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19 August 2021 / Lesezeit: 7 minuten

Stadtklima

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 25

Die Temperaturen in Großstädten wie Berlin, Leipzig oder Wien werden durch die Klimakrise im Sommer zunehmend heißer. Darunter leiden auch die Stadtbäume. Mehr Grünflächen in der Stadt können für besseres Klima sorgen und vor Überschwemmungen schützen.

Bild: IMAGO / Bernd Friedel

Bild: IMAGO / Bernd Friedel

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 25 von „Good News enorm“. Wie Städte besser mit der Klimakrise umgehen können, darüber sprechen Theresa und Bianca: Von Schwammstädten in Leipzig und Berlin, warum Wien auf vertikale Grünflächen setzt und wie man Gieß-Pat:in für Stadtbäume wird. 

Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge  sprechen unsere Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Theresa Lang, Redakteurin beim enorm Magazin, über  gemeinsamen Gemüseanbau auf gemieteten Feldern.

Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute sprechen wir darüber, wie Städte klimafit werden könnten. Aber erst einmal der gute Nachrichten-Überblick.

Geht es um Elektromobilität, ist Norwegen Europameister: Bereits 58 Prozent der neugekauften Autos sind elektrisch. Jetzt will die Regierung auch die Fahrzeuge im öffentlichen Sektor elektrifizieren. Ab 2022 soll fast jeder durch Behörden gekaufte Neuwagen elektrisch betrieben sein.

Bisher gibt es keinen Impfstoff gegen Malaria. Doch es besteht Hoffnung: Forschende aus den USA haben in einer Studie herausgefunden, dass die einmalige Gabe des Antikörpers CIS43LS Menschen bis zu neun Monaten vor der Infektionskrankheit schützen kann.

Indien verabschiedet sich schrittweise vom Einwegplastik: Ab Juli 2022 ist das Produzieren, Benutzen und Verkaufen von Strohhalmen und Plastikgeschirr verboten, Wegwerftüten folgen im September. Das Land gehört bei der Nutzung von Einwegplastik zu den weltweiten Spitzenreitern.

In vielen Sonnencremes befinden sich Chemikalien, die für Korallenriffe schädlich sind. Um die Umwelt besser zu schützen, hat Thailand Sonnenschutzmittel, die entsprechende Inhaltsstoffe enthalten, nun aus all seinen Marine-Nationalparks verbannt.

Eine Künstliche Intelligenz der Uni Cambridge soll in der Lage sein, Demenz anhand eines einzigen Gehirnscans schon Jahre vor der Entwicklung möglicher Symptome zu erkennen. Erste Tests waren vielversprechend, nun folgt eine klinische Studie.

Seit 2016 gibt es in Chile auf Produkten, die bestimmte Grenzwerte in Bezug auf Zucker, gesättigte Fette, Salz oder Kalorien überschreiten, Warnhinweise. Mit Erfolg: Laut einer Studie ist der Konsum entsprechender Produkte bereits 2017 deutlich gesunken.

Im Dawn Café in Tokio wird man von Robotern bedient. Das Besondere: Die Roboter werden von Zuhause aus von Menschen gesteuert, die aufgrund ihrer schweren körperlichen Behinderung nicht mobil vor Ort sein können. Ein Konzept, das neue Jobchancen eröffnet.

Bianca: Hallo, mein Name ist Bianca, ich bin Redakteurin bei Good News Deutsch und ich freue mich, dass wir heute einen Gast dabei haben. Theresa, die für das enorm Magazin geschrieben hat. Wir sprechen heute über Ideen und Maßnahmen, wie Städte klimafit gemacht werden können. Hallo Theresa!

Theresa: Hallo Bianca, schön, dass ich da sein darf heute.

Bianca: Sehr schön, dass du dir die Zeit nimmst. Du hast einen Artikel recherchiert über eine Schwammstadt. Was ist das genau?

Theresa: Ich habe mich für enorm mit dem Thema Schwammstadt auseinandergesetzt. Und zwar ist das ein Konzept, wie man in Großstädten mit Niederschlag umgehen kann. Also, vor allem in letzter Zeit gab es ja viele Nachrichten über Überschwemmungen, weil es so viel geregnet hat. Viel auf einmal auch – und im Vergleich dazu – die letzten Jahre hat man eher was von Dürre und Trockenheit in Großstädten gehört. Und die Schwammstadt als Konzept, ist eine Antwort auf beide Probleme. Und zwar kennst du das ja bestimmt von deinem Küchenschwamm: Wenn du den nass machst, dann kann der sehr viel Wasser speichern. Und wenn du dann drauf drückst, dann gibt der, je nachdem wie stark du drückst, wieder Wasser ab.

Dieses Konzept kann man auch auf Städte übertragen, und zwar versucht man da, den natürlichen Wasserkreislauf aus der Natur nachzuahmen. Also in der Natur versickert der Niederschlag ja dort, wo er auch fällt. Und in den Städten wird der aktuell noch über die Kanalisation abgeleitet und fehlt dann, wenn es nicht mehr regnet. Vor allem im Sommer. Und in der Schwammstadt versucht man z.B. durch Gründächer oder grüne Fassaden oder unterirdische Wasserspeicher das Wasser dort zu speichern, wo der Regen fällt und dann nach und nach wieder an die Umwelt abzugeben. Und indem das Wasser dann verdunstet, kühlt das das Stadtklima ab. Und auch Straßenbäume profitieren davon, wenn der Boden um sie herum mehr Wasser speichern kann. Und die Stadt spart sich Geld, weil die Bäume dann nicht mehr so sehr oder so oft bewässert werden müssen.

Bianca: Wo wird denn das jetzt schon so gemacht? Also gibt es das so genau.

Theresa: Also ursprünglich kommt das Konzept aus China. Dort wird seit 2015 versucht, Großstädte in Schwammstädte umzuwandeln, Stadtviertel für Stadtviertel, weil man da sehr große Probleme mit Überschwemmungen hatte. Und auch in Europa gibt es immer mehr Schwammstädte, z.B. in Leipzig gibt es eine Schwammstadt-Initiative, wo ein Neubaugebiet zur Schwammstadt umgebaut werden soll. Dann gibt’s in Berlin bestimmte Gebiete und Bezirke, die zur Schwammstadt werden – nach und nach. Und in Wien soll es auch oder gibt auch schon Bezirke, die Schwammstädte sind. Es gibt immer mehr Konzepte, immer mehr Städte, die dieses Konzept umsetzen möchten.

Bianca: Ja, du hast Wien erwähnt. Ich habe auch eine Nachricht aus Wien. Und zwar geht es um ein Startup bzw. ein Kompetenzzentrum für urbane grüne Infrastruktur, das heißt Green4Cities. Das wurde 2014 von Doris Schnepf gegründet und hat zum Ziel, dass Städte runter gekühlt werden und zwar mit Grünflächen, wie wir alle wissen. Die Erdatmosphäre erhitzt sich, es wird immer heißer und vor allem Städte werden dadurch immer heißer. Weil, wo keine Bäume sind und die Sonne auf Beton und Asphalt knallt, entstehen sogenannte Urban Heat Islands. Das sind so städtische Wärmeinseln. Dort sammelt sich dann die Hitze und es wird einfach besonders heiß in Städten. Forscher:innen der ETH Zürich z.B. haben ausgerechnet, dass es in Wien bis 2050 noch einmal bis zu acht Grad heißer werden kann als heute in der Durchschnittstemperatur. Das heißt, Wien wird dann höchstwahrscheinlich ein Klima haben, wie es zurzeit Athen hat.

Dieses Green4Cities versucht halt, die Städte oder in dem Zusammenhang vor allem Wien so umzugestalten und neu zu bauen, dass eben die Stadt Infrastruktur hat, die diese Hitze runter kühlt. Weil, was ist das Problem an dieser Hitze? Dort, wo es sehr, sehr heiß ist, in diesen städtischen Wärmeinseln wird mehr Energie verbraucht. Es gibt erhöhte Emissionen von Schadstoffen und Treibhausgasen. Die Wasserqualität leidet und das hat einfach Auswirkungen auf die Menschen, auf die Gesundheit. Und dieses Green4Cities will mit vertikalen Grünflächen die Stadt runter kühlen. Bei Neubauten, aber auch schon bei Gebäuden, die schon gebaut wurden. Und Doris Schnepf sagt, dass die gefühlte Temperatur so bis zu 15 Grad runter gekühlt werden könnte. Ja, und Green4Cities arbeitet an einem noch größeren Konzept im Moment, weil es soll nicht darum gehen, dass nur einzelne Bauten das machen, sondern tatsächlich ganze Straßenzüge so umgebaut werden, eben nach diesem Green4Cities Konzept. Und sie suchen zurzeit gerade Architektinnen und Architekten, die eine ganze Straße ummodeln würden, sodass sie dann ein Vorbild hätten für weitere Bauvorhaben. Wenn ich mir vorstelle, dass ich hier in Berlin aus dem Fenster schaue und auch auf Grünflächen gucken könnte, hätte das natürlich auch einen ästhetischen Aspekt. Ich fände es super.

Theresa: Ja, ich bin auch ganz begeistert. Ich hoffe, dass das vielleicht in meiner Straße hier auch umgesetzt werden könnte. Es ist ja auch so, dass Stadtgrün oder Stadtbäume einen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Anwohner:innen haben. Und zwar hat ein Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversität Ausforschung in Halle, Jena und Leipzig in einer Studie festgestellt, dass in Gebieten, in denen viele Stadtbäume stehen, weniger Medikamente gegen psychische Erkrankungen verschrieben werden müssen. Also hätte das vielleicht nicht nur einen Vorteil fürs Klima in der Stadt, sondern vielleicht auch für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen, die dort leben.

Bianca: Das ist jetzt nur meine ganz subjektive Wahrnehmung, aber ich hatte in der Wohnung, in der ich zuvor gewohnt habe, direkt auf eine ganz, ganz alte Sommerlinde gucken können, auch vom Balkon. Es war so schön und ich habe sie jeden Tag so gerne angesehen. Jetzt bin ich umgezogen, jetzt habe ich die nicht mehr. Aber ich kann mir total gut vorstellen, dass das so eine, ja, eine Auswirkung hat auf die Psyche. Unsere Linde vor unserem Haus, die haben wir regelmäßig gegossen. Aber ich bin da nicht die Expertin. Du hast doch Bäume gegossen, oder?

Theresa: Genau. Ich bin zwar auch keine Expertin, aber ich hab mich mit einem Experten getroffen, hier in Leipzig. Und zwar mit Quentin Kügler. Der hat im letzten Jahr eine Initiative gegründet, die heißt Leipzig gießt. Eine ähnliche Initiative gibt’s auch in Berlin. Die sind auch untereinander sehr gut vernetzt, was ich so erfahren habe. Und der hat festgestellt, dass in Leipzig immer mehr Bäume der Trockenheit und den Dürresommern der letzten Jahre zum Opfer gefallen sind. Und zwar waren das allein im Jahr 2019 zweitausend Bäume, die wegen der Trockenheit gefällt werden mussten, die sonst nicht gefällt hätten werden müssen. Er hat mir erklärt, dass die Bäume nicht vertrocknen, so wie man sich das vorstellt – oder nicht nur –, sondern es gibt auch sowas wie Trockenstress. Also, wenn die nicht ausreichend Wasser bekommen, dann überleben die zwar kurzfristig, aber sind geschwächt und deswegen anfälliger für Schädlinge oder Erkrankungen, an denen sie dann letztendlich sterben.

Die Zahl hat ihn motiviert selber aktiv zu werden und dann hat er erst in seinem Viertel im Leipziger Westen mit Freund:innen eine Gruppe gegründet. Da haben sie Plakate im örtlichen Biomarkt aufgehängt, aber dann auch schnell festgestellt, dass das nicht reicht und dass man mehr machen müsste und mehr Leute motivieren müsste, das zu tun. Und mittlerweile gibt’s auch eine App, über die man nachschauen kann, welcher Baum in seiner Umgebung Wasser braucht. Das wird einerseits danach bemessen, wie viel es in dem Gebiet geregnet hat in den letzten Tagen, aber auch die Gieß-Pat:innen von Leipzig gießt können in die App eintragen, wie viel Wasser die Bäume bekommen haben und dann zeigt die Farbe an, ob der Baum noch Durst hat oder ob er schon genug Wasser bekommen hat. Und so will Leipzig gießt, es möglichst vielen Bürger:innen hier in Leipzig erleichtern, was für die Stadt Bäume zu tun.

Bianca: Ja, voll gut. Also du sagst, das gibt’s auch in Berlin. Ich könnte mir diese App runterladen für Berlin.

Theresa: Genau.

Bianca: Ja, okay, sehr schön. Ich weiß gar nicht, wie viel Wasser man da so gibt. Also, wenn ich jetzt an diese alte Linde denke, die wirklich eine stattliche Höhe hat und einen ordentlichen Umfang, ich habe keine Ahnung, wie oft, wie viele Gießkannen voll muss ich dann einem Baum geben?

Theresa: Also, ich habe von Quentin Kügler gelernt, dass ein Baum im Schnitt 80 bis 100 Liter Wasser pro Woche braucht. Das sind umgerechnet so acht bis zehn normale Gießkannen voll. Und ein paar Tipps, wie man das Wasser dem Baum am besten gibt, hat er mir auch noch mitgegeben. Und zwar ist es am besten, wenn man das Wasser alles auf einmal gibt. Also, wenn man nicht jeden Tag ein bisschen gießt, sondern eine große Menge auf einen Gießdurchgang gibt. Und damit möglichst wenig Wasser verdunstet, sollte man möglichst nah am Stamm gießen. Und natürlich wäre es am allerbesten, wenn man nicht das Wasser aus der Leitung benutzt, sondern Regenwasser aus der Regentonne.

Bianca: Ich glaube, ich werde mir das mal angucken, diese App und mal gucken bei uns im Kiez, welcher Baum Wasser braucht.

Theresa: Ja, ich hab das auch schon gemacht. Bei mir in der Straße sind aber vor allem sehr alte Bäume und die kommen meistens ganz gut selber zurecht. Also, das war vielleicht auch noch ein Tipp, der ganz hilfreich ist, dass vor allem jüngere Bäume mit einem dünnen Stamm drauf angewiesen sind, dass man ihnen ein bisschen unter die Arme greift mit einem Schluck Wasser.

Bianca: Vielen Dank, Theresa.

Theresa: Danke dir!

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