Startseite/Umwelt/Klimawandel
14 December 2018 / Lesezeit: 3 minuten

Klimawandel verlangsamen

Wie Reiche die Klimakrise verlangsamen können

Aufgrund ihres Konsum und Lebensstils trägt das reichste Prozent der Bevölkerung auch eine besondere Verantwortung im Kampf gegen die Klimakrise

Titelbild: christian buehner/Unsplash

Titelbild: christian buehner/Unsplash

Der Wissenschaftler Franz Josef Radermacher will den Klimawandel bremsen. In seinem Buch „Der Milliarden-Joker“ macht er einen neuen Vorschlag, wie das gehen kann: Das eine Prozent der Weltbevölkerung mit dem höchsten CO2-Ausstoß soll CO2-Reduktionsprojekte finanzieren

Wir haben aus heutiger Sicht keine Chance, einen begrenzten Klimawandel zu stoppen, denn ein solcher Wandel hat ja bereits begonnen und diesen rückgängig zu machen, ist aktuell kein Thema. Im Moment geht es darum, den vor unseren Augen erfolgenden Klimawandel in der Wirkung (deutlich) unter 2 Grad zu stoppen, damit sich die Prozesse nicht weiterentwickeln in Richtung 3 Grad oder mehr.

Zeitgewinn ist dabei im Moment ein entscheidender Faktor. Bis vor etwa zehn Jahren wäre Zeitgewinn noch kein so zentrales Thema gewesen, aber wir haben die letzten Jahre und Jahrzehnte nicht intelligent genug genutzt. Klimaneutralität unter Nutzung biologischer Sequestrierung eröffnet uns aber ein neues Zeitfenster, das wir nutzen können und dieses Mal auch nutzen müssen.

Dabei handelt es sich um das Binden von CO2 in großflächigen Aufforstungsprojekten und in massiver Humusbildung beziehungsweise Einsatz von Bio-Kohle im Bereich der landwirtschaftlichen Nutzung von Flächen.

Die Regierungen haben mit dem Pariser Abkommen geleistet, wozu sie in der Lage sind. Es wird wahrscheinlich nicht viel mehr passieren. Es besteht sogar die Gefahr, dass man hinter Paris wieder zurückfällt. Jetzt ist der Privatsektor gefordert. Er kann die Paris-Lücke von etwa 500 Milliarden Tonnen CO2 bis 2050 schließen – und kann gegebenenfalls auch noch deutlich mehr Tonnen verkraften.

Die Reichen sind als Hauptverursacher der Klimakrise gefragt

Für den Privatsektor gibt es dabei ein ganzes Arsenal überzeugender Hebel und Interventionspunkte. Diese beinhalten insbesondere globale Kompensationsprojekte auf Basis „verlorener“ Finanzierungszuschüsse.

Kompensation ist kein „Freikauf“, noch viel weniger ein „Ablasshandel“ oder „Greenwashing“ – es ist vielmehr der vielleicht wichtigste Beitrag zum Klimaschutz, der in der entwickelten Welt kurzfristig im großen Stil additiv zu dem möglich ist, was ohnehin gesetzlich vorgegeben wird, was die Politik international verabredet hat und noch verabreden wird – mit oder ohne Beitrag des US-Präsidenten.

Insbesondere der wohlhabende Teil der Weltbevölkerung ist als Hauptverursacher und Hauptprofiteur der Vermeidung einer Klimakatastrophe gefordert, zu handeln. Diese supranationale Personengruppe der „Top Emitters“ besteht aus Personen mit hohem Wohlstand, einem elaborierten Lebensstil und einem großen Aktivitätsspektrum, die teils 50, 100, 500 und sogar 1000 Tonnen CO2 pro Jahr emittieren. Es sprechen einige Indizien dafür, dass diese Gruppe mit ihrem Lebensstil für mindestens ein Viertel der weltweiten Klimagasemissionen verantwortlich ist, also für rund 10 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr. Pro Person und Jahr entspricht das etwa 130 Tonnen CO2.

Der wohlhabende Privatsektor kann für ein solches Verfahren gewonnen werden. Aus folgenden Gründen:

  1. Er ist wesentlich für das Klimaproblem verantwortlich.
  2. Durch Verhinderung einer Klimakatastrophe kann er seinen bisherigen Lebensstil absichern, der andernfalls durch eine Vielzahl von Verboten in Gefahr kommen wird.
  3. Er sichert seine Eigentumstitel ab, die im Falle einer Klimakatastrophe vielfach gefährdet sein würden.
  4. Die erforderliche Finanzierung ist aus Sicht dieses Bevölkerungssegments überschaubar, während sie die Politik überfordert.

Die Kosten von 150 bis 300 Milliarden Euro …

Will man 500 Milliarden Tonnen CO2 auf diese Weise bis 2050 über die beiden beschriebenen Wege einsparen, erfordert dies bilanzielle Einsparungen von im Mittel etwa 15 Milliarden Tonnen pro Jahr, damit fast die Hälfte der heutigen weltweiten CO2-Emissionen im Energiebereich.

Das Buch

Franz Josef Radermacher: „Der Milliarden-Joker. Wie Deutschland und Europa den globalen Klimaschutz revolutionieren können.“, Murmann-Verlag, 2018, 26 Euro

Bei der biologischen Sequestrierung werden, wenn man klug investiert, etwa 10 bis 20 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr gebunden. Dies geschieht, wenn man wiederaufforstet, wenn man forciert Humus bildet und Bio-Kohle einsetzt oder wenn man Feuchtgebiete wieder aktiviert. Im Moment ist dafür mit Kosten von 10 bis 20 Euro pro Tonne CO2 zu rechnen, wenn man eine qualitativ hochwertige Form der Kompensation anstrebt. Aktuell sind aber auch schon vertretbare Lösungen um die 3 Euro pro Tonne CO2 möglich. Für die notwendigen Einsparungen sind Kosten von vielleicht 150 bis 300 Milliarden Euro pro Jahr zu veranschlagen, es können zukünftig aber auch 500 Milliarden und mehr sein.

… sind nichts im Vergleich zum vorhandenen Vermögen

Legt man dieses benötigte Volumen an „verlorenen“ Finanzzuschüssen auf das eine Prozent der Menschen mit den höchsten Einkommen (beziehungsweise Vermögen) auf dem Globus um (etwa 75 Millionen Menschen), dann trifft es diese mit etwa 2000 bis 4000 Euro, später vielleicht auch mit 6000 Euro pro Jahr. Dies sind auch weit überwiegend die Menschen mit den höchsten individuell verursachten Klimagasemissionen (Top Emitters).

Mach’s gut!

Unterstütze unsere publizistische Unabhängigkeit

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, möchten wir die Inhalte auf enorm-magazin.de frei zugänglich halten und auf Bezahlschranken verzichten. Mit deinem Beitrag unterstützt Du uns dabei!

Jetzt unterstützen!

Zur Erinnerung: Dieser Personengruppe gehört zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Vermögenstitel auf dieser Welt, etwa 200.000 Milliarden US-Dollar, das heißt 200 Billionen US-Dollar. Die jährlichen Renditerückflüsse auf diese gewaltigen Vermögen sind massiv, es geht um viele tausend Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Der Lebensstil dieser Gruppe, in der Regel ein aufwendiger, teils luxuriöser, teils sogar glamouröser Lebensstil, ist in Gefahr, wenn es zu einer Klimakatastrophe kommen sollte und die Natur immer häufiger „zuschlägt“. Deshalb ist es eine Frage eines aufgeklärten beziehungsweise einsichtsvollen Egoismus (insightful selfishness) für diese Gruppe, die entsprechenden Finanzvolumen aufzubringen.