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12 November 2020 / Lesezeit: 4 minuten

Wertvoller Krokus

Dieser Winterbote füttert Insekten

Krokusse sind kaum anfällig für Krankheiten und vermehren sich an unberührten Stellen in der Regel von allein.

Bild: imago images / blickwinkel

Bild: imago images / blickwinkel

Krokusse wachsen in Beet, Rasen und Balkonkasten. Die Zierpflanzen gelten als wichtige Nahrungsquelle für Insekten – und das nicht nur im Frühling. Sogar im November kann man sie noch pflanzen.

Wenn sich ab Februar in Beet und Rasen weiße, hellviolette, lilafarbene und gelbe Blüten zeigen, ist der Winter in der Regel vorbei: Der Krokus gehört zu den Zeigerpflanzen des Vorfrühlings. Mit dem Krokus erwacht die Natur aus der Winterruhe. Er kann unter Umständen aber auch die letzte gepflanzte Blume vor dem Winter sein.

Blühende Krokusse sind aber nicht nur ein hübscher Anblick. Der Krokus erfüllt auch eine wichtige Funktion: Er ist eine wichtige Nektarquelle für Hummeln, Wild- und Honigbienen. „Sie öffnen ihre Blüten im Frühjahr mit den ersten warmen Sonnenstrahlen und blühen im Herbst zu einer Zeit, wo das Nahrungsangebot schon gering ist. Unter diesem Aspekt kann man gar nicht genug Krokusse haben“, sagt Susanne Deininger, Leiterin der Fachgruppe Blumenzwiebeln und Rhizome bei der Gesellschaft der Staudenfreunde.

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Seit etwa Mitte des 20. Jahrhundert sind die Schwertliliengewächse, die ursprünglich vor allem in Südeuropa, Nordafrika und der Türkei heimisch waren, vermehrt in unseren Gärten anzutreffen. „Krokusse wurden etwa um 1900 in Kultur genommen, vermutlich in Holland. Die große Anbaukultur begann aber erst ab den 1950er-Jahren“, sagt Olaf Beier vom Bundesverband Einzelhandelsgärtner.

Zwischen 80 und 200 bekannte Arten

Botanisch gesehen sind Krokusse Geophyten. Anders als Tulpen und Schneeglöckchen bilden sie keine Zwiebeln, sondern eine kugelige, birnenförmige oder abgeflachte Knolle, in der sie Energie speichern können. Wie viele Arten es innerhalb der Gattung gibt, darüber gibt es in der Wissenschaft unterschiedliche Auffassungen – je nach Sichtweise zwischen 80 und 200.

Für den gärtnerischen Gebrauch unterscheidet Deininger grob zwischen herbstblühenden und frühjahrsblühenden Krokusse. „Letztere werden häufig unterschieden in Wildkrokusse und Gartenkrokusse, meist großblumige Hybriden von Crocus vernus und Crocus chrysanthus“, erklärt die Expertin.

Buntes Frühjahr

Wer für das Frühjahr keine bunten Mischungen pflanzen möchte, dem empfiehlt Deininger, nach bestimmten Arten und Sorten von Wildkrokussen Ausschau zu halten. Den Blütenflor im Frühling eröffnet der meist helllila-, manchmal auch rosafarbene Elfenkrokus (Crocus tommasinianus), der gern verwildert. Als reich blühend gelten die Sorten ‚Tricolor‘ und ‚Firefly‘ des Crocus sieberi.

Auch der Crocus heuffelianus gilt als unproblematisch. „Er vermehrt sich willig und bildet mit der Zeit große Gruppen“, sagt Deininger. Sein Erkennungsmerkmal: Die meist lilafarbenen Blüten haben dunkle Spitzen. Gelbfarben blühend sind Crocus ancyrensis, Crocus angustifolius und Crocus balansae. „Crocus balansae ist der Knaller unter den gelbblühenden Krokussen – vor allem die leuchtend orangene Sorte ‚Zwanenburg’“, findet Deininger.

König der Krokusse

Zu den Klassikern bei den herbstblühenden Krokussen gehört der Safrankrokus (Crocus sativus). „Der Safrankrokus ist eine sehr alte und sehr wertvolle Kulturpflanze. Er braucht durchlässigen Boden, unbedingt Sommertrockenheit und einen sonnigen Platz“, weiß Deininger. Einer ihrer Lieblingskrokusse ist der blau, violett oder weiße blühende Crocus banaticus, der ab Ende September blüht. „Seine Besonderheit: Die Narben sind violett und feingeteilt.“ Die herbstblühenden Krokusse werden ab August gepflanzt.

Frühlingsblüher können bis in den Dezember hinein gepflanzt werden

Die Frühlingsblüher kommen ab September in die Erde. „Gut gelagerte Knollen, die fest, sauber und noch nicht ausgetrieben haben, kann man bis in den Dezember hinein pflanzen, solange der Boden nicht gefroren ist“, sagt Beier.

Er empfiehlt, die Krokusse in einem Abstand von zehn Zentimetern zu setzen: „Am natürlichsten sieht es aus, wenn man eine Handvoll auf den Boden wirft und sie dort einpflanzt, wo sie liegengeblieben sind.“ Lässt es der Untergrund zu, kommen die Krokusse etwa acht Zentimeter tief in die Erde. „Optimal ist es, sie drei bis vier Mal so tief zu pflanzen, wie die Zwiebel hoch ist“, rät der Gärtner.

Während die herbstblühenden Schwertliliengewächse grundsätzlich einen eher schattigen und feuchten Standort bevorzugen, gedeihen Frühlingskrokusse besser auf eher trockenem Grund. Denn zu viel Nässe bringt Fäulnis. „Der Boden sollte durchlässig, eher sandig und mager sein und im Herbst organisch gedüngt werden. So hat die Pflanze von Februar bis April alle Nährstoffe, die sie zum Wachsen und Blühen braucht“, erklärt Beier.

Krokusse vermehren sich von allein – in Ruhe

Krokusse sind kaum anfällig für Krankheiten und vermehren sich an unberührten Stellen in der Regel von allein. Im Garten ist es wichtig, dass man ihnen vor allem nach der Blüte genügend Zeit und Ruhe lässt, damit die Knollen ausreichend Energie speichern können. Und das heißt bei Frühlingskrokussen: Die Blätter nicht schneiden, bevor die Pflanze einzieht.

„Wenn man Krokusse im Rasen haben will, darf man keinesfalls vor Mai mähen“, betont Deininger. Und selbst dann kann es sein, dass man regelmäßig neu stecken muss. „Die meisten Krokusse halten es in einem dichten und gut gepflegten Rasen nicht lange aus. Sie verhungern und ersticken schlicht.“

Ihr Tipp: Den Krokus am sonnigen Gehölz- oder Beetrand ansiedeln und es ihm zu überlassen, wie weit er und in den Rasen einwandern will. „In Trockenrasen oder lückigen Wiesen, die erst Mitte des Jahres gemäht werden, können sie sich jedoch oft gut vermehren.“

Krokus auf dem Balkon? Klar!

Nicht nur im Garten, auch auf dem Balkon können die Frühlingsboten gedeihen. Damit sie rechtzeitig blühen, rät Beier dazu, sie schon im Spätherbst möglichst tief in Kübel und Balkonkästen zu stecken – entweder zwischen Winterheide oder schichtweise für ein buntes Frühlingsarrangement mit Hyazinthen und Tulpen.

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Sein Tipp, damit die Knollen nicht in der feuchten Erde gammeln: Die Erde mit Sand mischen und keine Kästen mit Wasserspeicher verwenden. Hält man die Sommerruhe ein, können Krokusse auch im Kübel mehrere Jahre lang Freude machen.„In vielen Töpfen habe ich Elfenkrokusse, und in einem Kübel kultiviere ich seit zwei Jahren Crocus chrysanthus unter einem Gehölz“, erzählt Deininger. So ist sie immer eine der ersten, bei der der Frühling auf dem Balkon Einzug hält.