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7 August 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Gartenreich Dessau-Wörlitz

Das kleine Zauberland

Das Luisium im Gartenreich Dessau-Wörlitz.

Bild: Gartenreich Dessau-Wörlitz

 

 

 

Bild: Gartenreich Dessau-Wörlitz

 

 

 

Ein Stück England in Deutschland: Das Gartenreich Dessau-Wörlitz gilt als Ursprung des englischen Landschaftsgartens auf dem europäischen Festland. Schon Goethe war von diesem grünen Reich begeistert.

Schon zu Goethes Zeiten galt die Wörlitzer Gartenanlage in Dessau, Sachsen-Anhalt als Sensation. Begeistert schrieb der Dichter: „Hier ist’s jetzt unendlich schön.“

Der Garten als Landschaftsgemälde

Im Boot hat man das Gefühl, durch ein Landschaftsgemälde zu gleiten. Da sind die modellierten Wiesenflächen mit den alten Bäumen, typisch für den englischen Stil. Dann taucht das stattliche Schloss auf, der erste klassizistische Bau in deutschen Landen. Es geht zur Insel Stein mit einem künstlichen Vulkan. An Festtagen brodelt und spuckt dieser felsenartige Bau aus dem 18. Jahrhundert noch heute.

Immer wieder schiebt sich die Gondel unter Brücken hindurch. Jede sieht anders aus, die verschiedenen Modelle bilden die Entwicklungsgeschichte des Brückenbaus ab. Besonders eindrücklich ist die Kettenbrücke mit den Felsgrotten daneben.
„Das ist meine Lieblingsecke, weil es da wirklich dunkle Gänge gibt“, sagt Gondelfahrer Patrick Krüger. Als Kind hat er im Landschaftspark von Wörlitz gespielt. Das Herzstück im Gartenreich Dessau-Wörlitz zählt zur Spitzenklasse der Landschaftsgärten in Europa.

Fürst Franz als Gartenvisionär

Fürst Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) hatte in der Gartenkunst eine Revolution angezettelt. Auf seinen Englandreisen lernte er den englischen Gartenstil kennen: Gärten ohne formale Beete, ohne Symmetrie, angelegt wie eine natürliche Ideallandschaft.

Seinen Sehnsuchtsort holte sich der Fürst schließlich nach Hause und weihte 1773 seine progressive Parklandschaft in Wörlitz ein. Ohne Zaun, bis heute. Die Bevölkerung war von Anfang an im Park und selbst auch im Schloss willkommen. „Er war schon ein toller Mann“, sagt Brigitte Mang, Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, über den Visionär und Gartenkünstler auf dem Thron. „Mit ihm hätte ich gerne einmal zu Abend gegessen.“

Auch auf enorm: Je schlampiger der Garten, desto besser für Insekten

Das renovierte Wörlitzer Schloss

Zwei Jahrzehnte dauerte die Restaurierung des Wörlitzer Schlosses. Der Paradebau des Klassizismus empfängt den Besucher nun in prächtigen Räumen mit historischem Mobiliar und 130 Jahre alten Seidentapeten. „Als nächstes werden wir das Haus der Fürstin von 1789 zum Ausstellungszentrum umbauen“, berichtet Mang. „Und ein Welterbezentrum realisieren.“ Im Jahr 2000 hatte die Unesco das Gartenreich mit dem Welterbetitel ausgezeichnet.

Das Luisium der Fürstin

Daseinsfreude ist im Luisium zu spüren. Der idyllische Rückzugsort von Fürstin Luise von Anhalt-Dessau verfügt weitgehend über seine originale Ausstattung. Fürst Franz hatte seiner Frau dieses Minischlösschen zum 30. Geburtstag geschenkt.  „Luise war lesebegeistert“, sagt Grita Quilitzsch. „Bis zu 20 Bücher las sie gleichzeitig.“ Die Kastellanin des Schlosses Luisium hat als Kind selbst im Mezzanin, einem Zwischengeschoss des historischen Gebäudes gewohnt, in der „schönsten Wohnung von Dessau“. Heute führt sie Gäste über das knarrende Eichenholzparkett.

Der Salon in der ersten Etage beeindruckt: Zarte Malereien, farbige Wände und ausgewählte Kunstwerke machen den romantischen Landsitz zu einem femininen Ort. Man kann sich gut vorstellen, wie Luise vor dem englischen Schiebefenster stand und auf ihren 14 Hektar großen Landschaftsgarten blickte. Sichtachsen teilen den Park, der bewusst wie ein arkadisches Landschaftsgemälde angelegt ist – mit Brunnen, Brücken, Auen und Pferden auf der Weide.

Barockes Schloss Oranienbaum

Vier Jahrhunderte Gartenkunst sind im Park von Schloss Oranienbaum nicht weit vom Wörlitzer Park entfernt zu durchwandern. Der barocke Garten aus dem 17. Jahrhundert wurde teilweise von Fürst Franz in einen englisch-chinesischen Garten umgeformt, mit fünfgeschossiger Pagode und chinesischem Teehaus.

Im Inneren des Schlosses bleiben drei Räume in Erinnerung: der Saal mit den kostbaren Ledertapeten, das Spiegelkristallzimmer und der Fliesenkeller mit den Fayencen, also kunstvoller Keramik. Im Gedächtnis bleibt auch die gigantische Orangerie nebenan. Mit rund 175 Metern Länge zählt sie zu den größten Orangerien in Europa.

„Die aufwendige Zucht von Zitruspflanzen hat in Oranienbaum eine lange Tradition“, sagt Schlossgärtner Sebastian Doil. „Und wir führen sie fort.“ Der Meister der Orangen kümmert sich um Pomeranzen, Granatäpfel und Palmen, die im Sommer den Schlosspark zieren.

Im Gartenreich Dessau-Wörlitz liegt auch das renovierte Wörlitzer Schloss und empfängt Besucher in seinen historischen Räumen. Dessen Restaurierung dauerte zwei Jahrzehnte. Bild: imago images/Rolf Kremming

Rokoko-Schloss Mosigkau

Auch im Garten des Rokoko-Schlosses Mosigkau ist man dabei, den einstigen Lustgarten wiederherzustellen. Der historische Irrgarten besteht aus Hainbuchen.

An ein Wunder grenzt es, dass das Schlossinnere gut erhalten ist. Vor allem der Galeriesaal mit den wertvollen Gemälden von Rubens, van Dyck oder Brueghel. „Diese typisch barocke Bilderhängung in vertieften Wandfeldern, in drei Reihen übereinander, ist selten zu sehen“, erklärt Wolfgang Savelsberg, der Leiter der Schlösserabteilung der Kulturstiftung.

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Die Verquickung von Garten- und Kulturlandschaft ist das Besondere am Gartenreich Dessau-Wörlitz. Dank aufwendiger Sanierungen hat man 30 Jahre nach der Wiedervereinigung das Arkadien von Fürst Franz wieder zum Blühen gebracht.

Gartenreich Dessau-Wörlitz

Anreise: Die beschriebenen Gärten befinden sich in Sachsen-Anhalt, südwestlich von Berlin, rund um die Stadt Dessau-Roßlau. Mit der Bahn etwa von Berlin nach Dessau und dann weiter mit dem Bus. Für den Besuch mehrerer Gärten empfiehlt sich das Auto.

Gärten: Die erwähnten Gärten gehören zum Gartennetzwerk Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt mit insgesamt 50 historischen Parks und Gärten. Weitere Höhepunkte: der Barockgarten in Hundisburg, der größte barocke Irrgarten Deutschlands in Altjeßnitz und das Europa-Rosarium in Sangershausen im Harz. Einige der historischen Gebäude in den Parkanlagen können nur mit Führung besichtigt werden.