Startseite/Umwelt/Tierschutz/Bienen
2 January 2017 / Lesezeit: 2 minuten

Bienensterben

Stadtbienen besser als Landbienen

Bienen produzieren in der Stadt mehr Honig, als auf dem Land und es geht ihnen besser – aber warum?

Titelbild: Pedro Lastra/Unsplash

Titelbild: Pedro Lastra/Unsplash

Eine neue Studie legt nahe: Die modernen Städte sind aktuell die attraktiveren Lebensräume für Honigbienen als intensiv zur Landwirtschaft genutzte Gebiete

Imkern in der Stadt ist in. Auch im Hof des Paul-Löbe-Hauses, einem Abgeordnetenkomplex des Bundestags, steht seit 2016 ein Stock. 50.000 Bienen sind hier zuhause und sammelten in ihrem Premierenjahr rund 50 Kilogramm Hauptstadt-Honig – und damit rund 20 Kilogramm mehr als ein durchschnittliches Landbienenvolk.

Ein stolze Bilanz, jedoch nicht ungewöhnlich wie eine Studie zeigt, die von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben wurde. Einer der Autoren ist der Imkermeister Dr. Benedict Polaczek von der FU Berlin, der auch die Bundestagsbienen betreut. Gemeinsam mit der Veterinärmedizinerin Monika Krahnstöver untersuchte er in einer Literaturstudie die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Honigbienen in der Stadt und auf dem Land.

Deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land

Zwar betonen Polaczek und Krahnstöver, dass die vergleichende Forschung zwischen Stadt- und Landbienen noch am Anfang stehe, doch die ersten Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Bienen in urbanen Gebieten finden mehr Nahrung als ihre Artgenossen auf dem Land. Die Gründe: Das abwechslungsreiche und kontinuierliche Blütenangebot in der Stadt und stadtnahen Gebieten sowie der deutlich verminderte Pestizideinsatz.

Die intensive Landwirtschaft wirke sich gleich auf mehreren Ebene auf die Honigbienen aus. Monokulturen begrenzen das Nahrungsangebot auf eine bestimmte Sorte und vor allem auch auf einen solitären Zeitraum. Denn zwar gebe es beispielsweise bei riesigen Rapsfeldern ausreichend Nahrung – das jedoch nur über wenige Wochen. Die übrige Zeit reiche das Angebot nicht aus. Die starke Düngung führte in den letzten Jahrzehnten ebenfalls zu einem Rückgang von Wildblumen.

Ein Forschungsprojekt des Instituts für Bienenkunde in Celle ergab über einen Zeitraum von vier Jahren sogar die doppelte Menge an Honig von Völkern in Hamburg im Vergleich mit denen, die in stark landwirtschaftlich genutzten Gebieten leben mussten.

Mach’s gut!

Unterstütze unsere publizistische Unabhängigkeit

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, möchten wir die Inhalte auf enorm-magazin.de frei zugänglich halten und auf Bezahlschranken verzichten. Mit deinem Beitrag unterstützt Du uns dabei!

Jetzt unterstützen!

Weniger Nahrung durch Monokulturen

Neben den Erträgen hat das Nahrungsangebot auch einen Einfluss auf die Bienengesundheit. Folglich bilanzieren Polaczek und Krahnstöver, dass die Vitalität der urbanen Bienenvölker größer sei. Zudem komme dazu, dass Stadtbienen nur wenig Pestiziden ausgesetzt seien, die zwar nicht direkt zum Tod der Bienen führen, ihre Widerstandsfähigkeit jedoch beeinträchtige. Es gebe jedoch auch Nachteile der Bienen-Urbanisierung. Dazu zählen die Autoren der Studie unter anderem eine höhere Bienendichte und steigende Unerfahrenheit der Bienenhalter im Umgang mit Krankheiten.

„So sehr ich mich über den Trend der urbanen Imkerei freue, es ist doch absurd, dass unsere Bienen in städtischen Revieren deutlich mehr Honig sammeln, weil sie auf dem Land nicht mehr genug Blütennahrung finden und zudem von Pestiziden bedrängt werden“, sagt Bärbel Höhn, Vorsitzende des Umweltausschusses der Grünen, die auch gleichzeitig dafür gesorgt hatte, dass auch im Bundestag Bienen leben. Ihre Forderung: deutlich weniger Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft und ein Ausbau des Ökolandbaus. Denn sonst drohen Verhältnisse wie in den USA und China, wo Bienenvölker zur Bestäubung von Nutzpflanzen durch das Land gefahren werden.