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6 März 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Heilsame Wirkung von Musik

„Sich ausheulen und danach wieder besser fühlen“

Kopf aus, Musik an: Denn sie kann uns dabei unterstützen, negative Stimmungen in positive umzuwandeln. Die Klänge helfen, dass wir uns wieder besser fühlen und können sogar schmerzlindernd wirken.

BILD: UNSPLASH/ERIC NOPANEN

BILD: UNSPLASH/ERIC NOPANEN

„Good Vibes“, „Happy Hits“ oder „Mood Booster“ – Playlists wie diese machen Hoffnung auf eine heilsame Wirkung. Mit „Melancholia“ und „Broken Heart“ kann man sich stattdessen in den Schlaf weinen. Warum akustische Stimmungsmacher tatsächlich eine ziemlich gute Idee sind, erklärt Musikpsychologe Stefan Koelsch.

„Musik hat ein ganz besonderes therapeutisches und heilsames Potenzial. Das können wir nutzen, um unseren Körper bei der Heilung zu unterstützen. Wenn etwa negative Emotionen und Stimmungen diese Heilkräfte blockieren, kann Musik helfen, sie in positive umzuwandeln. Bei Musik, die Spaß oder Freude macht, wird besonders viel Dopamin ausgeschüttet. Das ist ein Botenstoff, mit dem sich das Gehirn auch jung hält. Das Gehirn von Amateur-Musikern und -Musikerinnen ist vergleichsweise jünger.

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Stefan Koelsch ist Professor für Biopsychologie und Musikpsychologie an der Universität Bergen, Norwegen.
Bild: Nils Westra
Die pharmazeutische Forschung hat kein besonderes Interesse daran, Geld zu investieren. Dabei kann Musiktherapie auch bei Depressionspatienten Wunder wirken.
Stefan Koelsch, Professor für Biopsychologie und Musikpsychologie

Musik kann so dazu beitragen, neurodegenerativen Krankheiten, wie Alzheimer, vorzubeugen. Musik kann auch Schmerzen während medizinischer Eingriffe reduzieren. Bei chronischen Schmerzen ist die Studienlage jedoch längst nicht so dicht, wie ich mir das wünsche. Das liegt teilweise daran, dass die pharmazeutische Forschung kein besonderes Interesse daran hat, Geld zu investieren. Dabei kann Musiktherapie auch bei Depressionspatienten Wunder wirken und einen kleinen Durchbruch schaffen.

Ein wichtiger Tipp für depressive Patienten: Man sollte, wenn es einem gut geht, eine Playlist zusammenstellen, die mit trauriger Musik anfängt und mit Musik in der Stimmung endet, in die man kommen will.
Stefan Koelsch, Professor für Biopsychologie und Musikpsychologie

Musik kann auch helfen, Resilienzen aufzubauen. Viele Menschen fühlen sich von traurig klingender Musik verstanden und nicht mehr allein mit ihrem Problem. Das kann dabei unterstützen, sich auszuheulen und sich danach wieder besser zu fühlen. Ein wichtiger Tipp für depressive Patienten: Man sollte, wenn es einem gut geht, eine Playlist zusammenstellen, die mit trauriger Musik anfängt und mit Musik in der Stimmung endet, in die man kommen will, also eher ermutigend, fröhlich oder aktivierend.“

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