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27 Juli 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Pflegestation in Niedersachsen

Die unermüdlichen Storchenretter*innen

Nistende Störche in der Pflegestation Wesermarsch.

Bild: imago images / Jochen Tack

Bild: imago images / Jochen Tack

Auch, wenn sich die Population hierzulande erholt hat, leben Störche gefährlich. Ihr Lebensraum in Deutschland ist knapp, zudem verunglücken sie an Stromtrassen, Windkraftanlagen oder im Straßenverkehr. Für verletzte Tiere gibt es im niedersächsischen Berne einen besonderen Zufluchtsort: die Storchenpflegestation Wesermarsch.

Störche so weit das Auge reicht. Einige kreisen am Himmel, andere füttern ihre Jungen hoch oben im Nest oder laufen über die Wiese im Freigehege. Auf dem rund einen Hektar großen Grundstück des Ehepaars Hilfers in Berne und dem Umland im Landkreis Wesermarsch tummeln sich Hunderte der großen Vögel. Hilfers zufolge gibt es in ganz Deutschland keine Gemeinde mit so vielen Störchen.

Seit 28 Jahren kümmert sich Udo Hilfers um Störche. Gemeinsam mit seiner Frau Anke versorgt er verletzte Tiere und erklärt Besuchern, wie die Vögel leben. So klettert der 63-Jährige zum Beispiel auf die Leiter, um Brutplätze zu säubern. „Die Störche tragen sehr viel Unrat in ihre Nester – leider auch häufig Müll wie Plastiktüten und Sachen, die das Nest wasserundurchlässig machen“, erzählt der Leiter der Storchenpflegestation Wesermarsch. Bei Starkregen könne Staunässe entstehen, die die Eier unterkühle oder Jungtiere sterben lasse.

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Der Weißstorch ist eine streng geschützte Art. „Immer noch machen zahlreiche Gefahren dem Weißstorch das Leben schwer“, so die Naturschutzorganisation Nabu. Durch die intensive Nutzung der Landschaft und den Einsatz von Pestiziden finden die Vögel mit dem langen roten Schnabel vielerorts nicht genügend Nahrung. Zudem verenden Vögel etwa nach Zusammenstößen mit Stromtrassen, Windkraftanlagen oder dem Straßenverkehr.

Storchenpflegestation Wesermarsch: Pflege von bis zu 80 Tieren pro Jahr

Auf dem Weg in ihr Überwinterungsgebiet in Afrika landen etliche Störche im Kochtopf oder sterben an giftigen Chemikalien. „Viele Störche überleben das erste Lebensjahr nicht“, sagt Hilfers, dessen Einrichtung von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und öffentlichen Zuschüssen lebt. Das Land Niedersachsen beteiligt etwa sich an den laufenden Kosten für den Tierarzt, Medikamente und Futter.

Nach Angaben der Naturschutzorganisation Nabu ist die jüngste Entwicklung beim Weißstorch positiv. „Der Storch ist in Deutschland nicht mehr vom Aussterben bedroht.“ Aber: Die Zahl der Tiere sei von Region zu Region unterschiedlich. Mancherorts reiche der Bruterfolg der Störche nicht aus, um die natürlichen Verluste auszugleichen.

In der Storchenpflegestation Wesermarsch werden pro Jahr bis zu 80 kranke oder verletzte Störche betreut. Die meisten verlassen das Grundstück nach einiger Zeit und fliegen ab August nach Afrika. Rund 50 Patienten leben in Dauerpflege in einem Freigehege, weil sie wegen einer Behinderung nicht mehr ausgewildert werden können.

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Im Rahmen des Nabu-Projekts „Störche auf Reisen“ kann man den Weg einiger Tiere, sogenannter „Senderstörche“, nach Afrika oder Spanien nachvollziehen.