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6 November 2019 / Lesezeit: 4 minuten

In eigener Sache: Konsum neu gedacht

Planet over Profit

GoodBuy will der Welt mehr zurückzugeben als ihr zu nehmen.

TITELBILD: GoodBuy GmbH

TITELBILD: GoodBuy GmbH

GoodBuy will unseren Konsum verbessern. Die Produkte des neuen Shops der Good Impact Family sollen mehr sein als nur nachhaltig, sondern für Mensch und Natur einen Mehrwert bieten. Der Kauf einer Schokolade unterstützt etwa Frauen in der Demokratischen Republik Kongo, der einer Zahnbürste Trinkwasserprojekte.

Eigentlich mag er Schokolade nicht besonders. Dennoch hat gerade eine Schokolade Simon Böhnlein am meisten beeindruckt: die ultra dunkle Sorte „Piura“ von „Original Beans“. Es gibt sie auch im Online-Shop GoodBuy, den er – unterstützt vor allem von Juliane Siegmund und mit weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern – Anfang Oktober eröffnet hat. Seit Anfang November stehen die Produkte auch in einem Laden in Berlin-Friedrichshain. Ihr Zweck: Der Welt mehr zurückzugeben als ihr zu nehmen. Bei GoodBuy zu kaufen, soll einen positiven Mehrwert schaffen – sei es in ökologischer, sozialer oder wirtschaftlicher Hinsicht.

„Original Beans“ haben den Gründer wegen ihres besonders umfassenden Konzepts überzeugt: Die Schokolade ist nicht nur Bio, sondern auch klimapositiv. Das heißt für jede verkaufte Tafel wird ein Baum gepflanzt. Der Handel mit seltenen Kakaosorten unterstützt außerdem indigene Kleinbauern und fördert Frauen einer Kakaokooperative in der Demokratischen Republik Kongo mit Bildungsprojekten.

Immer mehr Menschen interessieren sich für die Auswirkungen ihres Konsums – und kaufen etwa fair gehandelte Produkte. Laut Forum Fairer Handel waren es im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Euro – ein Umsatzplus von 15 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017. Konsumentinnen und Konsumenten sind also bereit, einen höheren Preis für Bananen, Kleidung und Kaffee zu bezahlen. Dadurch erhalten die Produzentinnen und Produzenten einen garantierten Mindestpreis und außerdem eine Prämie, die etwa in soziale Projekte fließen kann.

Die Produkte müssen das Ziel haben, die Welt aktiv besser zu machen.
Simon Böhnlein, GoodBuy

Doch das Konzept von GoodBuy soll noch einen Schritt weiter gehen: Die Produkte im Sortiment müssen einen Mehrwert bieten. „Der Kauf unserer Produkte soll etwas zurückgeben. Die Produkte müssen das Ziel haben, die Welt aktiv besser zu machen“, sagt der 30-jährige Gründer.

Bei der Eröffnung des GoodBuy-Ladens zeigen sich auch die Produktpartner begeistert vom Konzept. So auch Maren Haverkamp von „Forest Gum”. Seit November bietet das im Frühjahr 2019 gegründete Start-up eine Kaugummi-Alternative. Denn bei konventionellen Kaugummis kaut man auf Plastik, ähnlich dem, was auch in Autoreifen oder Kunststoffflaschen steckt. „Weil wir das ziemlich eklig fanden, haben wir das geändert”, sagt Haverkamp. „Wir finden es einen Skandal, dass Plastik als ‚Kaumasse‘ getarnt auf der Zutatenliste steht.” Bei „Forest Gum” wird Plastik durch Chicle ersetzt, dem Saft des Breiapfelbaums. Geerntet unter fairen Bedingungen trägt diese nachhaltige Nutzung von Chicle dazu bei, dass die Bäume in den Tropen Zentralamerikas langfristig erhalten bleiben. Der Minz-Kaugummi begeisterte so sehr, dass innerhalb eines Tages die ersten 400 Packungen im Online-Shop komplett verkauft wurden. Auch die zweite Lieferung, dieses Mal 600 Packungen, waren erneut über Nacht ausverkauft.

Die hohe Nachfrage zeigt Simon Böhnlein: Nachhaltigkeit wird immer mehr zum Thema. Das Beispiel einer Zahnbürste bringt für Simon Böhnlein das GoodBuy-Konzept auf den Punkt: „Eine Bambus-Zahnbürste kann unter genauso schlechten Bedingungen produziert werden wie andere. Dann ist das einfach nicht ganz so schlechter Konsum.“ Bei GoodBuy muss der Konsum besser sein. Daher finden sich hier die Bamboos-Zahnbürsten von „Hydrophil“. Sie werden nicht nur ressourcenschonend und fair hergestellt, zehn Prozent der Erlöse fließen außerdem an den Verein Viva con Agua, der sich weltweit für einen menschenwürdigen Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt.

Simon Böhnlein bezeichnet sich als „super konsumkritisch“. Er kaufe nichts, was er nicht unbedingt brauche. „Einkaufen nervt und stresst mich.“ Anders soll es mit GoodBuy werden: Dort soll Kaufen Sinn stiften, fair, grün und sozial sein. Die einzelnen Rubriken der Produkte orientieren sich an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, den „Sustainable Development Goals”.

Zu den rund 200 Produkten von 40 Marken gehören unter anderem Tees von „ChariTea“, Kondome von „Einhorn“, Trinkflaschen von „soulbottles“ und Menstruationstassen von „Ruby Cup“.

Besonders ist auch der Versand: Jedes Paket wird nicht nur klimaneutral versendet, sondern ist sogar klimapositiv. Das bedeutet, dass „Generation Forest”, ein Kooperationspartner von GoodBuy, pro Paket abgeholzte Regenwaldflächen kauft, um sie wieder aufzuforsten. Acht Bestellungen reichen, um einen Quadratmeter Regenwald wiederzubeleben.

Was heute der Bio-Standard ist, ist in zwei Jahren vielleicht unser Ansatz des besseren Konsums.
Simon Böhnlein, GoodBuy

Der GoodBuy-Shop soll ein Anfang sein: „Wir wollen den Diskurs verschieben, damit irgendwann auch die großen Discounter nachziehen.“ Der 30-Jährige hat ein großes Ziel: „Was heute der Bio-Standard ist, ist in zwei Jahren vielleicht unser Ansatz des besseren Konsums.” 

Dabei weiß der Gründer auch, dass keines der Produkte perfekt ist. So wird die Schokolade von „Original Beans“ beispielsweise in der Schweiz hergestellt – und nicht etwa in der Demokratischen Republik Kongo oder in einem der anderen Länder, in denen der Kakao angebaut wird. Dadurch entgeht den Herkunftsländern ein Teil der Wertschöpfung. Manche Marken bei GoodBuy setzen genau da an: So liegt bei dem Kaffee von „Moema“ zum Beispiel die gesamte Wertschöpfungskette von der Ernte über die Röstung bis zum fertig verpackten Kaffee bei lokalen Kooperativen in Brasilien. Das schafft mehr und besser bezahlte Arbeitsplätze vor Ort.

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Doch nicht alle Menschen können sich eine Tafel Schokolade für fünf Euro oder eine Zahnbürste für knapp vier Euro leisten. Der Gründer sieht das Problem und kritisiert, wie ungleich Wohlstand in unserer Gesellschaft verteilt ist. Daher unterstützt der Laden in Berlin-Friedrichshain auch mit einem festen Anteil der Erlöse soziale Projekte in der Nachbarschaft über das Sozialunternehmen Quartiermeister. Die weiteren Einnahmen werden reinvestiert, Erlöse der eigenen Produkte fließen unter anderem an das enorm Magazin, um konstruktiven Journalismus unabhängig zu finanzieren.

GoodBuy ist Teil der Good Impact Family, zu der auch GoodJobs, Good Events, Good Travel, Good News und das enorm Magazin gehören.