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18 August 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Projekt gegen Wilderei

Die Retter*innen der Schuppentiere

Ein Pangolin in Südafrika: Schuppentiere gehören weltweit zu den meistgewilderten Tieren.

Bild: imago images/Photoshot/Evolve

Bild: imago images/Photoshot/Evolve

„Wandelnde Kiefernzapfen“ werden sie liebevoll genannt. Doch die so typischen Schuppen der Schuppentiere oder Pangoline sind begehrt und machen sie zum weltweit meistgewilderten Tier. Ein Reservat in Südafrika kämpft mit einem Pilotprojekt gegen ihr Aussterben.

Es hat kein Horn wie das Rhinozeros, doch seine Schuppen sind ähnlich begehrt. Das Pangolin oder Schuppentier ist sogar noch weit vor dem Nashorn das weltweit am häufigsten gewilderte und illegal gehandelte Tier.

Die scheuen Insektenfresser, die sich zu einem Ball zusammenrollen, wenn sie sich bedroht fühlen, sind in Asien bereits vom Aussterben bedroht. In allen dort vorkommenden vier Arten. Und in Afrika geraten die vier dort lebenden Arten zunehmend ins Visier der Wildererei. Alle fünf Minuten fällt ein Schuppentier der Wilderei zum Opfer, wie die Gelehrtengesellschaft Zoological Society of London (ZSL) bilanziert, die unter anderem den Londoner Zoo betreibt.

Pangolin-Schuppen sind als Medizin begehrt

Im Wettlauf mit der Zeit versucht eine Gruppe von Naturschützer*innen in einem Wildreservat im Osten Südafrikas in der Provinz KwaZulu-Natal, eine neue Schuppentierpopulation aufzubauen und die Spezies vor dem Aussterben zu retten. Das Projekt ist bisher weltweit einzigartig.

„Es ist das erste Mal – in Südafrika, in Afrika und weltweit – dass Schuppentiere in einem Gebiet wieder angesiedelt wurden, in dem sie ausgestorben waren“, sagt Simon Naylor, Manager des privaten Phinda-Reservats, in dem die Wiederansiedlung geschieht.

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Pangoline werden auch liebevoll als „wandelnde Kiefernzapfen“ oder „Artischocken mit Schwanz“ bezeichnet. Ihre Schuppen sind in der asiatischen Medizin, aber auch in der afrikanischen heiß begehrt – doch wie das Horn von Nashörnern bestehen auch sie „nur“ aus Keratin, dem gleichen Material wie die Fingernägel des Menschen.

Vor allem die Nachfrage aus China und Vietnam nach Produkten aus Schuppentieren treibe diese Wilderei voran, schreibt die ZSL auf ihrer Homepage. Allerdings will Vietnam nun den Wildtier-Handel beenden: Künftig sind sowohl der Import bedrohter Arten wie Pangoline und Zibetkatzen verboten als auch der Handel auf Wildtier-Märkten, heißt es laut Tierschutzorganisationen in einem Dekret von Regierungschef Nguyen Xuan Phuc von Mitte Juli.

Mehr als eine Million Pangoline wurden gewildert

Was den Pangolinen überdies zum Verhängnis wird: Das Fleisch der Schuppentiere wird allen voran in Asien als eine Delikatesse angesehen. Eine Schale Pangolin-Fötus-Suppe kostet dort in einigen Teilen des Kontinents etwa 2500 Dollar (etwa knapp 2200 Euro), wie Phinda-Mitarbeiter Charli de Vos weiß.

Mehr als eine Million der niedlichen Säugetiere wurden in den vergangenen zehn Jahren gewildert – mehr als Nashörner, Elefanten und Tiger zusammen, so die ZSL. Niemand weiß, wie viele der einzelgängerischen, nachtaktiven Lebewesen noch in freier Wildbahn leben, aber Ökolog*innen sagen, dass ihre Zahl schnell abnimmt.

Neben der Wilderei sind die afrikanischen Schuppentiere auch durch den Verlust ihres Lebensraums, den lokalen Handel mit Buschfleisch und die Verwendung ihrer Schuppen in der traditionellen afrikanischen Kleidung bedroht.

Dehydriert, ausgehungert, völlig traumatisiert

Das Projekt im Phinda-Wildreservat, wo das letzte Mal 1984 ein wildes Schuppentier gesichtet wurde, hat vor Kurzem sein achtes Steppenschuppentier (Smutsia temminckii) ausgesetzt. Die Tiere mit der langen Schnauze, die sich gerne von Ameisen und Termiten ernähren, wurden alle aus den Händen von Wilderer*innen oder illegalen Wildtierhändler*innen in ganz Südafrika gerettet.

Die Wilderer*innen behandeln die bedrohten Tiere oftmals mehr als schlecht: Einige werden in Holzkisten oder Käfigen so eng verfrachtet, dass sie sich tagelang nicht aus ihrer zusammengerollten Position entfalten können. Andere werden in Säcken transportiert. Sie werden gestoßen, fallengelassen und herumgetreten.

„Sie sind nicht nur dehydriert, ausgehungert und abgemagert, sie sind auch völlig traumatisiert“, erklärt Nicci Wright, Direktorin des Johannesburg Wildlife Veterinary Hospital, die die geretteten Schuppentiere behandelt. Die Tiere müssen langsam und vorsichtig an ihren neuen Lebensraum in dem Reservat herangeführt werden.

Diese Pangoline haben Glück gehabt, ihr Schmuggel konnte aufgedeckt werden. Bild: imago images / ZUMA Press

Sie schlafen zunächst in speziell dafür vorgesehenen Kisten im Haus und werden nur für einige Stunden freigelassen, in denen die Tierschützer*innen ihnen folgen und sie beobachten.

Sobald sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnt und gut ernährt sind, werden die Schuppentiere mit Satellitensendern versehen und weiterhin rund um die Uhr von einer Anti-Wilderer-Einheit und einem Naturschutzteam überwacht – all das, um ihr Überleben zu sichern. „Wenn das Projekt erfolgreich ist, könnte es eine Keimzelle werden, aus der weitere Populationen dieser bedrohten Art entstehen könnten“, sagt Naylor.

„Jedes einzelne Schuppentier zählt“

Es gab aber auch schon Rückschläge. Zwei der acht geretteten Tiere haben nicht überlebt: Eines wurde von einem Krokodil gefressen, das andere starb an Bilharziose. „Das läuft aber trotzdem viel besser als erwartet“, sagt de Vos. „Die Überlebensrate liegt gewöhnlich bei eins zu fünf, es geht ihnen also besser, als man es für möglich gehalten hätte.“ Letztlich hoffen die Naturschützer*innen, dass die Schuppentiere sich wohl genug fühlen, um sich zu paaren. Damit könnte dann die Population langsam wieder wachsen.

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Die Tierschützer*innen sondieren derzeit ein benachbartes Reservat, das sie als zusätzliches Auswilderungsgebiet nutzen wollen. Im Phinda-Reservat haben etwa 20 Tiere Platz. Ray Jansen, Vorsitzender der African Pangolin Working Group (APWG), beschreibt das Projekt als „eine entscheidende Studie“. Er hofft, dass es zu einer Reihe von Richtlinien und bewährten Praktiken führen wird, die von anderen Rehabilitationsprojekten weltweit angewendet werden können. „Jedes einzelne Schuppentier zählt“, sagt auch de Vos. „Wenn Du nicht eins nach dem anderen rettest, werden sie irgendwann verloren sein.“