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2 Juni 2022 / Lesezeit: 3 minuten

Vorbeugung von Krankheiten und Bienensterben

Bienen haben jetzt eigene Ärzt:innen

Bisher gibt es in Deutschland 17 auf Bienen spezialisierte Veterinär:innen (Stand 2020).

Foto: IMAGO / YAY Images

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Bienen zählen zu den wichtigsten Nutztieren in der Landwirtschaft. Sie bestäuben Pflanzen, liefern Honig und sind somit für unser Ökosystem von entscheidender Bedeutung. Auch deswegen gibt es sogar spezielle Fachtierärzt:innen, die sich um ihre Gesundheit kümmern.

Wenn Hobby-Imker Björn Wilcken sich seine Bienenstöcke anschaut, achtet er auf andere Dinge als viele Imker-Kolleg:innen. Denn Wilcken ist Tierarzt und bald sogar Fachtierarzt für Bienen – einer von nur gut einem Dutzend in Deutschland. „Bienen zählen zu den wichtigsten Nutztieren“, sagt Wilcken. Daher nehme das Bewusstsein zu, dass man sich um ihre Gesundheit kümmern müsse.

Als angehender Fachtierarzt kümmert sich Wilcken nicht nur um die eigenen Bienen. Er ist Amtstierarzt in Berlin. Sein Bienenfachwissen braucht er zum Beispiel, wenn Imker mit ihren Bienenvölkern umziehen möchten. „Ich muss zum Beispiel einschätzen können, ob es Anzeichen der Amerikanischen Faulbrut gibt, damit sie keine Seuchen umhertragen“, sagt Wilcken. Seine Arbeit ist auch wichtig, damit Honig ein sicheres Lebensmittel ist.

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Während Bienen und Bienenhaltung sich wachsender Beliebtheit erfreuen, sind die Bienenärzt:innen noch eine kleine Gruppe. Gerade mal 17 auf Bienen spezialisierte Tierärztinnen und Tierärzte gibt es bundesweit laut der Statistik der Bundestierärztekammer für das Jahr 2020. Davon haben neun einen Facharzt:innentitel, die anderen acht eine Zusatzbezeichnung „Bienen“.

Bienenärzt:innen: Blick aufs ganze Sozialgefüge

Viele von ihnen sind wie Björn Wilcken im Öffentlichen Dienst tätig oder in Laboren. Kaum jemand hat eine typische Kleintierpraxis oder eine Fahrpraxis. „Die Geschäftsidee der Bienenpraxis ist ehrenhaft, aber unternehmerisch nicht sinnvoll“, sagt Wilcken. Unter anderem weil Imker:innen Medikamente in der Regel frei beziehen könnten.

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Auch die Arbeit als Bienendoktor:in gestaltet sich anders als bei Hund, Katze, Pferd, Schwein oder Rind. Denn bei den speziellen Patienten sind Blutuntersuchungen oder Abhören mit einem Stethoskop nicht möglich. „Wir schauen uns weniger die Biene einzeln an, als mehr das ganze Sozialgefüge inklusive Bienenstock“, sagt Wilcken. Er achtet auf Aspekte wie: Fliegen die Bienen ruhig oder aufgeregt? Haben sie genügend Futter?

Sind Waben verschimmelt? Legt die Königin genügend Eier? Wie ist die Standortumgebung? Danach nimmt er gegebenenfalls Proben: von Honig, Waben, Futterkranz oder auch toten Bienen. Muss eine Krankheit behandelt werden, kann zum Beispiel ein Gegenmittel im Bienenstock versprüht werden. Da es für Bienen aber nur wenige Medikamente gibt, ist die Vorbeugung von Krankheiten wichtig, etwa einem Befall mit Varroamilben. Dieser Parasit schwächt die Bienen und kann zudem krankmachende Viren übertragen.

Dass Wilcken Bienenkrankheiten diagnostizieren und behandeln kann, liegt an seinem eigenen Engagement. Traditionell werden Bienen in der Tierarzt:innenausbildung nur als Teil der Parasitologie oder als Wahlfach gelehrt, erzählt Heike Aupperle-Lellbach. Die Veterinärin war die erste Fachtierärztin für Bienen in Deutschland. Als damals wissenschaftliche Mitarbeiter:in der Universität Leipzig hat sie vor einigen Jahren angestoßen, dass eine Ausbildung zum Bienen-Fachtierarzt bzw. -ärztin in Deutschland angeboten wird.

Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut

Aupperle-Lellbach beklagt, dass zum Beispiel bei neuen Gesetzen meist nur Imker:innen und Biolog:innen gefragt würden. „Die machen einen super Job, aber Tierseuchenbekämpfung, Lebensmittelrecht oder Arzneimittelrecht sind veterinärmedizinische Themen.“

Um die Bedeutung der Biene im Veterinärwesen zu stärken, hat sie 2014 eine Fachgruppe für Bienen in der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) angestoßen. Inzwischen leitet Björn Wilcken die Gruppe. Auf der Website der Fachgruppe sind alle Kontaktdaten der Bienenärzt:innen gelistet – in der Hoffnung, dass die Veterinär:innen zum Beispiel bei der Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut kontaktiert und miteinbezogen werden.

„Wir müssen uns aber eingestehen, dass wir nicht so viele Bienenärzt:innen haben, wie wir brauchen“, sagt Wilcken. Laut Aupperle-Lellbach ließe sich das ändern, wenn die Tierärztekammern individuellere Lösungen ermöglichten, um Leistungen für die Facharztausbildung anzuerkennen. Sie selbst konnte den Titel nach eigenen Angaben nur bekommen, weil die Tierärztekammer ihr Selbststudium anerkannt hat – schließlich gab es noch keine Ausbildung. Die Akademie für tierärztliche Fortbildung (ATF) der Bundestierärztekammer bietet seit 2015 Fortbildungen für Tierärztinnen und Tierärzte zu Bienenthemen an.

„Die Biene ist ein vielfältiges Wesen“

Dass Bienenexpert:innen immer noch eher eine Rarität sind, ist nicht nur in Deutschland so. „Bienenlehre bekommt in der EU im veterinärmedizinischen Studium weniger Aufmerksamkeit als andere Fachgebiete“, schlussfolgerte eine internationale Forscher:innengruppe in einer 2019 erschienen Überblicksarbeit. Versuchstierkunde oder Fische würden zum Beispiel stärker thematisiert. Dabei sei die Bienensterblichkeit aufgrund verschiedener Einflüsse wie Pestizideinsatz und Klimakrise groß. Eine Weiterbildung nach dem Studium gibt es laut der Studie europaweit nur an 19 Einrichtungen.

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Hobby-Imker und Amtsarzt Wilcken sieht die Bienenveterinär:innen aber auch als Netzwerker:innen, die ihre Expertise mit dem Wissen anderer Bienenexpert:innen verknüpfen wollen. „Die Biene ist ein zu vielfältiges Wesen, um sie nur einer Berufsgruppe zuzuordnen“, so Wilcken. „Wenn jeder etwas mitbringt zum Buffet, dann wird es ein großartiger Abend.“