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27 August 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Kernobst im eigenen Garten

Auch Apfelbäume spüren den Klimawandel

Wer einen eigenen Baum im Garten hat, dem steht die Kernobsternte bevor. Doch der Klimawandel setzt auch den Obstbäumen zu. Wird die Ernte in Zukunft schlechter ausfallen?

Bild: imago images / Westend61

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Apfel, Birne und Co.: Kernobst aus dem eigenen Garten ist der Traum vieler Hobbygärtner*innen. Doch extreme Wetterereignisse führen zu Herausforderungen im Anbau. Müssen wir um unser Lieblingsobst fürchten?

Jahrhundertelang prägten Obstbäume das Landschaftsbild in Deutschland. Unter locker über die Landschaft verteilten hochstämmigen Obstbäumen bildeten sich in Wiesen und Hecken artenreiche Biotope. Doch dieser Anblick hat sich gewandelt unter dem Preisdruck des Marktes und den hohen Qualitätsansprüchen der Verbraucher*innen. Er ist Obstplantagen gewichen, in denen kleine, leicht zu beerntende Bäume im Spalier aufgereiht sind.

Das Alte Land, die Niederelberegion zwischen Hamburg und Cuxhaven, ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas. Im Esteburg Obstbauzentrum Jork haben sich mehrere Institutionen zusammengetan, um den Erwerbsobstbau mit Forschung, Beratung, Aus- und Weiterbildung zu unterstützen.

Höhere Temperaturen führen zu früherer Blütezeit

„Die Auswirkungen des Klimawandels verändert den Obstanbau schleichend“, sagt Institutsleiter Karsten Klopp. Anhand von langjährigen Wetterdaten haben die Expert*innen festgestellt, dass die Durchschnittstemperatur im Alten Land seit 1975 um 1,5 Grad gestiegen ist. Die Apfelbäume reagieren darauf mit einer verfrühten Blüte. Das heißt, sie blühen nicht mehr wie bisher im Mai, sondern schon im April.

„Problematisch ist dies, wenn es dann nochmal zu kalten Nächten kommt und die empfindlichen aufgebrochenen Knospen durch Frost zerstört werden“, erklärt Klopp. Die Vegetationszeit geht zudem nicht nur früher los, sondern dauert auch länger. „Und zwar bis in den November hinein“, fügt Henryk Flachowsky, Leiter des Julius-Kühn-Fachinstituts für Züchtungsforschung, hinzu.

Im Unterschied zu vor 20 bis 30 Jahren würden die länger reifenden Sorten wie der Braeburn jetzt besser reif. „Dem Hollsteiner Cox wird es hingegen in Norddeutschland allmählich zu heiß“, erklärt Klopp. Die veränderten Bedingungen werfen somit altes Wissen über den Haufen und erfordern Anpassung und Experimentierfreudigkeit in Anbau und Pflege.

Kernobst und Klimawandel: Mehr Insekten durch Wetterextreme

Die Unvorhersehbarkeit von Starkregen, Frost, Hagel und Trockenperioden machen es den Obstbauern nicht leicht. Hinzu kommt, dass die Wärme die Ausbreitung von Insekten und Pilzen begünstigt. „Schädlinge reagieren mit einer neuen Dynamik, verstärktem Wachstum und schnelleren Generationenfolgen“, sagt Klopp. Ohne menschlichen Eingriff ist die schmackhafte Frucht da schnell von Larven bevölkert oder von Pilzen durchzogen.

Auch am Julius-Kühn-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Dresden-Pillnitz, wird deshalb an Obstbäumen geforscht. „Unser Ziel ist es obstgenetische Ressourcen zu erhalten und gleichzeitig neue Sorten zu züchten, die mit den sich ändernden Bedingungen klarkommen“, sagt Flachowsky.

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Apfelbaum: Noch immer beliebt bei Hobbygärtner*innen

Im heimischen Garten wird der Apfelbaum trotz aller Unwägbarkeiten weiterhin viel und gern gepflanzt. „Apfelbäume sind mit Abstand die meistgepflanzten Kernobstbäume in deutschen Gärten, gefolgt von Birne, Quitte und Mispel“, weiß Johannes Schmitt von der Obstbaumschule Schmitt aus dem bayerischen Poxdorf. Das Sortenspektrum ist hier, laut dem Obstbaumexperten, im Gegensatz zum kommerziellen Anbau noch weit gefächert.

Schmitt sieht im Hobbygartenbereich bisher keine Notwendigkeit das Sortenspektrum zu überdenken. Für notwendig hält er hingegen Veränderungen in der Veredelung. Wer einen Obstbaum kauft, erhält eigentlich zwei Bäume unterschiedlicher Sorte in einem: Die Wurzeln stammen von einem Baum, der veredelt wurde, sie bilden die Unterlage. Stamm, Krone und Früchte stammen von einem anderen Baum und bestimmen die gewünschte Sorte. Die Wahl der passenden Unterlage wird aufgrund trockener Jahre immer entscheidender.

„Die Wuchsstärke muss erhöht werden, denn der Baum braucht ein größeres Wurzelvolumen, um Wasser aus tieferen Regionen besser erschließen zu können“, sagt Schmitt. Flachowsky bestätigt dies: Ist ein Baum gut im Boden verankert, kommt er laut des Experten auch mit wochenlangen Trockenperioden gut zurecht.

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Kernobst und Klimawandel: Ressourcen sparen für die Zukunft

Des Weiteren rät Flachowsky die Baumscheiden sauber zu halten und nach Möglichkeit mit Rasenschnitt und Hackschnitzeln abzudecken, um der Verdunstung mit Wasser entgegenzuwirken. Wasser ist im deutschen Obstanbau bisher kein begrenzender Faktor. Schmitt plädiert jedoch zu einem nachhaltigen Ressourcenumgang. „Bei der gezielten Wässerung durch Bewässerungssäcke mit Tropfvorrichtungen, die über den Tag verteilt Wasser an die Baumscheide abgeben, geht kein Tropfen ungenutzt verloren“, betont der Experte.

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Schutz vor zu hoher Sonneneinstrahlung und einem Sonnenbrand der Früchte bietet der passende Standort im Halbschatten. „Kleinere Bäume können mit Planen abgedeckt werden“, erklärt Schmitt. Auch um die Bäume gegen Frühjahrsfröste zu schützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. „In der Nähe des Baumes platzierte Gartenfackeln oder Feuerschalen schützen vor kalten Nächten. Bei kleinen Bäumen reicht ein über die Krone geworfener Flies“, sagt Schmitt. Auch eine Frostschutzberegnung mit dem Gartensprenger hält er für sinnvoll.