beiden Jahren durchschnittlich mehr als doppelt so viele Bäume gefällt werden wie in den Jahren zuvor, so Markus Drappatz, Sachgebietsleiter für Stadtbäume vom Amt für Stadtgrün und Gewässer. Straßenbäume sind grundsätzlich zwar an extreme Bedingungen gewöhnt, doch auch sie können ihren Durst nicht mehr allein stillen. Trockenstress schwächt die Bäume und macht sie anfällig für Schädlinge und Krankheiten.

Die Hopfenbuche vor Quentin Küglers Haustür hat Glück, sie bekommt regelmäßig Wasser. Zwischen 80 und 100 Liter braucht ein Baum durchschnittlich pro Woche, also acht bis zehn Standardgießkannen voll. Das meiste ziehen sich die Bäume selbst aus dem Boden. Bisher wurden die Stadtbäume in Leipzig bis zum dritten Standjahr zwölfmal im Jahr zusätzlich mit je 100 Litern Wasser versorgt. Danach kamen sie allein zurecht, ihre Wurzeln waren kräftig genug.

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Initiative „Leipzig gießt” hilft der Stadt

Nun sollen Jungbäume bis zum zehnten Standjahr zwischen vier- und achtmal im Jahr gegossen werden. Ein ambitioniertes Ziel, doch das reicht immer noch nicht. Für ein gesundes und kräftiges Wachstum bräuchten die Stadtriesen mehr. Der Stadtverwaltung fehlen dafür aber die Kapazitäten: „Wir können uns nicht so kümmern, wie man sich kümmern müsste“, sagt Drappatz. Umso mehr freut er sich über bürgerschaftliches Engagement und schätzt den regen Austausch mit der Initiative „Leipzig gießt“.

Die startete als kleine Gießgruppe im Leipziger Westen. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Ecken wecken, dem BUND, der Stadt Leipzig und dem OK-Lab Leipzig entstand nach und nach eine App, die Interessierten das Gießen erleichtern soll. „Es hilft zu sehen, dass man nicht allein dasteht mit seiner Gießkanne“, so Drappatz.

Die Gießenden tragen ein, wie viel Wasser der Baum bekommen hat. Eine Karte auf dem Smartphone zeigt an, welcher Baum in der Nähe besonders durstig ist. Auch öffentliche Wasserquellen sind in der Karte verzeichnet. Außerdem gibt die App Tipps zum richtigen Gießen: möglichst viel Wasser auf einmal, nah am Stamm gießen und nicht in der prallen Mittagssonne.

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Quentin Kügler ist nicht der einzige Gießpate in seiner Straße. Ein paar Häuser weiter werde ebenfalls fleißig gegossen, sagt er und zeigt eine Grafik auf dem Bildschirm seines Smartphones: Überall sind viele kleine blaue Balken eingezeichnet. Der Durst der Bäume ist gelöscht.