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6 Februar 2021 / Lesezeit: 2 minuten

Virtual Tourism

Vom Wohnzimmer direkt ins Museum nach New York

Museumsbesuche sind momentan leider nicht möglich. Doch dank Virtual Tourism können wir die Ausstellungen dieser Welt ganz bequem von zu Hause aus anschauen.

Bild: Imago / Pacific Press Agency

Bild: Imago / Pacific Press Agency

Der Lockdown rückt Reisen weiter in die Ferne. Wie wäre es mit einem digitalen Museumstrip? Der Virtual Tourism boomt.

Wenn Sarah Kenderdine in TED Talks von ihren Reisen zu den Museen der Welt erzählt, klingt das eher nach einer Streiftour über das Holodeck der Enterprise als nach einem Bummel durch die Kunsttempel der Welt. Lautlos gleiten die Särge von Pharaonen auseinander, auf eine Berührung hin erwachen Höhlenmalereien zum Leben und bewegen sich durch den Raum, schieben sich die Ebenen eines Bildes auseinander und offenbaren, was sich dahinter verbirgt. Kenderdine leitet das Labor für experimentelle Museologie an der École polytechnique fédérale de Lausanne und hat einen Plan, mit dem sie in diesem Frühjahr wieder auf Vortragsreise geht: Museumsbesuche mit digitaler Technik revolutionieren. Die Besucher*innen sollen mit Haut und Haaren eintauchen in ferne Welten.

Virtual Tourism als nachhaltiger Reisetrend

Langfristig soll Virtual Tourism auch einen Beitrag zum Erhalt von Kulturgütern in Zeiten von Klimawandel und Overtourism leisten. Dafür arbeitet Kenderdine schon lange mit Museen in Indien und China, Großbritannien, Hong Kong und Australien zusammen. Noch braucht es drei Monate, um etwa eine der Mogao-Grotten in Dunhuang, China, vollständig zu digitalisieren. Aber absehbar ist: Digitale Museumsbesuche könnten sich eines Tages anfühlen wie eine lebensnahe Tour durchs Holodeck der Enterprise.

Wissenswertes

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Quelle: dwif-Corona-Kompass 2020

Einen Vorgeschmack gibt das Projekt Google Arts & Culture. Weltweit sind mehr als 2.000 Galerien und Museen beteiligt. Nach dem Prinzip von Google Street View kann man hier auf virtuellen Rundgängen durch die Museen schlendern, dazu gibt es Videos, Audioguides, Multimedia-Storys. Viele große Häuser sind dabei, vom British Museum in London über das Museum of Modern Arts in New York bis zum National Museum of Modern and Contemporary Art in Seoul. Aber auch Kleinode aus aller Welt, zum Beispiel das Museo Frida Kahlo in Mexico City und unzählige Klick-Trips zu moderner Kunst und Musik in Ländern wie Kuba, Indonesien oder Kenia.

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Nett sind die vielen Spielereien: Man kann Werke nicht nur nach Künstler*innen, Epoche oder Region, sondern auch nach Farben oder Material sortieren, visuelle Kreuzworträstel lösen (Bitte einkringeln: Welche Bilder sind von demselben Künster?), auf „Puzzle Partys“ mit Freund*innen Kunstpuzzles knacken oder über „Zoom in“ Exponaten so nahekommen, wie es im Museum nie erlaubt wäre. Hübsch sind die vielen kleinen Storys zu Fragen wie: „Warum schreit Edvard Munchs Schrei?“ Oder: „Acht Dinge über die italienische Künstlerin Artemisia Gentileschi, die Sie bestimmt nicht wussten.“ Auch wenn die Plattform einmal mehr ins Google-Imperium lockt, sie lohnt den Trip. Wer hier zu stöbern beginnt, verfängt sich leicht in einer abendfüllenden Reise durch die Kunst der Welt.