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4 September 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Naturnaher Garten

Diese Rasen-Alternativen sind ökologisch sinnvoll

„Viele denken ja, Moos schade dem Rasen, es ist aber genau andersherum: Das Moos wächst, weil dort sonst nichts wächst“, sagt die Biologin Ulrike Aufderheide .

Bild: imago images / Imaginechina-Tuchong

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Rasenflächen sind pflegeintensiv und verbrauchen viel Wasser. Gartenbesitzer*innen sollten daher vom reinen Grasgrün absehen. Diese Pflanzen schonen Ressourcen, sehen genauso gut aus und kommen mit Trockenheit deutlich besser zurecht.

Eine grüne Fläche, sorgsam gehegt und gepflegt, darf in vielen Gärten nicht fehlen. „Viele Rasenbesitzer*innen genießen das den Augen wohltuende Grün in ihrem Garten. Gleichzeitig ist der Rasen für sie auch das erweiterte Wohnzimmer, das für viele Aktivitäten aber auch nur zur Erholung genutzt werden kann“, sagt Harald Nonn, Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft.

Doch wer einen Rasen hat, muss auch einiges dafür tun, damit er schön bleibt. Mähen, Düngen, Wässern nennt Nonn den „Dreikampf“ im Garten – und der ist vielerorts zunehmend zur Herausforderung geworden. „In unseren Breiten ist die ausreichende Wasserversorgung von Rasenflächen – dies gilt aber generell für alle Grünflächen – aufgrund der klimatischen Veränderungen zunehmend schwieriger geworden.“
Auch auf enorm: Je schlampiger der Garten, desto besser für Insekten

Kräutergrün statt Grasgrün

Auf eine grüne Fläche müssen Gartenbesitzer*innen aber nicht verzichten – aber sie sollten vom reinen Grasgrün absehen. In den Hitzesommern der vergangenen Jahre haben einjährige Hirse, Horn-Sauerklee, Schafgarbe und andere Pflanzen, die mit Trockenheit wesentlich besser zurechtkommen, die Rasenflächen übernommen, berichtet Sven Görlitz, Gartenberater beim Verband Wohneigentum.

Will man der Natur nicht ihren Lauf lassen, kann man die Flächen auch bewusst mit anderen Pflanzen gestalten. Je nach Standort und Verwendung bieten sich Blumenwiesen, Kräuter-, Blumen-, Duft- oder Schotterrasen an. Sicherlich: „Die Optik ist vielleicht für den Rasenliebhaber*innen gewöhnungsbedürftig, die Blüten der Kräuter bieten jedoch vielen Insekten eine Nahrungsquelle und Lebensraum“, sagt Rasenexperte Nonn. Er plädiert für ein Nebeneinander solch unterschiedlich gestalteter Flächen.

Blumenwiesen nur zweimal pro Jahr schneiden

Die wohl größte Umstellung für Rasenbesitzer*innen ist eine Blumenwiese – allein schon, weil sie nur zweimal im Jahr gemäht werden sollte. Ökologisch zwar wertvoll, ist sie aus Sicht von Görlitz aber nur bedingt für den Hausgarten geeignet: „Blumenwiesen erhalten sich durch Selbstaussaat und man benötigt daher viel Platz. Außerdem sind die Flächen eigentlich nicht mehr nutzbar.“

Alternativ bietet sich eine Mischung aus Rasen und eher niedrig wachsenden, trittfesten Blumen und Kräutern an. Je nach Angebot enthalten solche Mischungen für Kräuter- oder Blumenrasen verschiedene Gräser und schnittverträgliche, blühende Pflanzen wie Gänseblümchen, Schafgarbe, Thymian, Wegerich, Günsel und Salbei.

Sie eignen sich nicht nur für den eigentlichen Garten hinter dem Haus, sondern auch für kleine Grünflächen davor. „Kräuter- oder Blumenrasen sind ökologisch wertvoll und sehr pflegeleicht. Dünger, Wässern und Vertikutieren sind nicht notwendig“, so Görlitz.

Bestehenden Rasen durch Abmagerungskur umstellen

Eine Umstellung auf Kräuter- oder Blumenrasen kann Schritt für Schritt erfolgen. Für Görlitz ist sie aber nur die zweitbeste Wahl nach einer Neuanlage. Und: „Die Samen einfach in bestehende Rasenflächen säen, wird nicht funktionieren.“ Stattdessen empfiehlt der Gartenexperte, den bestehenden Rasen abzumagern, weniger zu mähen und kahle Stellen mit den neuen Pflanzen einzusäen.

Je nach gewünschter Wuchshöhe kann die Fläche alle zwei bis drei Wochen gemäht werden. Ein Tipp von Görlitz: nur einen Teil des Rasens mähen und einige Bereiche höher wachsen lassen, damit mehr Pflanzenarten zum Zuge kommen. Diese Bereiche empfiehlt er, mit der Sense oder Sichel zu mähen. „Normale Rasenmäher häckseln vorhandene Insekten durch.“ Der Schnitt sollte auch nicht auf der Fläche verbleiben. „Je magerer die Fläche, desto artenreicher wird sie“, so Görlitz.

Rasen-Alternativen: Grün für den Stellplatz

Einen Blumenschotterrasen empfiehlt die Biologin und Buchautorin Ulrike Aufderheide für Wege, Plätze und Stellflächen für Autos. Sie werden entsprechend der notwendige Tragfähigkeit mit Schotter befestigt und anschließend mit heimischen Wildpflanzen und -gräsern eingesät, die magere, trockene und heiße Standorte lieben.

Duftende Kräuter wie Thymian und Oregano können dort ebenfalls gedeihen. Aber: „Duftrasen eignen sich besonders für Flächen, wo ich mich länger aufhalte, also zum Beispiel für den Sonnenliegeplatz – Provence-Feeling garantiert“, findet Aufderheide.

Das Begrünen einer sonst versiegelten Fläche hat mehrere Vorteile. „Die Flächen werden im Sommer nicht so heiß, weil die Pflanzen Wasser verdunsten und dadurch die Luft abgekühlt wird. Außerdem fließt der Regen nicht so schnell ab und kann auf der Fläche versickern“, erläutert die Gartenplanerin.

Rasen-Alternativen: Schönes Fußgefühl auf Moos

Mit der Natur und nicht gegen sie arbeiten: Dieses Prinzip ist ihrer Ansicht nach der Schlüssel für den Rasen in einem naturnahen Garten – auch, weil es viel Arbeit spart. Ein Moosrasen ist daher eine Lösung für tiefschattige Stellen, an denen Rasen grundsätzlich keine Chance hat. „Viele denken ja, Moos schade dem Rasen, es ist aber genau andersherum: Das Moos wächst, weil dort sonst nichts wächst“, so Aufderheide.

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Ganz neu ist die Idee, das konkurrenzschwache Grün ganz bewusst im Garten anzusiedeln, nicht. „Moosgärten gibt es schon lange in Japan. Im Rahmen der naturnahen Gartengestaltung entdecken wir jetzt auch bei uns, wie schön es ist, hin- und wieder über einen Moosteppich zu gehen und wie interessant die Moose sind, wenn wir sie aus der Nähe betrachten“, sagt Aufderheide.