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17 May 2019 / Lesezeit: 3 minuten

perspektiven

Einfach. Jetzt. Machen.

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Expert*innen sind sich einig: Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, um unser Klima zu stabilisieren. Jeder ist in der Verantwortung, seinen CO2-Fußabdruck zu minimieren

Titelbild: Priscilla Du Preez via unsplash.com

Die Initiative „Einfach. Jetzt. Machen.“ fordert Organisationen und Unternehmen dazu auf, sich selbst zu klimaschonendem Verhalten zu verpflichten. Stephen Wehner, Vorstand des Bergwaldprojekt e.V. sowie Initiator der Initiative, hat uns im Interview erklärt, warum Selbstverpflichtung in Sachen Klimaschutz so wichtig ist – und was uns häufig daran hindert

Herr Wehner, die Initiative „Einfach. Jetzt. Machen.“ wurde im Dezember 2017 vom Bergwaldprojekt e.V. gestartet. Was steckt dahinter? 

Das Bergwaldprojekt setzt sich besonders für Schutz, Erhalt und Pflege des Waldes ein, insbesondere des Bergwaldes und der Kulturlandschaften. Außerdem fördert der Verein das Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur, die Belange des Waldes und die Abhängigkeit des Menschen von diesen Lebensgrundlagen

Stephen Wehner: Auf der UN-Klima­konferenz 2015 in Paris haben sich 195 Länder dazu verpflichtet, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Von diesem Ziel sind wir jedoch noch weit entfernt. Deutschland hat seine 2007 beschlossenen Ziele zur Minderung von Treibhausgasen bis 2020 sogar wieder aufgegeben. Dabei wäre das noch der einfachste Teil des für den Klimaschutz unverzichtbaren Transformationsprozesses gewesen. Mit der Initiative haben wir eine Plattform geschaffen, die allen gesellschaftlichen Akteuren – von NGOs, Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und Bildungseinrichtungen über Verwaltungen und Unternehmen – ermöglicht, ihr Engagement im Klimaschutz zu demonstrieren und damit andere zum Mit- und Nachmachen zu motivieren.

Die Beteiligung ist bisher überschaubar. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Haben Sie zu wenig auf die Initiative aufmerksam gemacht?

Zum Auftakt Ende 2017 hatten wir die Initiative als Vierseiter in der taz vorgestellt. Wir haben auch direkt zum Mitmachen geworben, etwa über persönliche Einladungen an NGOs, Universitäten und engagierte Unternehmen oder in einschlägigen Netzwerken wie der Klima-Allianz Deutschland, dem Forum Umwelt & Entwicklung oder Unternehmensgruppen und Verbänden wie UnternehmensGrün oder B.A.U.M. Jeder Multiplikator ist willkommen. Die Registrierung ist mühelos: Auf der Seite einfach-jetzt-machen.de können sich Organisationen eintragen und ihr Logo hochladen. Nichtsdestotrotz ist die Zurückhaltung in der Tat noch groß. Einigen Organisationen geht unsere Selbstverpflichtung nicht weit genug, anderen war sie zu ambitioniert. Wir stehen aber erst am Anfang. Ich bin sicher, dass noch viele mitmachen werden.

Was macht Sie da so sicher?

Am Klimaschutz führt einfach kein Weg vorbei. Bestenfalls wird die Politik den Prozess positiv begleiten, die notwendigen Verhaltensänderungen müssen aber vor allem aus der Gesellschaft selbst kommen. Es ist dabei viel entscheidender, weniger Klimagase auszustoßen als Emissionen zu kompensieren. Und der technische Weg allein wird trotz der aktuellen Euphorie in der Automobilindustrie keine Lösung sein. Es ist notwendig, dass respektable Akteure neue Normen etablieren. Zusammenarbeit ist hierbei wirkungsvoller als Wettbewerb.

Was heißt das konkret?

Zum Beispiel sollte sich endlich durch­setzen, dass MitarbeiterInnen und Führungskräfte erfolgreicher Organisationen in Deutschland keine Dienstreisen mit dem Flugzeug mehr unternehmen. Nicht, weil sie darauf verzichten, sondern weil sie es nicht nötig haben.

Sehen das die Vielflieger mit vollen Terminkalendern und Pflichtterminen in ganz Deutschland auch so?


Es ist ein Mythos, dass wir das Flugzeug als Verkehrsmittel nutzen müssen, um alle wichtigen Termine wahrnehmen zu können. In meiner früheren Tätigkeit in der Finanz
industrie bin ich dem Tross selbst ein paar Jahre gefolgt. Die Alternativen wie Videokonferenzen und Termindelegation kennen längst alle, und viele nutzen sie auch. Kaum jemand würde wohl an einem Meeting teilnehmen, wenn er oder sie dazu einen 40 Kilometer langen Fußmarsch auf sich nehmen müsste.

Dann geht es Ihrer Meinung nach also oft nur um Bequemlichkeiten?

Ganz und gar nicht. Es geht immer um die Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Bei allem, was wir tun. Sinnkonstruktion ist eine sehr mächtige Motivation. Aber auch für den größten Unsinn lassen sich jederzeit gute Gründe finden.

Zu den drei Kernpunkten der Selbstverpflichtung gehören neben dem Verzicht auf innerdeutsche Flüge auch, kein Fleisch aus Massentierhaltung mehr zu essen und auf regenerativen Strom umzusteigen. Warum gerade diese drei Punkte?


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Weil dies ziemlich einfach und rasch zu machen ist, und man damit trotzdem einen großen Beitrag zur Vermeidung von CO2-Emissionen leistet. Prof. Hans Joachim Schellnhuber oder Greta Thunberg empfehlen für den Einstieg ja dasselbe.

Das klingt jetzt aber doch ziemlich nach Verzicht. Wen wollen Sie damit begeistern?

Alle, die einfach damit aufhören können, sich die Geschichte vom Verzichten zu erzählen.

Haben Sie eine bessere Geschichte?

Ja, aber wir als Naturschutzorganisation haben darauf natürlich eine andere Sichtweise. Diese Geschichten können uns vielleicht in Ihrer nächsten Ausgabe diejenigen erzählen, die das einfach jetzt machen.

Wir sind gespannt.