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19 August 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Jede*r Zweite betroffen

Wetterfühligkeit ist keine Einbildung

„Knapp die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland leidet unter Wetterfühligkeit,“ sagt Prof. Angela Schuh, Leiterin des Fachbereichs für Medizinische Klimatologie, Kurortmedizin und Prävention an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Bild: imago images / Westend61

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Es kann wirklich am Wetter liegen, wenn wir uns nicht wohlfühlen: Wetterfühligkeit ist ein wissenschaftlich bewiesenes Phänomen. Expert*innen kennen Tricks, mit denen man vorbeugen kann.

Kopfschmerzen, schlechter Schlaf, Schwindel und allgemeine Abgeschlagenheit: Diese Symptome können vom Wetter ausgelöst werden. Viele Menschen bezeichnen sich selbst als wetterfühlig – und das ist keine Einbildung. „Es ist eindeutig nachgewiesen, dass Wetterfühligkeit existiert“, betont Prof. Angela Schuh, Leiterin des Fachbereichs für Medizinische Klimatologie, Kurortmedizin und Prävention an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Knapp die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland leidet darunter.“

Organismus reagiert aufs Wetter

Doch nicht alle, die Auswirkungen des Wetters in ihren Körpern spüren, sind unbedingt wetterfühlig. „Wir unterteilen Menschen in verschiedene Gruppen“, erklärt Prof. Andreas Matzarakis, der als wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Freiburg arbeitet. Er führt aus: „Wetterreagierend sind wir eigentlich alle. Wenn die Sonne scheint, freuen wir uns. Wenn es drei Tage hintereinander regnet, schlägt das auf die Stimmung.“

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Bei wetterfühligen Menschen reagiert jedoch nicht nur die Stimmung, sondern der Organismus auf Wetteränderungen. „Wenn zum Beispiel nach einem Hochdruckgebiet ein Tiefdruckgebiet kommt, wird das zu einer verstärkten Herausforderung für den Körper“, so der Biometeorologe. Die dritte Gruppe – neben wetterreagierenden und wetterfühligen – sind wetterempfindliche Menschen: „Sie zeigen sehr starke Symptome, zum Beispiel schmerzt ihr Knie oder sie haben Atembeschwerden“, sagt Matzarakis. In diesen Fällen sei das Wetter nicht die Ursache für die Probleme, aber es verstärke sie. „Wetterempfindliche Menschen haben meist eine längere Krankheitsgeschichte.“

Wetterfühligkeit vorbeugen

Bei einer Wetterfühligkeit müssen keine chronischen Erkrankungen vorliegen. Es gibt jedoch verschiedene Voraussetzungen, die Menschen anfällig dafür machen: „Mitverantwortlich für Wetterfühligkeit ist der Trainingszustand des Körpers“, erklärt Angela Schuh. „Ein Ausdauertrainingsmangel wirkt sich negativ aus, gleichzeitig sind auch Menschen, die übertrainiert sind, besonders empfindlich“, sagt die Expertin. Zur Prävention wirke am besten leichtes, moderates Ausdauertraining. Dabei ist man bestenfalls nicht zu warm angezogen: „Man sollte eine leicht kühle Körperschale haben, aber nicht frieren“, rät die Professorin.

Auch ein sogenannter thermoregulatorischer Trainingsmangel führe zur Wetterfühligkeit. „Dieses System können wir ebenfalls trainieren“, so Schuh. „Zum Beispiel durch Kneippsche Anwendungen, Warm-Kalt-Duschen oder Saunabesuche ─ immer in Absprache mit einem Arzt.“ Ernährung und Schlafverhalten sind weitere Faktoren: „Wer Wetterfühligkeit wegtrainieren will, sollte allgemein ein gesundes Leben führen“, sagt die Expertin. „Dazu gehört auch die Beachtung der inneren Uhr und ausreichender Schlaf.“

Insgesamt hilft ein guter Gesundheitszustand dabei, Wetterwechsel ohne Probleme zu überstehen. „Wetterfühligkeit ist meist nicht die Hauptursache für Probleme, sondern das, was das Glas zum Überlaufen bringt“, betont Andreas Matzarakis.

Wetterfühligkeit: Hochdruckgebiete sorgen selten für Probleme

Vor allem ein Wetterumschwung kann wetterfühlige Personen aus dem Gleichgewicht bringen und neben Schwindel oder Kopfschmerzen auch zu gereizter Stimmung, Konzentrationsstörungen und Nervosität führen. „Die meisten Symptome der Wetterfühligkeit zeigen sich bei Tiefdruckgebieten“, erklärt Matzarakis. Durch Hochdruckgebiete treten in der Regel die wenigsten Beschwerden auf ─ es sei denn, sie bringen im Sommer starke Hitze mit sich.

Was bei dem Thema aus Matzarakis‘ Sicht häufig vergessen wird: Das Wetter kann nicht nur negative, sondern auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben: „Rheumatische Beschwerden oder Herz-Kreislauf-Probleme können gelindert werden.“

Sind Biowetter-Vorhersagen sinnvoll?

Ist man anfällig für Wetterwechsel und möchte gewappnet sein, kann man sich Vorhersagen zum sogenannten Bio- oder Gesundheitswetter ansehen. Wie wirksam diese sind, darüber sind Fachleute allerdings uneinig. Der DWD stellt diese Informationen online kostenlos zur Verfügung. Matzarakis ist der Meinung, dass sie Betroffenen helfen können: „Wer wetterfühlig ist und sich die Vorhersagen ansieht, kann entsprechend reagieren“, sagt er. „Man kann sich besonders gut ernähren oder mehr Flüssigkeit zu sich nehmen.“ Das könne Beschwerden etwas abmildern.

Angela Schuh steht den Vorhersagen eher skeptisch gegenüber: „Wer wirklich darunter leidet, zum Beispiel als Rheumatiker, der weiß auch anhand des normalen Wetterberichts, was auf ihn zukommt“, sagt sie. „Wir befürchten eher, dass diese Vorhersagen die Menschen nervös machen können.“ Von Wetterfühligkeit seien Frauen etwas mehr als Männer betroffen, weil ihre Thermophysiologie anfälliger für das Wetter sei, erklärt Andreas Matzarakis. „Sie haben eine größere Körperoberfläche in Bezug auf ihr Gewicht, außerdem weniger Schweißdrüsen. Deshalb leiden sie stärker unter Hitze und großer Kälte.“

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