Startseite/Umwelt/Erneuerbare Energien/Ökostrom
11 February 2018 / Lesezeit: 2 minuten

Energiewende

Ökostrom direkt vom Erzeuger

Ein neues Start-up ermöglicht Ökostrom direkt von Solaranlagen- und Windkraftbetreibern zu kaufen

Titelbild: Koushik Chowdavarapu/Unsplash

Titelbild: Koushik Chowdavarapu/Unsplash

Das Start-up Enyway bringt Ökostromproduzenten und Energieverbraucher ohne Umweg zusammen. Über die Online-Plattform können Kunden direkt von Solaranlagen- und Windkraftbetreibern ihren Strom kaufen

Wer in seiner Wohnung echten Ökostrom verwenden will, hat inzwischen zahlreiche Möglichkeiten unter Anbietern zu wählen. Mit Enyway kommen nun einige weitere hinzu. Das Start-up von Heiko von Tschischwitz, der bereits Lichtblick zu einem der größten deutschen Grünstromanbieter gemacht hat, ist selbst kein Stromanbieter.

Enyway will Stromanbieter und Kunden direkt miteinander verbinden

Stattdessen will Enyway möglich machen, was Airbnb für die Vermietungsbranche geschaffen hat: eine Online-Plattform über die Stromanbieter und Stromkäufer direkt miteinander Verträge abschließen können. „Das neue daran ist, dass die Erzeuger zum ersten Mal direkt zum Energieversorger werden“, sagt Ralph Kampwirth von Enyway. „Das ist ein radikal neuer Weg.“

Rechtlich ist das so: Jeder Stromversorger muss über die Bundesnetzagentur zugelassen sein. Genau das erledigt der Plattformanbieter für Ökostromproduzenten. Enyway macht also aus jedem einzelnen Windrad- oder Solaranlagenbetreiber, der sich auf der Plattform anmeldet zum vollwertigen Stromversorger. Das Plattformunternehmen Enyway organisiert für seine Kunden alle notwendigen Dienstleistungen, etwa wenn der der gewählte Erzeuger gerade keinen Strom liefern kann. Ist dies der Fall, organisiert Enyway die Ersatzstromlieferung aus ebenfalls zertifizierten Ökostromquellen.

Für den Erzeuger bedeutet das, er verkauft seinen Strom nicht mehr anonym über den Großhandel oder über die Börse. Das hat Konsequenzen für das Marketing. Der Erzeuger muss seinen Kunden erklären, warum ausgerechnet er den Strom liefern soll. Und so finden sich auf der Plattform von den dutzenden Anbietern allerlei persönliche Geschichten. Etwa die von Jan aus Scheeßel, der die alte Wassermühle seiner Familie restauriert hat und nun den erzeugten Strom zum Verkauf anbietet. Oder Henrich und Olaf, die 1998 – zu einer Zeit als Strom aus erneuerbaren Energien noch als fixe Idee von Ökospinnern galt – eines der ersten Windräder in Deutschland überhaupt gebaut haben.

Jeder Anbieter hat seine eigene Geschichte

„Mit diesen tollen Geschichten wird das Ganze persönlich. Strom bekommt hier sozusagen ein Gesicht“, sagt Kampwirth. „Unabhängig von den wirtschaftlichen Vorteilen wird gerade diese persönliche Qualität des Angebots von den Erzeugern geschätzt. Viele finden es toll, die Möglichkeit zu bekommen, ihren Strom nicht anonym in der großen Masse verschwinden zu lassen.“

Mach’s gut!

Unterstütze unsere publizistische Unabhängigkeit

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, möchten wir die Inhalte auf enorm-magazin.de frei zugänglich halten und auf Bezahlschranken verzichten. Mit deinem Beitrag unterstützt Du uns dabei!

Jetzt unterstützen!

Anbieten kann im Grunde jeder Betreiber einer noch so kleinen Solaranlage; das Modell rechnet sich allerdings erst ab einer Anlagengröße von etwa 100 Kilowatt, da natürlich Nutzungsgebühren für die Plattform fällig werden. Den Preis für sein Stromangebot kann der Anbieter selbst gestalten. Im Schnitt sind die Angebote, die sich derzeit auf der Plattform finden, vergleichbar mit anderen Ökostromangeboten. Die Verträge sind monatlich kündbar.

Der Wechsel ist genauso unkompliziert wie bei allen anderen Anbietern: Einfach den gewünschten Stromlieferanten auswählen und direkt über die Webseite den Vertrag abschließen. Enyway verfolgt das Ziel, 2018 Stromlieferverträge in fünfstelliger Höhe zu generieren. Ob das gelingt, muss sich zeigen. Denn die allermeisten Haushalte scheuen trotz des umfangreichen Angebots und der einfachen Wechselmöglichkeit den Wechsel ihres Stromanbieters.