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5 Oktober 2020 / Lesezeit: 3 minuten

„Fat Bear Week” in Alaska

„Sie ist fett, sie ist fabelhaft“

Dieses runde und gesunde Exemplar eines Braunbären im Brooks River des Katmai-Nationalparks hätte sicherlich gute Chancen auf den diesjährigen „Fat Bear“-Titel. Der Schönheitswettebwerb für Bären mit Winterspeck soll über die Bedrohungen des Klimawandels aufklären.

Bild: imago images / agefotostock

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Bei Schönheitswettbewerben kommt es oft auch auf eine schlanke Figur an. Bei den „Fat Bear“-Wahlen in Alaska zählt genau das Gegenteil: Welcher Braunbär ist am fettesten? Der lustige Wettstreit hat einen ernsten Hintergrund.

Wer holt diesmal den „Fat Bear“-Titel? Vor einem Jahr wurde Holly zur fettesten Braunbärin im Katmai-Nationalpark in Alaska gekürt. „Sie ist fett, sie ist fabelhaft“, gratulierten damals die Ranger dem stattlichen Pelztier. Auch jetzt ist die „Königin der Körperfülle“ neben elf weiteren Kandidat*innen wieder ins Rennen gegangen. Zum sechsten Mal veranstaltet der Park im Südwesten von Alaska die „Fat Bear Week“. Online können Besucher*innen und Bären-Fans eine Woche lang für die dicksten Prachtexemplare stimmen. Der Gewinner wird am 6. Oktober gekürt.

Die Braunbären im Katmai-Nationalpark legen bis zum Herbst ordentlich Winterspeck an. Am 6. Oktober wird während der „Fat Bear Week“ in Alaska der dickste Bär im Park gekürt.

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„Sehr fett mit einem tiefhängenden Bauch“

Die Namen verraten es schon: „Chunk“ (zu deutsch „Klotz“) bringt gute 500 Kilo auf die Waage. Kandidat „747“, auch als Jumbo Jet bekannt, wurde vor einem Jahr auf rekordverdächtige 630 Kilo geschätzt. Auch in diesem Jahr sei er „sehr fett mit einem tiefhängenden Bauch“, heißt es in der Beschreibung. „Natürlich fangen wir die Bären nicht ein und stellen sie auf eine Waage“, erzählt Rangerin Amber Kraft der Deutschen Presse-Agentur. „Dies ist kein wissenschaftlicher Vergleich, sondern ein reiner Beliebtheitswettbewerb“.

Über 140 000 Stimmen wurden gleich zum Auftakt der „Fat Bear“-Woche abgegeben. Auch mit Kommentaren halten die Bärenfans nicht zurück. „Er hat einen massiven Kopf und so eine riesige Schnauze, die ich einfach liebe“, schwärmte eine Betrachterin über „747“.

Ein weltweites Publikum klickt sich durch Vorher-Nachher-Fotos der Kandidaten. Im Frühjahr, nach dem Winterschlaf, sind die Bären noch mager, bis zum Herbst haben sie deutlich angespeckt. „Während des Winterschlafs können sie bis zu 40 Prozent ihrer Körperfülle verlieren, deshalb müssen sie vor dem nächsten Winter Fettreserven anfressen“, erklärt Rangerin Kraft.

Im Frühjahr, nach dem Winterschlaf, sind die Bären noch mager. Bis zum Herbst müssen sie dann deutlich zunehmen, denn sie verlieren während des Winters 40% ihrer Fettreserven.

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„Fat-Bear Week“ in Alaska: Beliebtheitswettbewerb für den Tierschutz

Der lustige „Fat Bear“-Wettstreit ist zugleich eine Aufklärungskampagne über das Ökosystem und den Lebensraum der rund 2200 Braunbären im Katmai-Nationalpark im nördlichsten US-Bundesstaat. Über 80 000 Besucher*innen lockt der Park jedes Jahr an, vor allem an die Wasserfälle des Brooks-River, wo Dutzende Braunbären von Juni bis Oktober Lachse fangen. Auch per Webcam kann man die Pelzriesen dabei beobachten, wie sie die fette Beute zielsicher schnappen.

Diese Region hat mithin die größten Lachsvorkommen der Welt. Wegen ungewöhnlicher Hitze seien die Lachszüge im vorigen Sommer aber erst viel später gekommen, erklärt Kraft. Die Braunbären hätten zwar noch genug Fressen gefunden, doch die Folgen des Klimawandel seien eine Sorge. Der Wettbewerb ist außerdem ein Mittel, über Bären und die Natur allgemein aufzuklären.

In dieser Saison, mit normal kühlem Wetter, mangelte es nicht als Kalorien. Neben Lachsen verspeisen die Bären auch große Mengen Kräuter und Beeren. Das sieht man auch der jüngsten Kandidatin an. Hollys Tochter, die bei der Geburt zu Jahresbeginn gerade ein halbes Kilo gewogen hatte, legte den Sommer über gut 30 Kilo zu.

„Der Prinz der Plumpheit hat die Queen entthront“

Auf der Online-Platform „Explore“ werden in der „Fat Bear Week“ täglich zwei Bären zur Abstimmung präsentiert. Nach sechs Runden stehen sich im Endfinale nur noch zwei der ursprünglich zwölf Mitstreiter gegenüber. Am Montagmorgen waren noch drei Kandidat*innen im Rennen: „Chunk“, „747“ und die massive Braunbärin „Grazer“, die als „besonders geschickte Anglerin“ beschrieben wird. Pech für „Holly“, sie konnte am Wochenende im Viertelfinale stimmenmäßig nicht mit „Chunk“ mithalten. „Der Prinz der Plumpheit hat die Queen entthront“, kommentierten die Katmai-Ranger. Seine zyklopische Silhouette habe die Show gestohlen.

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Zur Krönung des Publikumslieblings beim Finale am Dienstag plant der Naturpark eine kleine Live-Zeremonie. Natürlich bekommen die Bären im Fluss davon nichts mit. „Denen ist es egal, wer gewinnt“, sagt Kraft. Gibt es denn einen Preis? Vielleicht eine Extra-Portion Lachs? „Der Gewinner mit dem meisten Fett wird bestimmt einen guten Winterschlaf haben“, meint die Rangerin. Das sei die Belohnung.