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21 September 2022 / Lesezeit: 3 minuten

Beetle Banks, Balkon-Hotel, Rohboden-Habitat

So einfach entstehen wichtige Rückzugsorte für Insekten

Ein Kunstwerk? Vielleicht, vor allem aber ein tolles Habitat für kleine Gartenbewohner: die Kombination aus Trockenmauer, Totholz und Bienen- sowie Wespenhotel.

Foto: IMAGO / Norbert Neetz

Foto: IMAGO / Norbert Neetz

Nur blanker Boden, Steine auf einem Haufen oder verrottendes Holz – wer einen ordentlichen Garten liebt, empfindet solche Orte nicht als schön. Aber sie sind das beste Zuhause für kleinste Tiere. Auch auf dem Balkon lassen sich solche Ecken schaffen.

Gerade im Herbst ist es wichtig für den Erhalt unserer Biodiversiät, im Garten Wohnräume für Insekten zu schaffen, um ihnen Unterschlupf bei Regen, Wind, Frost und Schnee zu bieten. Auch Gärtner:innen profitieren davon: räuberische Insekten bekämpfen Schädlinge, Bienen bestäuben Blumen. Es reicht schon eine kleine Ecke, im allerletzten Winkel des Gartens außer Sichtweite vom Haus und dem üblichen Tun im Garten, in dem man den Tieren einen Platz überlässt.

Wie wärs damit hinter der Regentonne oder auf der Rückseite des Gewächshauses? Beim Brennholzlager oder am hinteren Rand der Hecke. Hier sind ein paar Gestaltungsideen dafür:

Die Käferbank

Die sogenannten „beetle banks“  sind Beet- oder Feldränder, die nicht bearbeitet werden. Denn dann fühlen sich dort vielerlei Insekten wohl, vermehren sich und überwintern dort. Ideal ist ein Erdwall von etwa 40 bis 70 Zentimeter Höhe. Der Damm schafft ein gutes Mikroklima, da sich der aufgestaute Boden schnell erwärmt und nach einem Regen auch schnell abtrocknet. Eine Nord-Süd-Ausrichtung ist vorteilhaft. So werden die Sonnenstrahlen am besten ausgenutzt. Idealerweise besteht eine Käferbank aus einem entsprechenden Grasstreifen, der von Blühstreifen flankiert wird.

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Das Modell im großen Maßstab wurde in Großbritannien bereits seit den frühen 1980er Jahren erprobt und etabliert, ist aber in Deutschland noch relativ neu. Wohl auch, weil Käferbänke zwar eine Kombination von konventioneller Landwirtschaft und Artenschutz ermöglichen, aber die Betriebe die Fläche eben nicht für klassischen Anbau nutzen können. Wie entsprechende Ertragsverluste ausgeglichen werden könnten – etwa über Fördergelder–, wird aktuell debattiert.

Mauer für kleine Gartenbewohner

Steinhaufen oder Trockenmauern finden viele Insekten und kleine heimische Reptilien super. Sie sind ein idealer Ort, um sich zu verstecken, etwa in den Ritzen oder dort direkt zu brüten wie die Große Wollbiene. Der richtige Ort im Garten, um Steinhaufen oder Trockenmauern anzulegen – letztere empfehlenswert und stabilisierend auch bei Hanglagen –, ist hell und warm. Es ist wichtig, die Bausteine locker zu schichten und kleine Terrassen zu bilden. Darauf können sich etwa Eidechsen sonnen. Man kann den Steinhaufen fixieren, indem man die Fugen mit Lehm oder Ton ausfüllt. Wie all das prima funktioniert, erklärt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hier.

Holzstapel und Benjeshecke

Totes Holz, etwa Reste von dem Gehölz- und Gartenschnitt oder dem Fällen eines Baums, sind ein beliebtes Baumaterial für Insekten-Wohnungen. Insbesondere Wildbienen tut man damit etwas Gutes. Aber nicht nur: Auch Amsel, Rotkehlchen und Zaunkönig brüten das Frühjahr und den Sommer über darin. Holzstücke, auch Wurzeln und Rindenreste werden einfach zwischen senkrechte Pfosten, die das ganze in Position halten, gelegt. Optimal gebaut ist das eine Totholz- oder Benjeshecke. Locker gestapelte Holz-Haufen gehen auch. Falls nicht genug Holz vorhanden ist: Ein einfacher Laub- und Reisighaufen bietet eine Alternative. Hier fühlen sich übrigens Igel am wohlsten. Und Komposthaufen sind ebenfalls ein Zuhause für viele Insekten.

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Offener Rohboden für Insekten

Manche Insekten wollen Zugang zum Boden, der nicht bewachsen ist. Etwa Wildbienen legen darin ihre Niströhren an, sie sind als keine Löcher erkennbar. Ein Rohboden-Habitat ist aber mehr als nur eine brache Fläche im Garten, die wir den Insekten überlassen. Es sollte eine feste Struktur haben. Dieser Bereich sollte frei von Vegetation gehalten werden, also auch frei von Wild- und Unkräutern.

Idealerweise liegt das Insekten-Habitat in der Nähe von Blumenbeeten, die Nahrung bieten. Lehm, Ton oder Löss sind besonders beliebt.

Das Insekten-Hotel

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Natürlich darf eines nicht vergessen werden: das Insektenhotel. Es ist übrigens auch für Balkongärtner:innen eine Option, etwas für Insekten zu tun. Das Insektenhotel ist eine Nist- und Überwinterungshilfe für eine Vielzahl an Insekten. Um nur ein paar zu nennen: Wildbienen und Hummeln, Schlupf-, Falten-, Grab- oder Wegwespen, Florfliegen und Ohrwürmer und so manche Käferart. Aber es ist durchaus Vorsicht geboten, wenn man ein Insektenhotel baut. Deshalb sollte man sich davor informieren und sich an die Bauanleitungen von Naturschutzbehörden wie dem NABU halten. Auch sehr wichtig: Ein Insektenhotel ist alleine kaum nützlich: Nur wenn auch Insektenpflanzen im Umfeld des Hotels wachsen, haben die Tiere darin genug Nahrung und verlängern ihren Aufenthalt. Idealerweise hängt oder steht es an einem sonnigen, wind- und regengeschützten Ort. Wichtig: Es sollte sich nicht im Wind bewegen.  (mit dpa)