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5 January 2018 / Lesezeit: 2 minuten

Anpassung an die Klimakrise

Die Weinbergschafe von Bad Kösen

Schafe in den Weinbergen halten den Erosionsschutz kurz und verbessern die Qualität der Reben – so zumindest der Ansatz der Forschungsprojekts in Bad Kösen

Titelbild: Les routes sans fin(s)/Unsplash

Titelbild: Les routes sans fin(s)/Unsplash

Der Klimawandel kommt. Daran gibt es keinen Zweifel. Doch wie mit den Auswirkungen umgehen? Das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut in Sachsen-Anhalt erprobt dies in einem außergewöhnlichen Forschungsprojekt

Der Klimawandel kommt – Punkt. Das gilt für auch das 770 Hektar große Weinanbaugebiet Saale-Unstrut im Süden Sachsen-Anhalts. Mit etwa 500 Millilitern? Jahresniederschlag zählt die Region zu den niederschlagsärmsten in Deutschland. Die Auswirkungen des Klimawandels sind hier eine vielfältige Herausforderung. Zwar profitieren die Winzer in Europas nördlichster Weinanbauregion beispielsweise von steigenden Temperaturen, doch die zunehmenden extremen Wetterereignisse, wie Starkregenfälle, machen ihnen das Leben schwer.

Der Klimwandel kommt mit Starkregenfällen und steigenden Temperaturen

Um diesen Folgen des Klimawandels zu begegnen, gibt es in Bad Kösen seit 2016 das Forschungsprojekt „LIFE VinEcoS“, das unter anderem aus Mitteln des EU-Förderprogramms „Life“ finanziert wird. Bis 2020 wollen das Landesweingut Kloster Pforte, die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt, die Hochschule Anhalt sowie das Ingenieurbüro Jena Geos gemeinsam erarbeiten, wie die Auswirkungen der klimatischen Entwicklungen aufgefangen werden können. Das Projektvolumen legt bei 1,47 Millionen Euro.

Im Zentrum der Untersuchungen liegen die Erosion der Böden und die Resistenz? der Pflanzen in den Weinbergen. Um diese zu minimieren erproben die Forschungs-Partner in den Testhängen zum einen neue Anbaumethoden, eine Sekundärbepflanzung der Weinberge sowie den Einsatz von Schafen in den Weinberggassen zwischen den Anbaureihen.

Weinpflanzen haben als natürliche Wachstumsform Lianen, doch zur besseren Bewirtschaftung werden sie in verschiedenen Techniken beschnitten. Auf ausgewählten Flächen in Saale-Unstrut wird nun die sogenannte Naturwuchserziehung erprobt. Davon erhofft sich der Forschungsverbund eine stärkere Wurzelbildung und damit eine bessere Trockenresistenz, die bei steigenden Temperaturen notwendig ist. Zudem erwarten die Forscher eine geringere Krankheitsanfälligkeit und damit auch geringere Mengen an Pflanzenschutzmitteln. All das spart, so die Hypothese, Kosten in der Bewirtschaftung.

Um die Erosion zu verringern werden in Testgebieten des Anbaugebietes unterschiedliche Samenmischungen getestet, die den Boden in den Weinbergen bedecken. Dabei verwenden die Forscher regionale Wildpflanzen, die in keiner Konkurrenz zum Wein stehen, also ihm weder Wasser noch Nährstoffe streitig machen. Dazu gehören unter anderem Heilpflanzen wie der Wiesensalbei, Oregano oder Wildpflanzen wie das Gelbe Sonnenröschen und die Wiesen-Flockenblume. Der Bewuchs soll zudem die Biodiversität und damit die Vielfalt an Pflanzen und Tieren erhöhen. Auch dies stärkt nach Ansicht die Resistenz des gesamten Ökosystems.

Schafe im Weinberg weiden – und helfen so den Winzern

Die meiste Aufmerksamkeit in den Hängen von Saale-Unstrut ziehen jedoch die neuen Mitarbeiter des Landesweingut Kloster Pforte auf sich. Zehn Schafe beweiden im Rahmen des EU-Projektes die Weinberghänge und halten dabei nicht nur die Wildblumen kurz. Sie fressen auch die Blätter aus den Rebstöcken und sorgen damit für eine bessere Belüftung der Trauben und somit für eine bessere Ernte.

Die ersten Ergebnisse der Forschungen machen den beteiligten Partner Mut. So zeigte sich beispielsweise in Beobachtungen, dass die Schafe wie erhofft nur in sehr seltenen Fällen die Reben fraßen und sich den Rest der Weidezeit tagtäglich an die Bodenpflanzen und die Weinblätter hielten.

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Die Wildblumenmischungen erhöhten die Zahl der Pflanzenarten im Weinberg um 60 Prozent und lockten mehr Schmetterlingsarten in die die Testflächen. Zudem konnte der Einsatz von Maschinen um zehn Prozent gesenkt werden – bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung. Wichtigstes Ergebnis war jedoch: Bei den Testgebieten reduzierte sich die Erosion der Böden um 50 Prozent.

Damit das Projekt eine großflächige Wirkung entfalten kann, planen die Partner eine gezielte Weitergabe ihrer Ergebnisse in der gesamten Anbauregion. Dies soll durch zielgruppenspezifische Veranstaltungen und Publikationen erfolgen; beispielsweise durch Fachexkursionen auf die Demonstrationsflächen, Schulstunden im Weinberg und Präsentationen auf Drittveranstaltungen.