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22 April 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Reinere Luft, weniger Autos

Die Krise als Chance für die Verkehrswende

Eine Frau fährt entlang des Großen Gartens in Dresden. Die Coronakrise führt zu mehr Radfahrer*innen und weniger Autoverkehr.

Imago Images / photothek

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Videokonferenzen statt Dienstreisen, Fahrrad statt Auto: Die Coronakrise könnte die Verkehrswende voranbringen.

Die Denkfabrik Agora Verkehrswende und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club sehen in der Corona-Krise die Chance, die Verkehrswende in Deutschland voranzubringen. „Es zeigt sich gerade, wie dringend wir sichere, breite Radwege brauchen. Sie sichern Mobilität und gleichzeitig auch die Gesundheit. Berlin richtet aus diesem Grund gerade mit einfachen Mitteln rasch neue temporäre Radwege ein. Das nützt uns über die Corona-Zeit hinaus auch bei der Verkehrswende“, sagt Wolfgang Aichinger, Projektleiter städtische Mobilität bei Agora Verkehrswende. Das könnten viele Städte nachmachen, die Pläne für den Ausbau der Radinfrastruktur gebe es längst, nur habe es bislang häufig an der Umsetzung gehapert.

Verkehrsbelastung in Städten teilweise um 40 Prozent gesunken

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hofft auf Effekte wegen Corona und warnt zugleich vor zu großen Erwartungen. „Ich habe den Eindruck, dass viele Verkehrsplaner und Politiker diese Chance ergreifen und dauerhafte Änderungen umsetzen wollen“, sagt René Filippek vom ADFC. „Ich glaube aber nicht, dass auf einmal alles umkippt und dass in Deutschland das Fahrradparadies ausbricht. Aber in vielen Städten kann Corona durchaus einen nachhaltigen Impuls geben.“
Nach Angaben des ADFC ist die Verkehrsbelastung in den Städten wegen der Corona-Krise teilweise um 40 Prozent gesunken. „Die Hoffnung ist, dass jetzt sehr viel mehr Menschen das Rad entdecken für den Alltagsverkehr und es auch nach Corona weiter nutzen. Aber dafür hängt natürlich extrem viel daran, wie die Radinfrastruktur angepasst wird, die vielerorts längst ihre Grenze erreicht hat“, sagt Filippek. Verändere man die Infrastruktur nicht langfristig, könnte sich der Corona-Effekt wieder umkehren. Der Bund fördere Radverkehrsprojekte, Filippek forderte Länder und Kommunen auf, diese Gelder in der Corona-Krise noch stärker zu nutzen.

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Aichinger von der Denkfabrik Agora definiert den Begriff Verkehrswende vor allem mit Klimaschutz. Das auch von der Politik festgelegte Ziel sei, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu wirtschaften und zu leben. Im Verkehr solle das unter anderem erreicht werden mit mehr Bussen und Bahnen, besseren Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer, weniger konventionellen Autos und mehr E-Mobilität.
Aus Sicht des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) gewinnt das Auto in der Corona-Krise eher an Bedeutung – vor allem unter dem Gesichtspunkt der Ansteckungsgefahren. „Umso wichtiger ist es, emissionsarme Fahrzeuge auf die Straßen zu bringen“, sagte ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh. Eine Reduzierung der Debatte auf den Radverkehr sei verkürzt.
Chancen ergeben sich aus Sicht des ADAC insbesondere durch die Digitalisierung. „Die Erfahrungen von funktionierendem Homeoffice sollten wir nutzen, um vor allem auch mit Blick auf den Pendlerverkehr eine Entlastung zu erreichen. Auch mehr Videokonferenzen statt Dienstreisen können einen Beitrag zur Entlastung unserer Straßen sowie zum Klimaschutz leisten“, sagte van Randenborgh.