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16 September 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Rentable Solarparks

Lichtblick für die Energiewende

Der Solarpark Lieberose in Brandenburg zählt mit einer Modulfläche von etwa 50 0000 Quadratmetern zu den größten in Deutschland. Neben genügend Sonneneinstrahlung ist eine gewisse Größe einer Anlage nötig, um wirtschaftlich rentabel zu sein.

Bild: imago images / photothek

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Die Energiewende ist teuer. Mit viel Geld müssen die Stromverbraucher*innen den Einsatz der erneuerbaren Energien finanzieren. Solarparks, die ohne Zuschüsse auskommen, könnten für Entlastung sorgen.

In Deutschland wird immer mehr Strom mit erneuerbaren Energien erzeugt. Weil der Strompreis an der Börse derzeit relativ niedrig ist, steigen die Kosten für die Förderung von Ökoenergien. Denn die Differenz zwischen dem Börsenpreis und den garantierten Erlösen für die Produzent*innen muss von den Verbraucher*innen über die EEG-Umlage aufgebracht werden. Fast 21,5 Milliarden Euro sind dieses Jahr bis Ende August an die Betreiber*innen von EEG-geförderten Anlagen geflossen, 40 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.

Anlagen mit mehr als zehn Megawatt Leistung bekommen keine EEG-Förderung. Lange Zeit wurden sie nicht gebaut, weil es zu teuer war. Doch zumindest beim Solarstrom gibt es inzwischen die ersten Anlagen, die nach Angaben der Betreiber*innen auch ohne Zuschüsse rentabel sind – auch weil die Solarmodule in den vergangenen Jahren deutlich preiswerter geworden sind.

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Immer mehr förderfreie Solarparks im Netz

Nach Schätzungen des Berliner Beratungsunternehmens Energy Brainpool wurden mittlerweile in Deutschland Lieferverträge für rund 560 Megawatt Strom aus förderfreien Solarparks abgeschlossen. „Das sind rechnerisch Solarparks mit einer Gesamtfläche von etwa 1100 Fußballfeldern“, sagt Energy-Brainpool-Experte Fabian Huneke. Zum Vergleich: Das Ende Mai gegen Proteste von Klimaschützer*innen ans Netz gegangene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 hat eine Leistung von 1100 Megawatt.

Marktbeobachter Huneke erwartet, dass in diesem Jahr Anlagen mit einer Gesamtleistung von 250 Megawatt mit der Stromproduktion beginnen. Einen dieser Solarparks baut der baden-württembergische Energieversorger EnBW derzeit in Brandenburg. Mit einer Leistung von 187 Megawatt gilt das Projekt Weesow-Willmersdorf als aktuell größter Solarpark in Deutschland. Die erste Kilowattstunde soll noch in diesem Monat ins Stromnetz eingespeist werden, danach geht die Anlage schrittweise komplett in Betrieb.

Subventionsfreier Solarstrom: Wirtschaftlichkeit und schwankende Börsenpreise

Um ein Photovoltaik-Projekt ohne EEG-Förderung wirtschaftlich umsetzen zu können, sei neben viel Sonneneinstrahlung auch eine gewisse Größe der Anlage nötig, heißt es bei EnBW. Aus heutiger Sicht sei „eine wirtschaftliche Realisierung ab 50 Megawatt möglich“. Denn neben den Solarmodulen ist der Netzanschluss mit eigenem Umspannwerk ein erheblicher Kostenfaktor. EnBW investiert in den neuen Solarpark vor den Toren Berlins rund 100 Millionen Euro.

Damit Solarparks ohne garantierte Vergütungen nicht den schwankenden Börsenpreisen ausgesetzt sind, brauchen ihre Betreiber*innen die Sicherheit, dass ihnen der Strom zu einträglichen Preisen abgenommen wird, etwa über langfristige Lieferverträge, auch PPA genannt. In Deutschland stehe der PPA-Markt aber „auf Grund des EEG-Systems noch in den Startlöchern“, sagte eine Sprecherin des Energiekonzerns Statkraft. Das Thema nehme aber „immer mehr an Fahrt auf“.

Statkraft bietet auch in Deutschland als eine Art Zwischenhändler langfristige Lieferverträge für förderfreien Strom an. Ein Abnehmer ist der Düsseldorfer Ökostromanbieter Naturstrom. Er wird von Oktober an über Statkraft Strom aus einem Solarpark in Oberbayern beziehen und an seine Kunden verkaufen. Einen kleineren Vertrag hatten Naturstrom und Statkraft bereits Anfang des Jahres geschlossen.

„Der Markt für Solarstrom-Lieferverträge kommt gerade ins Rollen“, ist Naturstrom-Vorstandschef Chef Thomas Banning überzeugt. Damit entfalle „der Umweg über die EEG-Vergütung“ und „die Energiewende kommt in der breiten Masse an“.

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Subventionsfreier Solarstrom ist noch ein Nischenprodukt

Auch der Energieriese RWE wittert mittlerweile Chancen beim Verkauf von subventionsfreiem Ökostrom. Das Essener Unternehmen wird im Rahmen eines PPA Bosch mit Grünstrom aus mehreren kleineren Solaranlagen in Süddeutschland beliefern. Auch Statkraft versorgt den Technologiekonzern mit Solarenergie. Gerade die Klimaziele der Industrie seien ein wichtiger Treiber für den Bedarf an förderfreiem Ökostrom, sagte Marktexperte Huneke.

Noch ist subventionsfreier Solarstrom ein Nischenprodukt. Die Projekte seien derzeit „nur unter Idealbedingungen“ zu realisieren, räumt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft ein. „In der zweiten Hälfte der 2020er Jahren dürften sich die Investitionsbedingungen für förderfreie Photovoltaik-Kraftwerke aber verbessern.“ Dafür würden weiter sinkende Investitionskosten und der erwartete Anstieg der CO2-Preise für Kohle und Gas sorgen.

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Mit rund 9000 Megawatt förderfreier Solarleistung rechnen laut Körnig Marktforscher bis Ende der 2020er Jahre. Aber auch dann werden förderfreie Solarparks nur einen recht kleinen Anteil der Erzeugung von Solarstrom abdecken. Denn schon jetzt sind nach Zahlen der Bundesnetzagentur in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 52 000 Megawatt installiert.