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3 Juni 2021 / Lesezeit: 5 minuten

Bienenschutz

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 16

Bienen können nicht nur Honig herstellen: Die verschiedenen Bienenarten sorgen auch für die Bestäubung von Obstbäumen und sind wichtig für das Gleichgewicht des Ökosystems. Ihr Schutz sollte daher oberste Priorität haben.

IMAGO / Countrypixel

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Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 16 von „Good News enorm“.
Bienen geht es nicht gut in unserer Welt der Monokulturen, vor allem die Wildbienen sind arm dran. Ihr Schutz wird immer wichtiger, was auch der Europäische Gerichtshof verstanden hat. Über das Gerichtsurteil gegen Pestizide, Blumen aus einem Kaugummiautomaten und persönliche Erfahrungen beim Imkern sprechen wir in der heutigen Folge von „Good News enorm“.

Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. Über das Thema Bienenschutz sprechen die Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Antonia Vangelista, Autorin beim enorm Magazin.

Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm – Gute Nachrichten und konstruktive Gespräche: Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute gibt es gute Nachrichten zu Bienen. Aber erst einmal der Gute-Nachrichten-Überblick:

Historisches Urteil für den Klimaschutz: Umweltschützer:innen haben den Ölkonzern Shell vor einem Gericht in Den Haag verklagt und gewonnen. Gemessen am Stand des Jahres 2019 ist Shell nun gesetzlich dazu verpflichtet, seine CO2
-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent zu verringern.

In Deutschland soll ein neues Gesetz Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe ermöglichen. Es sieht außerdem besonderen Schutz vor Gewalt in Wohnheimen vor und erlaubt neu das Mitnehmen von Assistenzhunden an Orte, an denen sie bisher nicht geduldet wurden.

US-Präsident beiden hat alle Öl- und Gasfelder-Aktivitäten im arktischen Naturschutzgebiet in Alaska ausgesetzt, die Trump kurz vor Amtsantritt noch genehmigt hatte. Die Vorrechte sollen nun auf Umweltschutzgesetze hin überprüft werden.

Oft enthalten Sonnenschutzmittel Oxybenzon. Obwohl Studien zeigen, dass der Stoff Korallenbleiche verstärken kann. Laut einer Studie im Fachmagazin „Nature“ könnte der Farbstoff Methylenblau eine gute Alternative sein. Er schützt die Haut vor UVA- und OVP-Strahlen und ist für Korallen ungefährlich.

Laut einer internationalen Studie haben die Regenwälder in West- und Zentralafrika die historische Dürreperiode des Jahres 2015 und 2016 besser überstanden als erwartet. Sie nahmen 1,1 Milliarden Tonnen CO2 auf und die Bäume konnten trotz der Hitze wachsen und überleben.

Bianca: Hallo, mein Name ist Bianca und ich bin Redakteurin bei Good News. Ich freue mich sehr, dass wir heute über Bienen sprechen und zwar über ein Gerichtsurteil, das den Insektenschutz europaweit über wirtschaftliche Interessen stellt und über Ideen, wie wir alle Bienen schützen können. Und darüber, wie du, Antonia, deine Angst vor Bienen ablegen konntest. Erzähl mal, wie kam es dazu?

Antonia: Ja, genau. Also, ich bin Antonia und ich bin Autorin beim enorm Magazin. Ich habe eben jetzt vor zwei Wochen, glaub ich, habe ich einen Imker begleitet bei seiner täglichen Arbeit, um einfach mal zu sehen, genau, wie das überhaupt so ist. Und ich fand es am Anfang ein bisschen einschüchternd, weil ich hatte zwar so einen Imker-Anzug an und ich wurde eingeräuchert, sodass die Bienen nicht so verwirrt sind von mir. Aber trotzdem war es dann natürlich so: Dann sind wir zu den Bienenstöcken gegangen und in so einem Bienenstock sind im Sommer bis zu 60 000 Bienen. Und genau, da kannst du dir vorstellen, da sind ganz schön viele Bienen auf einmal um mich herum gespielt. Und dann habe ich aber auch ganz viel gelernt und es war super interessant. Honigbienen sind ein super organisiertes Matriarchat. Sie arbeiten alle zusammen. Es gibt Pollensammlerinnen und Nektarsammlerinnen. Die Königin legt die Eier und alle zusammen kümmern sich um den Nachwuchs und das Futter. Und natürlich darum dann, dass das Futter auch zu Honig verarbeitet wird. Das war irgendwie sehr interessant zu sehen, wie das so abläuft, was die Arbeit als Imker beinhaltet. Ich fand auch, dass ich ein besseres Gefühl dafür bekommen habe, wie sich Menschen und andere Tiere und Pflanzen untereinander beeinflussen und wie z.B. auch das Klima Auswirkungen darauf hat. Zum Beispiel war eben dieser Winter total lang und viel kälter als die letzten. Und dadurch musste der Imker dann im Frühjahr nochmal so eine Notfütterung machen, also seinen Bienenvölkern nochmal extra Futter geben, damit sie auch überleben. Und der Imker hat mir auch erzählt, dass die Bienen, die teilen sich durch so einen Tanz mit, durch einen Schwänzel-Tanz, wo es gute Futterquellen gibt. Und wenn aber, wenn sie mit Pestiziden, mit Pflanzenschutzmitteln in Berührung gekommen sind, dann können Sie diese Informationen nicht mehr so richtig weitergeben. Dann verbreiten Sie Fake News und dann tanzen sie zwar rum, aber wissen gar nicht, ob es irgendwo gute Futterquellen gibt und verwirren andere damit. Zu den Pflanzenschutzmitteln hast du ja auch eine Nachricht mitgebracht, oder?

Auch auf enorm: Kolumne: Mein erstes Mal: Wie ich meine Angst vor den Bienen verlor

Bianca: Ja, genau. Und zwar ist es folgendermaßen: Nach einem acht Jahre lange dauernden Rechtsstreit hat der Europäische Gerichtshof Anfang Mai diesen Jahres, also 2021, das Verbot von bienenschädlichen Insektiziden bestätigt. Es handelt sich dabei um die sogenannten Neonicotinoide. Das sind Bestandteile synthetischer Pflanzenschutzmittel, die, und das haben etliche Studien inzwischen bewiesen, das zentrale Nervensystem von Insekten schädigen oder gar zerstören können. Schon seit einigen Jahren sind diese Neonicotinoide verboten. Doch der Chemiekonzern Bayer hatte gegen das Urteil geklagt, weil es natürlich für die enorme wirtschaftliche Einbußen gebracht hat. Aber jetzt eben das endgültige Urteil in letzter Instanz. Neonicotinoide dürfen nicht eingesetzt werden. Naturschützer vom Bund begrüßen das Urteil, natürlich auch der Imkerei-Verband und Greenpeace. Und nicht nur Bienen und andere Insekten sind durch dieses Verbot geschützt, sondern auch viele Vögel, denen es an Futter mangelt, wenn diese Insektizide verbreitet werden. Und auch die Aurelia-Stiftung, die sich für den Erhalt von Bienen einsetzt und in diesem Fall maßgeblich mitgekämpft hat, sagt – das ist ein Zitat – „Bisher ist kein vergleichbarer Fall bekannt, in dem die Kommission die Vermarktung genehmigter Produkte von so großer wirtschaftlicher Bedeutung aus Gründen des Umweltschutzes derart weitgehend eingeschränkt hat.“ Ja, fand ich sehr erfreulich.

Antonia: Ja, auf jeden Fall super Nachricht. Ich meine, was das ja auch reflektiert, denke ich ist, das einfach Bienen auch und andere Insekten für uns auch einen richtig wichtigen Job machen, indem sie die Pflanzen bestäuben und damit ja auch ermöglichen, dass wir ja Nahrung haben. Ich wollte nochmal auf die verschiedenen Arten von Bienen zu sprechen kommen. Und zwar sind Wildbienen ja noch viel stärker gefährdet als Honigbienen, eben z.B. von Pestiziden und insgesamt davon, dass es eben weniger Blüten gibt. Also, weil, Honigbienen sind einfach sehr viel dominanter. Sie können z.B. in einem Radius von bis zu 10 km um ihren Stock herum auf Nahrungssuche gehen und Wildbienen können nur so ungefähr einen Kilometer weit fliegen. Und deswegen ist es für Wildbienen besonders wichtig, dass es ganz viele Blüten gibt und dass es auch ein diverses Blütenangebot gibt. Und in einem Artikel von der FAZ wird über diese Blütenangebot gesprochen. Und da sagt Daniela Warzecha vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Freiburg, dass das Angebot an Blüten in Städten wegen Gärten, Parks und Grünanlagen sogar teilweise besser ist als auf dem Land. Das hat mich erst einmal überrascht. Aber das ist natürlich auch was, wo jeder und jede von uns einen Beitrag leisten kann, indem wir Blumen z.B. selber säen. Und da hat z.B. die Stadt Bamberg eine ziemlich coole Initiative gestartet dieses Jahr. Die haben einen Kaugummiautomaten aufgestellt, aus dem man sich Bienenfutter für 50 Cent besorgen kann. Und genau das sind so kleine Kapseln und die sind gefüllt mit heimischen Blumensorten und sollen eben auf Grünstreifen oder in den Gärten ausgestreut werden. Und das ist in Plastikkapseln und die können dann aber sogar auch wieder zu dem Automaten zurückgebracht werden, sodass sie dann wiederverwendet werden können.

Auch auf enorm: Wirtschaftlicher Nutzen von Insekten: Warum Bienen besonders sind

Bianca: Mega cool! Und ich hab noch gelesen, woran man vielleicht erst mal gar nicht denkt: Bienen haben auch Durst und wenn man eine kleine Fläche hat vor der Haustür, auf dem Balkon, im Garten, soll man doch auch ein kleines Schälchen mit Wasser aufstellen.

Antonia: Und Vögel und so freuen sich wahrscheinlich darüber auch. Ich hab auch noch einen kleinen Tipp, zudem auch noch für die Wildbienen. Die sind ja mehr so einzeln, nicht in so einem riesigem Bienenstock. Und deren Nistplätze sind so kleine Erdhügel. Also eigentlich einfach so locker aufgeschichtete Erde. Und das gibt’s natürlich auch bei Leuten, die einen Garten haben, oder? Ich frag mich, ob es vielleicht auch auf einem Balkon geht, weil man einfach nur so ein bisschen Erde aufhäufen müsste. Aber auf jeden Fall tut man da auch den Wildbienen einen Gefallen, wenn man damit so für sie die Nistplätze schafft.

Bianca: Ja cool, vielen Dank Antonia.

Antonia: Ja, danke auch.

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