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19 April 2017 / Lesezeit: 3 minuten

Energiewende

Erste Windparks ohne Subventionen

2025 soll Deutschlands erster Offshore-Windpark eröffnen, der komplett ohne Förderung und Subvention durch die EEG-Umlage auskommt

Titelbild: Gritte/Unsplash

Titelbild: Gritte/Unsplash

Um die Energiewende billiger voranzubringen, setzt Deutschland seit Kurzem nicht mehr auf festgesetzte Vergütungen, sondern Ausschreibungen. Die erste dieser Art für Offshore-Windanlagen offenbart Überraschendes: So viel Förderung braucht es gar nicht

Wer zahlt für die Energiewende? Unabhängig davon, wer es vielleicht sollte, lautet de facto ein Teil der Antwort: jeder – und zwar jeder, der Strom kauft. Über die EEG-Umlage zahlen wir derzeit fast sieben Cent pro Kilowattstunde. Das sind je nach Verbrauch wenige hundert Euro, jedes Jahr. Damit will die Regierung sicherstellen, dass erneuerbare Energien entsprechend gefördert und verstärkt ausgebaut werden können.

Dabei ist die EEG-Umlage immer stärker gestiegen, teilweise um 80 Prozent pro Jahr. Seit 2007 hat sie sich fast versiebenfacht. Schuld waren vor allem feste Förderzusagen für die Erneuerbaren – je mehr gebaut wurde, desto mehr musste natürlich gefördert werden.

Zumindest bei den Offshore-Windanlagen zeichnet sich jetzt aber anscheinend ein gegenteiliger Trend ab: Die Fördersummen sinken – jetzt sogar so weit, dass erstmals Windparks ohne Fördergelder gebaut werden sollen.

Das zeigt eine Ausschreibung der Bundesnetzagentur für vier Projekte über 1550 Megawatt in Nord- und Ostsee. Vier Projekte erhielten einen Zuschlag, drei davon verantwortet das dänische Unternehmen Dong, eines der baden-württembergische Energieversorger EnBW. Dessen Windpark „He Dreiht“ sowie „OWP West“ und „Borkum Riffgrund West 2“ sind aber die eigentlich interessanten Projekte in der Ausschreibung – denn alle drei sollen komplett ohne Subventionen gebaut werden – und wäre damit die ersten ihrer Art in Deutschland. Die Windparks sollen zwischen 2023 und 2025 in Betrieb genommen werden.

Warum geht es ohne Subventionen?

Da stellt sich natürlich die Frage: Wie kommt’s? Und ist die EEG-Umlage ein einziger Schwindel, den man den Verbrauchern jahrelang aufgebürdet hat? Zunächst zum ersten Punkt: Ein Grund für das Weniger an Förderungen ist die Form der Vergabe selbst. Bisher galt grob gesagt: Wer baut, wird pauschal gefördert, mit einer festen Summe pro Kilowattstunde.

Nun ist die Bundesnetzagentur aber zu Ausschreibungen übergegangen. Wer die geringste EEG-Förderung braucht, bekommt den Zuschlag. Die Logik dahinter: Der Wettbewerb soll’s richten, damit die Umlage nicht weiter steigt und die Stromkunden (vor der Bundestagswahl) nicht weiter verärgert werden.

Der Plan scheint aufzugehen: Wurden bei Offshore-Windanlagen bislang Anfangsförderungen von rund 19 Cent gezahlt, sind es bei den ersten Ausschreibungs-Projekten im Durchschnitt lediglich 0,44 Cent. Dieser Wert hat auch die Bundesnetzagentur nach eigener Aussage überrascht. Gleichzeitig dämpft man dort die Erwartungen: Bei künftigen Ausschreibungen könnten die Fördersummen wieder steigen. Ein Wink an die Wettbewerber seien die Ambitionen von EnBW und Dong aber allemal.

Ein weiterer Grund, den EnBW für seine 0-Cent-Förderung angibt, ist die steile Lernkurve bei den Ingenieuren. So heißt es in einer Pressemitteilung: „Mit einer geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2025 wird der Windpark von der rasch fortschreitenden Technologieentwicklung und weiterer Professionalisierung in der Windenergiebranche profitieren.“

Viel Spekulation, wichtiges Signal für Windenergie

Heißt nichts anderes als: Man spekuliert darauf, dass die Technologie sich in einigen Jahren selbst tragen und rentieren kann. Zudem gehen Experten von weiter wachsenden Strompreisen aus, hinzu kommt das derzeit niedrige Zinsniveau, was die Kreditaufnahme erleichtert.

Ein ähnliches Bild zeigt sich übrigens auch bei Solarenergie. In Chile beispielsweise konnte sich ein Anbieter von Sonnenstrom im letzten Jahr als günstigster bei einer entsprechenden Auktion durchsetzen. Damit zeigt sich, dass die Erneuerbaren auf einem guten Weg sind, von sich aus auch wirtschaftlich mit konventioneller Energieerzeugung mithalten zu können.

Ist die EEG-Umlage also obsolet? Mittelfristig wohl eher nicht, das zeigt gerade auch die erwähnte Offshore-Windpark-Ausschreibung. Will man ohne Subventionen bauen, muss man eine weiterhin steile Innovationskurve annehmen, der Strompreis darf nicht zu sehr fallen, die Zinsen dürfen nicht rapide steigen, undsoweiter. Dazu sollte man allerdings auch sagen, dass die Energieversorger entsprechend langfristiges Planen gewohnt sind. EnBW hat nur den ersten Schritt gemacht, will das Unternehmen sich nicht blamieren, muss es liefern.

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Dass Unternehmen erstmals ohne Subventionen bauen wollen, ist ein wichtiges Signal, weil es zeigt: Es geht auch ohne. Bei der Bundesnetzagentur glaubt man außerdem nicht, dass die Projekte scheitern. Pressesprecher Fiete Wulff verweist auf hohe Sicherheitszahlungen, die die Unternehmen hinterlegen müssen. Wird nicht gebaut, werden diese nicht erstattet. Man gehe davon aus, dass die Firmen entsprechend der Ausschreibung gut geplant haben und die Windparks so realisiert werden.

 

Update: In einer früheren Version des Artikels war lediglich davon die Rede, dass das Projekt „He Dreiht“ ohne Subventionen gebaut werden soll. Tatsächlich ist das bei zwei der drei Windparks des Unternehmens Dong ebenfalls der Fall. Der Artikel wurde entsprechend überarbeitet.