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11 Dezember 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Höheres EU-Klimaschutzziel

Ausstoß von Treibhausgasen soll noch stärker sinken

Rekordrückgang der CO2-Emissionen: Während der Pandemie sank in der EU der Ausstoß von Treibhausgasen kurzzeitig um 11 Prozent im Vergleich zu 2019.

imago images / Eckhard Stengel

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Eine aktuelle Studie zeigt, dass der CO2-Ausstoß nach einem deutlichen Rückgang im Frühjahr wieder steigt. Doch die Forscher*innen machen Hoffnung: Eine klimafreundliche Politik bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum sei offenbar möglich. Passend dazu verkünden die EU-Länder, dass sie noch entschiedener handeln wollen.

Vor allem wegen der Corona-Pandemie ist der weitweite Ausstoß von Kohlendioxid aus Verbrennung von Kohle, Öl und Gas 2020 um sieben Prozent im Vergleich zu 2019 zurückgegangen. Die Menge sank um 2,4 Milliarden Tonnen auf jetzt 34 Milliarden Tonnen CO2. Das geht aus einer Bilanz des Global Carbon Projects hervor, die im Journal „Earth Systems Science Data“ erschienen ist.

In der EU ist der Ausstoß 2020 um 11 Prozent gesunken

In den USA (minus 12 Prozent) und in der EU (minus 11 Prozent) war der Rückgang der CO2-Emissionen besonders groß. „Hier trafen verringerte Emissionen aus der Kohlenutzung und die Auswirkungen der pandemiebedingten Beschränkungen zusammen“, sagte Julia Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München, eine der Autor*innen der Studie, laut einer Mitteilung ihrer Universität. Bereits zuvor sei der Ausstoß langsamer als in den Vorjahren gewachsen, mit der Corona-Pandemie seien die Emissionen nun deutlich gesunken. „Ob dies einen Trend einläutet, hängt allerdings stark davon ab, wie sich die Maßnahmen in den Covid-19-Stimuluspaketen weltweit ausgestalten“, betont Pongratz.

Ob der Rückgang der Emissionen sich in der Zukunft fortsetzt, sei derzeit noch nicht abzuschätzen, warnt das Team unter Leitung von Pierre Friedlingstein von der University of Exeter in Großbritannien. Nach dem Rückgang der Emissionen wegen der globalen Finanzkrise, seien die Emissionen 2010 sprungartig um fünf Prozent angestiegen, als sich die Wirtschaft erholte. Es bestehe die Befürchtung, dass auch 2021 ein sprunghafter Anstieg der CO2-Emissionen geschehe.

Im Oktober 2020 sei bereits schon wieder eine Annäherung an das Niveau von 2019 zu beobachten gewesen. Es müssten jedoch bis 2030 jedes Jahr ein bis zwei Milliarden Tonnen CO2 weltweit eingespart werden, um die Pariser Klimazielvorgaben nicht zu überschreiten. „Dabei können wir von Glück reden, dass mehr als die Hälfte der menschengemachten CO2-Emissionen vom Ozean und von der Landvegetation aufgenommen werden“, hob Pongratz bei einer Online-Pressekonferenz hervor.

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Wichtig für das Klimaschutzziel: Die Langlebigkeit der Treibhausgase in der Atmosphäre

Der Rückgang 2020 war – rein von den eingesparten Tonnen her gesehen – erheblich größer als frühere Einschnitte etwa von 0,5 Milliarden Tonnen 2009 oder 0,9 Milliarden Tonnen am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945. Auch wenn 2020 weniger CO2 ausgestoßen wurde als 2019, stieg der Gehalt des langlebigen Treibhausgases in der Atmosphäre weiter: Im Jahresmittel wird er voraussichtlich den neuen Rekordwert von 412 ppm (parts per million) erreichen. Die Wissenschaftler*innen betonen, dass trotz des Rekordrückgangs des CO2-Ausstoßes die verbleibenden Emissionen weiterhin zu einem Anstieg des CO2 in der Lufthülle der Erde führen. „Der atmosphärische CO2-Gehalt und damit das Weltklima werden sich nur stabilisieren, wenn die globalen CO2-Emissionen nahe null sind“, unterstreicht der leitende Forscher Friedlingstein.

Den größten Anteil am Rückgang hatte der Landverkehr, aus dem 21 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen stammen. Auf dem Höhepunkt der Lockdown-Maßnahmen im Frühjahr war der Ausstoß auf diesem Sektor um 50 Prozent gesunken. Im Vergleich dazu fielen die Emissionen in der Industrie mit 30 Prozent und der Stromerzeugung mit 15 Prozent geringer aus. Lediglich im Luftverkehr war der Rückgang mit 75 Prozent noch höher als beim Landverkehr. Allerdings war die Wirkung geringer, da die Emissionen nur 2,8 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes ausmachen.

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Ermutigend finden die Forscher*innen den Nachweis, dass eine klimafreundliche Politik bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum möglich ist. In den Jahren 2010 bis 2019 gingen die fossilen CO2-Emissionen bereits in 24 Staaten mit wachsenden Volkswirtschaften deutlich zurück, darunter in Deutschland, 14 weiteren EU-Staaten, Großbritannien, den USA und Japan.

Neues Klimaschutzziel: 55 Prozent weniger Emissionen bis 2030

Nach gut 21 Stunden ist der EU-Gipfel heute früh in Brüssel zu Ende gegangen. Gerungen hatten die EU-Staaten vor allem um ein verschärftes Klimaziel für 2030. Der Beschluss gelang erst nach langen Beratungen die ganze Nacht hindurch. Demnach soll der Ausstoß von Treibhausgasen um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 sinken – bisher gilt ein Ziel von 40 Prozent.

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Doch die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert das beim EU-Gipfel in Brüssel vereinbarte neue Klimaschutzziel als unzureichend. „Die Regierungen werden die Einigung zweifellos als historisch bezeichnen, aber die Beweise zeigen, dass sie nur eine kleine Verbesserung darstellt“, kommentierte Greenpeace-Klimaexperte Sebastian Mang heute Vormittag. Das neue Klimaschutzziel werde es Öl- und Gasunternehmen ermöglichen zu überleben. Die meisten Politiker*innen hätten noch immer Angst, sich die großen Umweltverschmutzer vorzunehmen.

Konkret kritisiert Greenpeace, dass Staaten beim Gipfel darauf bestanden hätten, dass die Stromerzeugung zum Beispiel mit Gas als sogenannte Übergangstechnologie anerkannt wird. Dies würde dazu führen, dass es für die Stromerzeugung mit Gas Fördermittel geben könne, und das wäre katastrophal für das Klima, hieß es.

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Unterdessen lobt Bundesumweltministerin Svenja Schulze die Einigung der EU-Staaten. „Das ist eine sehr gute und wichtige Einigung, für die wir in der Bundesregierung in den vergangenen Monaten hart gearbeitet haben“, erklärte die SPD-Politikerin. „Europa begibt sich damit auf einen glaubwürdigen Pfad hin zur Treibhausgasneutralität 2050.“ Die EU stelle unter Beweis, dass sie das UN-Klimaabkommen ernst nehme, und gehöre jetzt international wieder zu den Vorreitern.