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20 Mai 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Sommerurlaub

Was die Covid-19-Pandemie für das Reisen bedeutet

In Corona-Zeiten bleiben die Gates am Flughafen leer. „Doch die Einschränkungen lehren uns auch, dass vieles nicht so wichtig ist, wie wir dachten“, findet Claudia Brözel, Professorin für Tourismusökonomie und digitale Transformation.

Bild: imago images / Future Image

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Normalerweise freuen sich die Menschen jetzt auf den Sommerurlaub. Doch ans Reisen ist ja in Corona-Zeiten nicht mehr zu denken, oder?

Kaum, seit Mitte Februar kann ja niemand buchen, weil es immer noch unklar ist, wie sich die Situation entwickelt. Extrem betroffen sind natürlich Pauschalreisen, Spanien, Türkei, Griechenland. Viele Veranstalter bieten Kunden, die schon vor Langem gebucht haben, kostenlose Stornos oder Gutscheine an. Was in den Sommerferien möglich sein wird, ist immer noch unsicher. Die Anbieter können nichts garantieren. Warum also nicht das Budget erst mal beiseitelegen und für eine größere Reise im kommenden Jahr sparen, statt auf den Trip in diesem Sommer zu hoffen? Oder: Ein Abenteuer in der Nähe suchen.

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Claudia Brözel ist Professorin für Tourismusökonomie und digitale Transformation an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde Bild: privat

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Reisebranche?

Für die Airlines ist das Virus der Gau, für die Kreuzfahrtbranche der Supergau. Kreuzfahren will derzeit fast niemand mehr, in der Luftfahrt brechen die Buchungen brutal ein. Viele Airlines stehen vor dem Aus, in Asien haben schon einige Insolvenz angemeldet. Die Lufthansa hat zahllose Flüge gestrichen. Mitarbeiter werden in Zwangsurlaub geschickt, andere Linien entlassen Hunderte Angestellte. Auch Reiseveranstalter trifft es hart. Schon Anfang März musste der deutsche Spezialanbieter China-Tours Insolvenz anmelden. Das ist erst der Anfang. Lange werden vor allem kleinere Reiseanbieter nicht durchhalten können. Nach 9/11 oder den Anschlägen in der Türkei vor ein paar Jahren gingen zwar die Buchungen in die USA oder die Türkei drastisch zurück, aber die Leute fuhren stattdessen halt woanders hin. Doch das Virus ist überall, wohin kann es noch gehen? Dass die ITB, die größte Reisemesse der Welt, abgesagt wurde, zeigt, was los ist: Das Virus zwingt die Branche zum Umdenken, vielleicht auch manch einen Betrieb in die Knie. Es wird ihr schwierigstes Jahr ever. Es ist noch nicht absehbar, wie sie es überlebt. Viele Veranstalter lassen sich allerdings einiges einfallen. Exkursionsanbieter Hauser zum Beispiel bietet für kleines Geld Webinare mit lokalen Guides aus Indochina, Japan oder Alaska an, in denen diese von ihrem Land erzählen. Wer an den virtuellen Abenteuern teilnimmt, hilft der Branche vor Ort. Einige Clubanbieter machen Online-Sessions, in denen Animateure lustige Ideen für die Kids zu Hause präsentieren.

Wir üben ein, was der Planet so dringend braucht: Menschen, die ressourcenschonend reisen.
Claudia Brözel, Professorin für Tourismusökonomie und digitale Transformation

Wenn Reisen nicht mehr geht, was dann?

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Wir sollten die Zeit und die Entschleunigung genießen. Bücher lesen, die man schon immer mal lesen wollte. Ein Reisetagebuch des Alltags schreiben, sich Ruhe für eine Reise nach Innen nehmen. Oder sich einfach vom Zufall leiten lassen. Inspirierend ist der Reiseführer des Zufalls von Lena Großmüller. Er steckt voller Ideen. Einfach jemandem mit blauem Pullover durch die Stadt folgen etwa. Wunderbar ist die App WeView von Niky Gharahgozlouyan. Als iranische Frau darf sie seit Jahren nur eingeschränkt reisen, durch Corona ist es ganz vorbei. Mithilfe von WeView kann man nun Menschen in anderen Ländern virtuell auf Ausflügen durch ihr eigenes Viertel begleiten, bei einem Spaziergang über einen Markt in Uganda, durch die Gassen von Marrakesch oder Kathmandu. Weltweit erleben wir zum ersten Mal gerade alle dasselbe: Durch Corona wird Reisen zum raren Gut. Eine globale Welle der Empathie ist spürbar. Und Corona wird zum Virus des Denkens: Die Einschränkungen lehren uns, dass vieles nicht so wichtig ist, wie wir dachten. 2020 wird das wohl CO2-freundlichste Jahr für den Planeten. Wir üben ein, was er so dringend braucht: Menschen, die ressourcenschonend reisen.