Startseite/Umwelt/Tierschutz
2 Juli 2020 / Lesezeit: 4 minuten

Tierschutzprojekt Bärenwald

Ein neues Zuhause für gerettete Bären

In Bärenwäldern entdecken die aus der Gefangenschaft geretteten Tiere langsam ihre natürlichen Instinkte wieder, die infolge schlimmer Haltungsbedingungen verkümmert sind.

Bild: imago images / Photocase

Bild: imago images / Photocase

In einem Bärenwald finden gerettete Bären aus Gefangenschaft ein neues Zuhause. Wir zeigen dir, was es genau mit den Bärenzentren auf sich hat und wie du sie unterstützen kannst.

Was sind Bärenwälder?

Ein Bärenwald ist eine Anlage, auf der gerettete Bären in möglichst natürlicher Umgebung leben können. Die Bären stammen aus Gefangenschaft. Oftmals mussten sie jahrelang unter schlimmen Haltungsbedingungen leiden. Infolgedessen sind ihre natürlichen Instinkte verkümmert. Viele sind verhaltensgestört. Ein Leben in freier Wildbahn ist somit undenkbar.

Ein Bärenwald soll den Bären die Möglichkeit geben, langsam ihre natürlichen Instinkte wiederzuentdecken. Bärenzentren sind in der Regel in natürliche Wälder integriert, so dass die Tiere Höhlen buddeln, schwimmen und sich ausreichend bewegen können.

Im Winter haben die Tiere die Möglichkeit, in Höhlen Winterschlaf zu halten. Zusätzlich betreuen Tierpfleger*innen die Bären und versorgen die Tiere mit anregendem Spielzeug und ausreichend Nahrung.

Auch auf enorm: Altersheim für Nutztiere: Ein Herz für Kühe

Woher kommen die geretteten Bären?

Die Tiere im Bärenwald wurden von Tierschutz-Organisationen aus verschiedenen tierquälerischen Kontexten befreit. Eine Organisation, die sich zum Beispiel verstärkt mit der Rettung von Bären beschäftigt, ist Vier Pfoten. Sie berichten unter anderem von gefangenen Bären in Frankreich, die dazu gezwungen werden, in Shows unnatürliche Tricks zu vollführen und mit ihren Halter*innen in winzigen Käfigen durchs Land fahren müssen.

In vielen Ländern Südosteuropas (wie Albanien, Serbien und Kroatien) leiden nicht nur Zirkusbären und privat gehaltene Tiere unter zu kleinen Käfigen, Bewegungsmangel und Verhaltensstörungen. Auch viele Zoos können die EU-Standards für die Haltung von Wildtieren nicht einhalten, so dass auch hier Bären leiden müssen.

Einige Bären, die jetzt im Bärenwald leben, wurden in Bulgarien und Serbien als Tanzbären gehalten. Diese grausame Praxis ist gesetzlich seit 1998 verboten, findet aber illegal immer noch statt. Veranstalter*innen verteidigen sie als langjährige Tradition.

In asiatischen Ländern, wie zum Beispiel Vietnam und China, müssen viele Bären ihr Dasein in sogenannten Bärenfarmen fristen. Die Tiere werden hier in winzigen Käfigen gehalten, in denen sie sich kaum bewegen können. Ziel ist es, den Gallensaft der Tiere zu bekommen, da dieser in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilmittel gilt. Den Tieren wird (in der Regel ohne Narkose) ein Katheter implantiert. Zweimal am Tag werden sie unter heftigsten Schmerzen „gemolken“.

So werden die Bären betreut

In einem Bärenwald können gerettete Bären zu ihren Urinstinkten zurückkehren.
Bild: Luise Rau / Utopia

Laut Vier Pfoten erfolgt die Betreuung der geretteten Bären in fünf Schritten:

1. Zunächst untersuchen Wildtierärzt*innen den medizinischen Zustand des Tieres. Da im Bärenwald keine Nachzucht stattfinden soll, werden die Bären kastriert.

2.Danach kommt das Tier zur Eingewöhnung allein in ein Gehege. Hier haben die Bären Zeit, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen und ihre plötzliche Bewegungsfreiheit zu erkunden. In dieser Zeit beobachten Tierärzt*innen und Tierpfleger*innen genau das Verhalten des Tieres. In Abstimmung entscheiden sie, wann die Grenzen zu den angrenzenden Gehegen geöffnet werden können. Der Neuankömmling kann jetzt zum ersten Mal in Kontakt mit seinen Artgenossen treten.

3. Hat sich der Bär ausreichend an seine neue Umgebung gewöhnt, folgt der dritte Schritt: Um den Verhaltensstörungen entgegenzuwirken, halten Tierpfleger*innen das Tier mit Beschäftigungsmöglichkeiten auf Trab. Diese sind an seinem Leben in der freien Wildbahn orientiert und sollen das Tier zur Nahrungssuche, zum Buddeln, Schwimmen und Klettern animieren.

4. Wenn sich ein Bär bereits gut eingelebt hat, wird er mit Artgenossen vergesellschaftet. Auch wenn die Tiere normalerweise Einzelgänger*innen sind, leben sie im Bärenwald in kleinen Gruppen zusammen. Der Kontakt zu Artgenossen soll ebenfalls dabei helfen, natürliche Instinkte wieder aufzunehmen.

5. Im letzten Schritt sollen die Bären nun das tun, was ihnen jahrelang verwehrt wurde: Ihre neu gefundene Freiheit genießen. Größe und Struktur des Bärenwalds ermöglichen es den Tieren, ihr Leben im eigenen Rhythmus und im Einklang mit der Natur zu gestalten.

Wo gibt es Bärenwälder?

Der Bärenwald Müritz ist das größte Bärenzentrum Westeuropas.
Bild: Luise Rau / Utopia

In Deutschland hat Vier Pfoten den Bärenwald Müritz errichtet. Dies ist der größte Bärenwald in Westeuropa. Zurzeit leben hier 16 Bären. Der Bärenpark ist für Besucher*innen geöffnet. So kannst du auf den Waldwegen spazieren und aus ausreichend Entfernung die Bären in ihrem natürlichen Umfeld beobachten. Da das Gelände (im Gegensatz zu Zoos und herkömmlichen Tierparks) deutlich größer ist, kann es passieren, dass du einen Großteil der Tiere nicht zu Gesicht bekommst.

Pfleger*innen haben auf dem Gelände deshalb Webcams angebracht. Auf der Internetseite kannst du Tiere so bei ihren alltäglichen Handlungen beobachten. Zusätzlich finden im Bärenwald regelmäßig Führungen statt. In der sogenannten „Bärenakademie“ können Besucher*innen mehr über die Tiere erfahren und selbst beobachten und experimentieren.

Der Deutsche Tierschutzbund e.V. errichtete im Oktober 2019 eine sogenannnte Bärenfreianlage. Hier leben momentan fünf gerettete Bären auf etwa zwei Hektar Waldfläche. Weitere Bärenwälder von Vier Pfoten befinden sich zum Beispiel in Österreich, der Ukraine, im Kosovo und in Vietnam. In Bulgarien gibt es zudem einen Tanzbärenpark, in dem ehemalige Tanzbären auf einer Fläche von etwa 120.000 Quadratmetern in Paaren oder Gruppen zusammenleben.

Bärenwald: So unterstützt du das Tierschutzprojekt

Die meisten Bärenwälder kannst du als Besucher*in besichtigen. So kannst du dich einerseits selbst vor Ort über Bärenschutz informieren und mehr über die Merkmale und das Verhalten der Tiere erfahren. Andererseits unterstützt du den jeweiligen Bärenpark finanziell mit dem Kauf deiner Eintrittskarte.

Auf den entsprechenden Internetseiten der Bärenwalder hast du auch die Möglichkeit, zu spenden. In einigen Fällen belohnen die Bärenzentren Spenden mit einem Geschenk: Du bekommst dann zum Beispiel eine Urkunde oder ein anderes Souvenir. Der Bärenwald Müritz hat zudem einen Online-Shop. Hier findest du unter anderem Kalender, Tickets und Gutscheine, Bücher, Filme oder Puzzles.

Hilf enorm!

Unterstütze konstruktiven Journalismus

Die Coronakrise stellt auch uns bei enorm vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, möchten wir die Inhalte auf enorm-magazin.de frei zugänglich halten und auf Bezahlschranken verzichten. Hilf uns mit deinem Beitrag dabei!

Hilf enorm!

Auf der Seite des Deutschen Tierschutzbundes hast du die Möglichkeit, eine Bärenpatenschaft zu übernehmen.

Unsere Kooperationspartner*innen

Enorm kooperiert mit Utopia.de, einer deutschsprachigen Website über nachhaltiges Leben und bewussten Konsum.