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17 October 2016 / Lesezeit: 2 minuten

Korallenbleiche

Noch lebt das Great Barrier Reef

Die Farbenpracht des Great Barrier Reef ist in vielen Teilen der Klimakrise zum Opfer gefallen

Titelbild: XL Catlin Seaview Survey/Underwater Earth

Im Okober 2016 machte die Nachricht Schlagzeilen, das Great Barrier Reef sei tot. Die Situation ist schwierig – aber noch nicht aussichtslos

„Das Great Barrier Reef ist nach langer Krankheit im Jahr 2016 gestorben. Es wurde 25 Millionen Jahre alt.“ So beginnt der Umwelt- und Ernährungsjournalist Rowan Jacobsen seinen Nachruf auf das größte Korallenriff der Welt. In seinem Text zeichnet Jacobsen knapp aber dennoch umfassend die Geschichte und Bedeutung des Riffs nach – bis zu seinem Tod im Jahr 2016.

Die Nachricht sorgte weltweit für Schlagzeilen und wurde oft als Fakt übernommen. Dass dem nicht so ist, stellte am Wochenende Steve Reichelt, Leiter des Great Barrier Marine Parks, klar. Entsprechende Berichte seien unverantwortlich und fatalistisch.

Hintergrund der Diskussion ist eine massive Korallenbleiche, die nicht nur das Great Barrier Reef betrifft. Steigende Wassertemperaturen infolge des Klimawandels befeuern die Sauerstoffproduktion von Algen, die auf und mit den Korallen in einer Symbiose leben. Irgendwann wird die Sauerstoffkonzentration aber zu groß, sodass die Korallen die Algen abstoßen, wodurch sie verkalken, ihre Farbe verlieren und in eine Art Schockzustand fallen.

Das halten die Hohltiere zwar einige Zeit aus und können sich – sollten die Temperaturen wieder fallen – erholen. Dieses Jahr sorgte ein besonders starker El Ni­ño allerdings für eine bisher nie gekannte Korallenbleiche im Great Barrier Reef. Das gibt auch Steve Reichelt zu. Allein in diesem Jahr seien 22 Prozent der Korallen gestorben, in den drei Jahren zuvor sei deren Zahl aber auch um 19 Prozent gestiegen. Ein Nullsummenspiel also?

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Daten der James-Cook-Universität aus dem Frühjahr zeichnen ein differenzierteres Bild. In den südlichen Bereichen des Riffs halte sich das Korallensterben tatsächlich im Rahmen. Dafür sieht die Lage im Norden umso dramatischer aus. Dort seien bis zu 80 Prozent der Korallen bereits bleich, jede siebte tot. In den nächsten Monaten sollen weitere Messungen zeigen, wie gut sich das Riff von der Bleiche erholt.

Für Jacobsen ist es dafür schon zu spät. Er merkt zwar an, dass es generell fraglich ist, ob menschliche Anstrengungen das Riff überhaupt hätten retten können. Für ihn steht aber fest: Solche Versuche wurden erst gar nicht unternommen. Auch dem widerspricht Naturpark-Chef Reichelt. Die australische Regierung stelle beispielsweise in den nächsten zehn Jahren umgerechnet fast 1,4 Milliarden Euro zum Schutz des Great Barrier Reef zur Verfügung. Viel Geld für einen Toten. Auf dem karibischen Inselparadies Bonaire ist vor Kurzem auch ein ganz besondere Projekt gestartet: Korallen aus dem 3D-Drucker sollen Lebensräume für Meeresbewohner schaffen und sie so vor dem Aussterben bewahren.

Für einen abschließenden Nachruf ist es also sicherlich noch zu früh. Bleibt die Situation aber weiter so kritisch wie bisher, liegt das Riff wohl in seinen letzten Zuckungen. Dieses Video zeigt, was für ein unvergleichlicher Verlust das wäre. Das Great Barrier Reef ist nicht nur das größte Lebewesen der Welt und als einziges vom Weltall aus zu sehen; mit seiner einzigartigen Schönheit könnte es auch zum Sündenfall des Klimawandels werden: Stirbt es, ist alles zu spät. Und soweit ist es – noch – nicht.