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9 December 2019 / Lesezeit: 3 minuten

Camper-Sharing

Bulli im Winterweiß

Wettertaugliche Fahrzeuge von Camper-Sharing-Anbietern machen das mobile Reisevergnügen auch bei Eis und Schnee möglich.

TITELBILD: ALEXANDRA NICOLAE/UNSPLASH

TITELBILD: ALEXANDRA NICOLAE/UNSPLASH

Mit Bulli oder Campervan in den Winterurlaub? Kein Problem. Gut ausgerüstet überwinden Wohnmobile & Co auch vereiste Straßen. Kaufen muss man sich die Busse nicht, es gibt ja Camper-Sharing.

Jetzt noch mal raus aus dem Alltag, warm eingepackt durch die winterlichen Dünen wandern oder den Blick auf schneebedeckte Wipfel und klare Bergseen genießen. Wer mit dem Camper reist, ist flexibel und besonders nah an der Natur.
Für Swende Stratmann und ihre kleine Familie ist das seit langem schon ein Traum. Packen, rein in einen Bulli und auf Richtung Gardasee. Im Internet stöbert Stratmann nach Miet-Bussen – und ist ernüchtert: Kommerzielle Anbieter berechnen für eine Woche Camper und Wohnmobil in der Nebensaison etwa 700 Euro. Hinzu kommt oft die Anreise zum Verleiher, um das Mobilheim für den Urlaub abzuholen. Die Kölnerin entscheidet: Zu teuer, zu viel Aufwand, wir brauchen
eine Alternative.

Auf Webseiten Yescapa, Paulcamper und Campanda fand sie die Lösungen: Camper-Sharing. Privatpersonen bieten ihr rollendes Zuhause zur Miete an. Vom High-Tech-Luxusmobil bis zum Bulli mit selbstgeschreinerter Spüle ist alles dabei. Stratmann stößt auf ein Angebot in der Nähe. In einem Kölner Vorort findet sie einen passenden Leih-Camper für ihre Familie.
Bulli-Sharing ist deutlich günstiger als die klassische Miete bei einem kommerziellen Anbieter: In der Nebensaison liegen die günstigsten Angebote bei etwa 60 Euro pro Tag, in der Hauptsaison bei 80. Es gibt keine Zusatzgebühren für Versicherung oder gefahrene Kilometer. Ein weiterer Bonus: Im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern, erlauben viele Wohnmobilbesitzer Hunde an Bord. Zu den Mietkosten kommen Ausgaben für Benzin oder Diesel. Camper und Wohnmobile können je nach Fahrzeugtyp bis elf, manchmal sogar 13 Liter verbrauchen. Wer im Winter also weit weg ins Warme reisen will, sollte prüfen, ob es nicht günstiger ist, mit dem Zug anzureisen und das Reisemobil erst vor Ort zu mieten.

In der Klimabilanz schneiden Wohnmobile allerdings in der Regel deutlich besser ab als klassische Hotelurlaube. Das ergab bereits 2013 eine Studie des Öko-Instituts Darmstadt im Auftrag des Caravaning Industrie Verbandes. Pro Nacht entstehen im Wohnmobil etwa 1,5 Kilogramm CO2-Äquivalente statt etwa 17 Kilogramm im Hotel. Beziehen die Forscher An- und Abreise mit ein, ist Reisen mit dem Wohnmobil zwar weniger klimafreundlich als Campingurlaub mit dem Pkw oder die Kombination Reisebus und Hotel. Doch der Bulli-Urlaub schlägt in Sachen Klimabilanz die Kombi Flugzeug, Mietwagen und Hotel um Längen. Das gilt auch im Winterurlaub: Wenn der Blick aus dem Bulli-Fenster weiße Gipfel statt Sommersonne und Meer zeigt, ist die Reise mit dem Wohnmobil klimaschonender als die Nacht im warmen Hotelbett.

Allerdings erfordert eine Winterreise mit dem Camper deutlich mehr Vorbereitung als ein Abstecher ins Hotel. Das fängt bereits bei der Auswahl des Fahrzeugtyps an: Wer Urlaub in kalten Regionen plant, sollte einen Camper wählen, der zumindest als „wintertauglich“, besser als „winterfest“ gekennzeichnet ist. Diese Begriffe geben Auskunft darüber, wie gut das Fahrzeug isoliert und beheizt ist. Bei winterfesten Wohnmobilen sind auch die Wasserleitungen vor Frost geschützt. Ein weiterer Knackpunkt ist der Abwassertank. Der liegt meist außen und friert somit schnell ein. Erfahrene Wintercamper lassen das Wasser direkt in einen trichterförmigen Eimer ab, der Eisblock lässt sich einfach entsorgen, die Leitungen bleiben frei.

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Beim Stellplatz haben Camper im Winter weniger Auswahl als im Sommer. Viele Campingplätze haben geschlossen. Wer ein Wohnmobil mit Gasheizung hat, sollte zusätzlich checken, ob es in der Nähe des Stellplatzes eine Möglichkeit gibt, Gasflaschen
zu tauschen oder aufzufüllen. Eine Gasflasche mit elf Kilogramm hält bei eisigen Temperaturen zwischen zwei und vier Tagen.
Wichtig bei Reisen ins Ausland: Der Propananteil im Gas muss stimmen. In Deutschland befüllte Gasflaschen enthalten 95 Prozent Propan und sind damit wintertauglich. Liegt der Anteil darunter, bleibt zum Beispiel Butan bei Kälte flüssig. Auch der Strom geht bei Kälte schneller zur Neige. Wer im Winter mit dem Bulli unterwegs ist, verbraucht mehr Strom. Zudem ist eine kalte Batterie nicht so leistungsfähig wie eine warme. Ein Stellplatz mit Stromanschluss ist im Winter daher viel Wert.
Als winterliche Bulli-Reiseziele bieten sich vor allem Skigebiete im Schwarzwald, Allgäu und Tirol an. Wer mit Skiausrüstung reist, sollte sich im Vorfeld informieren, ob der Campingplatz einen Trockenraum anbietet, in dem Urlauber ihre Ausrüstung lagern können. Dann ist mehr Platz im Bulli – für einen entspannten Abend mit heißem Tee und Keksen nach einem Tag auf der Piste.

 

Camper-Sharing

WWW.YESCAPA.DE

Wohnmobile von Privat für Privat – egal ob in München, Hamburg oder Sardinien. Plattform für Mieter und Vermieter.
Vollkasko inklusive Pannenschutz Standard.

WWW.PAULCAMPER.DE
Auswahl zwischen mehr als 4000 verschiedenen Campingbussen, Kastenwagen und Alkoven. Angebote in ganz Deutschland. Interessanter Blog.

WWW.CAMPANDA.DE
Die Seite für den Mix: Hier finden Nutzer private und professionelle Mietangebote für Wohnmobile weltweit. Reisende können nach Ort, Preis und Austattung suchen. Auf dem Portal gibt es Infos zu lohnenswerten Zielen.